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Alarmierung mit Problemen

27.03.2009

Notruf per Handy hat auch Nachteile

Das kann tagtäglich passieren: schwerer Unfall auf der Autobahn zwischen Adelsried und Neusäß. Ein Autofahrer wählt die 112. Der Notruf läuft bei der Integrierten Leitstelle in Augsburg ein. Zwei Minuten später kommt dort der nächste Notruf an. Jetzt aber mit einer anderen Kilometer-Angabe. Von Martin Deibl

Landkreis Augsburg - Das kann tagtäglich passieren: schwerer Unfall auf der Autobahn zwischen Adelsried und Neusäß. Ein Autofahrer wählt - natürlich per Handy - die 112. Der Notruf läuft bei der Integrierten Leitstelle in Augsburg ein.

Zwei Minuten später kommt dort der nächste Notruf an. Jetzt aber mit einer anderen Kilometer-Angabe. Wiederum zwei Minuten später wählt ein anderer Autofahrer die Notrufnummer, erreicht aber nicht die ILS in Augsburg, sondern in Krumbach, da er bereits nahe der Landkreisgrenze telefoniert hat. Dann wird dort der Unfall aufgenommen und die Kollegen in der Fuggerstadt verständigt.

Dort stehen die Disponenten jetzt vor der Frage: ein, zwei oder drei Unfälle? Und vor allem: wo? Eine Rückfrage ist nicht möglich, das Handynetz entlang der Autobahn völlig überlastet. Oder die Unfallmelder sind nicht zu erreichen, weil ihr Anbieter dort nur einen marginalen Empfang hat.

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Wenn möglich stationäre Notrufsäulen bevorzugen

Ein Problem, das immer wieder zu schaffen macht, wie Kreisbrandrat Georg Anzenhofer und der Geschäftsführer des Roten Kreuzes im Landkreis, Günther Geiger, aus der täglichen Praxis wissen. Ideal wäre deshalb, so Geiger, die Unfallmeldung über eine Standleitung, sprich über die stationären Notrufsäulen entlang der Autobahn, abzugeben. Den Notruf per Handy will er gleichwohl nicht schlecht reden. Geiger hat selbst bei seinem eigenen Unfall erlebt, wie wichtig ein Handy sein kann: "Das nächste Telefon wäre zwei Kilometer entfernt gewesen."

Doch es gibt noch ein anderes Problem: Notrufe von Handys, bei denen keine SIM-Karte eingelegt ist oder die eine eigene Notruf-Taste haben. Dies hat zur Folge, dass nicht festgestellt werden kann, wer angerufen hat. Die Nachfrage also bei dem Anrufer, der einen Unfall gemeldet hat, ist auch in diesem Fall nicht möglich.

Die Notrufnummer 112 funktioniert immer

Noch schlimmer ist es jedoch, wenn die Notruftaste auf einem Handy missbraucht wird. Kreisbrandrat Anzenhofer berichtete bei der Besichtigung der Integrierten Leitstelle, dass es fast zu einer Art Sport mancher Jugendlichen geworden sei, in einem Elektronikmarkt durch die Reihen der ausgestellten Handys zu laufen und die Notruftaste zu drücken. Und der Verkäufer, den er daraufhin ansprach, habe nur mit den Schultern gezuckt.

Handy mit SIM-Karte kann identifiziert werden

Jetzt ist eine neue Verordnung in der Prüfschleife, wonach künftig Notrufe von einem Handy nur noch mit eingelegter SIM-Karte möglich sein sollen. Die Fachleute sind geteilter Meinung, ob dies sinnvoll ist, auch wenn der Missbrauch stetig zugenommen habe. Vorteil ist, dass Handys mit SIM-Karte identifiziert werden können, ein Missbrauch also zu Konsequenzen führen kann, da alle eingehenden Notrufe gespeichert werden. Sollte also von ein und derselben Nummer mehrmals nur zum Spaß die 112 gewählt werden, könnte man den Übeltäter ausfindig machen.

Allerdings - auch darin sind sich die Fachleute einig: Ein Notruf sollte so einfach wie nur irgendwie möglich durchzuführen sein.

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