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Augsburg

10.08.2018

Unheimliche Unfallserie auf der A8: War es das Wetter?

Eine außergewöhnliche Unfallserie auf der Autobahn A8 verzeichnete die Polizei am Donnerstag: Vom Nachmittag bis zum späten Abend gab es mehrere Unfälle.
Bild: Oliver Reiser

Am Donnerstag häuften sich auf der A8 zwischen Adelsried und Adelzhausen die Unfälle: Sieben Menschen wurden verletzt. Was waren die Gründe dafür?

Was war das für eine unheimliche Unfallserie auf der Autobahn! Von Donnerstagnachmittag bis in die späten Abendstunden krachte es auf der A 8 zwischen Adelsried und Adelzhausen acht Mal, sieben Menschen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf „mindestens 150 000 Euro“. Zeitweise waren wegen der Vielzahl an Einsätzen alle Notarztfahrzeuge „ausgebucht“: Ein 20-Jähriger wurde daher durch den Notarzt des Rettungshubschraubers versorgt. Was war los?

Warum waren so viele Autofahrer für Sekundenbruchteile unaufmerksam? War es die Hitze? Oder die herannahende Gewitterkaltfront? Immer wieder kommt es auf der A 8 zu Serienunfällen. Das war früher auf der alten hügeligen Strecke so. Und das ist heute nach dem sechsspurigen Ausbau so. Meist sind eindeutige Ursachen auszumachen: plötzlich einsetzender Regen, Nebel, schlechte Sicht, Graupelschauer – oder auch die tief stehende Sonne plus Regenschauer wie im September vorigen Jahres, als zwischen Augsburg und Dasing im dichten Feierabendverkehr gleich 23 Fahrzeuge in eine Massenkarambolage verwickelt wurden. Bei der Zusammenfassung des Unfallgeschehens vom Donnerstag sprach Michael Jakob vom Polizeipräsidium Schwaben-Nord selbst von einer „außergewöhnlichen Unfallhäufung“. Doch diesmal gab es nicht einen einzigen Auslöser – die Straße war trocken, die Sicht war gut und es herrschte zunächst aufgrund der Ferienzeit kein allzu dichter Verkehr.

Polizei sieht "Unaufmerksamkeiten" als Grund für die Unfälle auf der A8

Vielmehr registrierte die Polizei mehrere Einzelunfälle an verschiedenen Stellen zu unterschiedlichen Zeiten – die meisten ab 14.40 Uhr in Richtung München, der letzte am späten Abend in Fahrtrichtung Stuttgart. Zwar gab im sich stauenden Verkehr Folgeunfälle und meistens waren laut Jakob die Unfallfahrer (viel) zu schnell unterwegs. Doch meist lösten Unaufmerksamkeiten die Karambolagen aus. Jakob hat dafür keine schlüssige Erklärung. Spielte doch das Wetter eine Rolle?

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War es die nach der wochenlangen Hitze angekündigte Kaltfront, die wetterfühlige Zeitgenossen gestern schon frühzeitig herannahen spürten? Mit Kopfschmerzen oder gar Migräne. Hat deshalb die Konzentration gelitten? Polizeisprecher Jakob will das nur als „Spekulation“ bezeichnen: „Die Unfallursache ,Wetterumschwung‘ gibt es bei uns nicht“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Fakt war: Nach Schauern am Vormittag und kurzer Abkühlung kletterte das Thermometer in Augsburg bis zum späten Nachmittag nochmals auf 33 Grad Celsius, bis dann am Abend die Kaltfront die Region erreichte – und es gestern mehr als zehn Grad kühler war als am Vortag.

Rotes Kreuz schließt Einfluss des schwülheißen Wetters nicht aus

Manfred Rupprecht kann sich aus seiner Erfahrung den Einfluss des schwülheißen Wetters auf das Verkehrsgeschehen vorstellen. Er ist der Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz im Augsburger Land. „Wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, dann kann es durchaus zu einer Häufung von Unfällen kommen“, sagt er – wie es bei großer Hitze logischerweise auch zu vermehrten Kreislaufzusammenbrüchen oder Ähnlichem kommt.

Der Kreislauf der Menschen ist durch die Hitze der vergangenen Wochen belastet, die Gefahr, dass man zu wenig trinkt, steige an, die Menschen seien im Reisefieber, dazu komme dann womöglich noch eine gewisse Urlaubshektik. Die Planung, zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ziel anzukommen, geht nicht auf – und „dann hört man noch im Autoradio, dass die Autobahn schon wieder zu ist“, schildert Rupprecht die gängigen Situationen. All das belaste die Menschen – am Ende schwindet die Aufmerksamkeit. Und schon haben kleine Konzentrationsmängel große Folgen – wie die Spurwechsel-Unfälle zeigen, bei denen ein anderes Fahrzeug übersehen wurde.

Zusammenhänge all dieser Faktoren seien zwar zu vermuten, aber eine gezielte Auswertung kenne er nicht, berichtet Rupprecht. Noch nicht: Denn er fände es spannend, wenn Wetterdaten und Unfalldaten in einer wissenschaftlichen Untersuchung einmal miteinander verknüpft würden.

Und die gute Nachricht nach der Unfallserie zum Schluss: Auch wenn die Rettungsdienste alle Hände voll zu tun hatten, lief in der Unfallchirurgie des Augsburger Klinikums alles glatt: „Wir hatten keine Probleme“, teilte Chefarzt Prof. Edgar Mayr auf Anfrage mit.

Und so bilanzierte die Polizei das Unfallgeschehen:

14:40 Uhr: Der Fahrer eines Kleintransporters wechselt bei Augsburg-West auf die linke Spur. Ein Toyota-Fahrer kann nicht mehr bremsen und fährt auf. Der Transporter schleudert und überschlägt sich. Zwei Verletzte kommen ins Klinikum. Die A 8 bleibt 45 Minuten gesperrt. Die Polizei beklagt, dass die Rettungsgasse verbotswidrig genutzt wird.

16:15 Uhr: Nach einem Reifenplatzer kommt ein Kleintransporter zwischen Dasing und Adelzhausen auf der linken Spur zum Stehen. Ein 87-Jähriger fährt trotz Vollbremsung auf.

16:25 Uhr: Ein 65-Jähriger erkennt bei Edenbergen das Stauende zu spät und prallt trotz Vollbremsung mit seinem Auto auf einen Mercedes und schiebt diesen auf einen Opel.

17:50 Uhr: Der 63-jährige Fahrer eines Sattelzuggespanns übersieht bei Augsburg-West beim Spurwechsel einen VW Golf und schiebt diesen einige Meter vor sich her, bis der VW zur Seite abgedrängt wird und stehen bleibt.

18:10 Uhr: Wegen der Stausituation will ein 33-Jähriger die A 8 in Augsburg-West verlassen. Kurzfristig ändert er seinen Entschluss und fährt über die Auffahrtsspur wieder auf die Autobahn. Beim Einfädeln kollidiert er mit einem Sattelzug.

18:30 Uhr: Zwischen Adelsried und Neusäß kracht ein 20-Jähriger trotz Vollbremsung mit seinem Wagen ins Stauende – auf einen Sattelzug und auf den Pkw einer vierköpfigen Familie. Alle fünf kommen ins Klinikum. Der Unfallverursacher wird schwer verletzt.

18:45 Uhr: Ein 30-jähriger Sattelzugfahrer übersieht beim Wechsel auf die rechte Spur einen Fiat und touchiert diesen seitlich.

23:25 Uhr: Der letzte Unfall ereignet sich in Fahrtrichtung Stuttgart zwischen Adelzhausen und Dasing. Ein 42-jähriger Kleintransporter-Fahrer übersieht beim Spurwechsel nach rechts einen Kleinlaster und schleudert gegen die Betonleitwand. Die A8 wird für eine Stunde gesperrt. Beide Fahrer werden verletzt.

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11.08.2018

DAH - FFB- und M sind diejenigen die am meisten jammern und am wenigsten Auto fahren können.
Nicht in der Stadt und schon gar nicht auf der Autobahn.

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11.08.2018

Es würde nicht soviel krachen, wenn mehr Abstandskontrollen durchgeführt würden...
"schließt die Lücke"... ist doch das Motto so vieler Autofahrer!
Und wenn halt dann noch rücksichtslose "profitrucker" und andere dazukommen...dann schepperts halt...
Deshalb meine Empfehlung: Begrenzt endlich die ganze A8 auf max. 120 und kontrolliert es dann auch...

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11.08.2018

"Meist sind eindeutige Ursachen auszumachen: plötzlich einsetzender Regen, Nebel, schlechte Sicht, Graupelschauer – oder auch die tief stehende Sonne plus Regenschauer"
Das ist ein totaler Blödsinn was da geschrieben wurde. Schlecht Sicht oder Regen verursacht keinen Unfall. Unfälle entstehen durch schnelles und aggressives Fahren, geringen Anstand oder eben, was jedem mal passieren kann, durch Unachtsamkeit.

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