Kiew, Texas, New York, Augsburg - die jüngste Reiseroute der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock war außergewöhnlich, doch es ist Wahlkampf, da führt selbst der Weg einer international vernetzten Politikerin einmal in die Provinz. Am Freitagabend ist das Augsburg, wo Baerbock ihrer Partei Rückenwind für die Landtagswahl gibt. Die Grünen können ihn brauchen: Nach aktuellen Umfragen liegen sie bei 14 bis 15 Prozent und damit nicht weit vor der AfD. Die Augsburger Kandidaten und ihre Gäste aus Land und Bund geben an diesem Abend deshalb das Motto für die letzten Tagen bis zur Wahl am 8. Oktober aus: Stimmen sammeln für die Demokratie.
Die Augsburger Kälberhalle ist am Freitagabend ausgebucht, 400 Besucherinnen und Besucher haben sich angemeldet. Auf den Tischen: grüne Filzdeckchen, Blumentöpfe mit Minze, Rosmarin, Lavendel - und Bierdeckel mit einem Spruch, der sich einprägt: "Klima ist wie Bier: Zu warm ist es Mist." Annalena Baerbock, gerade zurück aus den USA, findet ebenfalls klare Worte - auch gegenüber der bayerischen CSU, mit der die Grünen in Bayern eigentlich regieren möchten: "Wenn man sogar im konservativen, republikanisch geprägten Texas seine Scheuklappen gegenüber Windkraft ablegen kann, dann sollte das doch auch in Bayern gelingen."
Annalena Baerbock in Augsburg: Ein Plädoyer für Schwarz-Grün
Baerbocks wichtigste Themen an diesem Abend: die Unterstützung der Ukraine und der Menschen, die wegen des Kriegs dort Zuflucht in Deutschland suchen. Auf die wenigen Menschen, die zu Beginn der Veranstaltung draußen an der Berliner Allee gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine protestiert haben, geht sie nicht ein. Stattdessen der Appell, auf schwierige Herausforderungen dieser Zeit nicht mit populistischen Forderungen zu reagieren. "Wir müssen uns in diesen Zeiten den klaren, ehrlichen Kompass für Humanität erhalten." Den Draht zu den Augsburgerinnen und Augsburgern hat die Außenministerin schnell aufgebaut. Sie erinnert an Wahlkampfauftritte in Augsburg mit Grünen-Politiker Jörg Westerhoff, der auch jetzt, mit 93 Jahren, wieder für seine Partei im Wahlkampf ist. Und sie greift den Marketing-Spruch der Brauerei auf, der in der Kälberhalle aushängt: Einfach, ehrlich, echt.
Denn auch wenn in der Politik vieles kompliziert sei, werde es bei einer Frage doch wieder einfach: "Was ist eigentlich wichtig für mich als Mutter, Mensch, Politikerin? Da geht es dann darum, dass alle Menschen auf dieser Welt in Frieden leben wollen, dass alle für ihre Kinder nur wollen, dass es ihnen gut geht. Und darum, für diese Demokratie, die für uns alle ein großer Segen ist, dankbar zu sein."
Auch Bayerns Spitzenkandidat Ludwig Hartmann ist nach Augsburg gekommen, auch er will den "lieben Grünen und Noch-nicht-Grünen" eine schwarz-grüne Landesregierung schmackhaft machen. Die hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuletzt zwar immer wieder ausgeschlossen, laut Hartmann aber ist der Ministerpräsident nun einmal auch dafür bekannt, dass sein Wort von gestern heute schon wieder anders lauten könne.
Was Augsburgerinnen und Augsburger Annalena Baerbock fragen
Bei einer Abschlussrunde, in der die Besucherinnen und Besucher Fragen an Annalena Baerbock sowie die Augsburger Kandidaten stellen können, dominieren die Themen, die auch die Außenministerin selbst angetippt hat: der Krieg in der Ukraine, die Option einer schwarz-grünen Landesregierung, die Bemühungen um besseren Klimaschutz und die Frage nach dem Grund für die steigenden Umfragewerte der AfD. Um letzterer Entwicklung entgegenzuwirken, auch deshalb ist Baerbock an diesem Abend nach Augsburg gekommen: "Demokratien fallen nicht vom Himmel, sie werden jeden Tag gelebt. Jeden Tag zusammenhalten, das macht unsere Demokratie stark." Augsburgs Grüne Kandidaten Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoglu werden sich bis zur Wahl noch intensiv dafür stark machen: Am Samstag wollen sie in der Augsburger Annastraße wieder um Stimmen werben - Stimmen für die Demokratie.