Landtagswahl in Bayern 2023: So wird im Stadtgebiet Augsburg gewählt
Der Kampf um die besten Standorte hat sich in der Nacht auf Sonntag entschieden: Ein Großteil der Parteien hat in Augsburg exakt mit dem Beginn der Plakatierungsfrist 70 Tage vor der Landtagswahl die ersten Werbetafeln für die Kandidaten aufgestellt. Teils wurde pünktlich um 0 Uhr losgelegt, um attraktive Laternenmasten an belebten Stellen gleich für sich zu besetzen. Die Gesichter auf den Plakaten werden in den kommenden Wochen überall präsent sein - wir geben gut zwei Monate vor der Landtagswahl am 8. Oktober einen Überblick darüber,Bayern-Wahl 2023: Alle Infos zur Landtagswahl im ÜberblickBayerische Landtagswahl wer kandidiert und wer welche Chancen auf welches Mandat hat.
Augsburg ist in zwei Stimmkreise aufgeteilt, nämlich Ost und West (der Westen umfasst auch die Nachbarstädte Gersthofen und Neusäß). Aus jedem Stimmkreis wird von den Bürgern ein Direktkandidat gewählt (Erststimme) - aus Augsburg wird es also zwei direkt gewählte Abgeordnete geben. Jede Partei bestimmt ihre Direktkandidaten. Wer von allen Direktkandidaten eines Stimmkreises die meisten Stimmen hat, zieht in den Landtag ein. Dann gibt es noch die Zweitstimme: Die Parteien haben für den Regierungsbezirk Schwaben Listen mit Kandidaten aufgestellt, aus denen die Wähler insgesamt einen auswählen dürfen. Die Parteien haben eine Reihenfolge bestimmt und Listenplätze vergeben.
Mit einem vorderen Listenplatz geht grundsätzlich eine höhere Chance einher, gewählt zu werden, zumal wenn ein Listenkandidat gleichzeitig noch Direktkandidat in einem Stimmkreis ist. Denn bei denen, die nicht das Direktmandat erringen, werden beide Stimmen zusammengerechnet. Das ist besonders für Kandidaten aus Augsburg ein Vorteil - wenn sie in der ganzen Stadt bekannt sind, können sie im eigenen Stimmkreis viele Erststimmen und im anderen Stimmkreis viele Zweitstimmen holen. Der Platz auf der Liste ist allerdings nur ein Indiz für die Erfolgschance - immer wieder gibt es Fälle, in denen Kandidaten von hinteren Plätzen nach vorne gewählt wurden. Insofern gibt es bei den Zweitstimmen manchmal Überraschungen.
Bei der CSU gibt es einen Wechsel: Die Christsozialen stellen beide Augsburger Landtagsabgeordnete mit Direktmandat. Andreas Jäckel kandidiert wie gehabt im Osten - der gelernte Banker dürfte, Stand jetzt, wieder den Sprung in den Landtag schaffen. Für Augsburg-West sitzt aktuell noch Johannes Hintersberger im Landtag. Er wird in diesem Jahr 70 Jahre alt und hört nach 20 Jahren im Landtag auf. Ihm soll der Gastronom und Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Leo Dietz, folgen. Dietz kann sich gute Chancen ausrechnen und wäre aufgrund seines Lebenslaufs - vom Türsteher zum Gastro-Unternehmer - außergewöhnlich in der Landtagsfraktion. Im Falle eines Einzugs in den Landtag wird er wohl Fraktionsvorsitzender im Stadtrat bleiben. Die CSU hat mit Quirin Bauer und Tanja Rüb auch zwei Augsburger Kandidaten auf der schwäbischen Liste untergebracht. Allerdings dürften ihre Chancen überschaubar sein.
Die Grünen setzen auf Kontinuität: Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoglu sitzen seit 2018 für die Grünen im Landtag. Damals gelang angesichts des guten Wahlergebnisses der Partei erstmals zwei Augsburger Grünen-Kandidaten der Sprung ins Parlament. Sie traten zwar als Direktkandidaten an, zogen aber über das Zweitstimmenergebnis in den Landtag ein. Bei der Landtagswahl 2023 sind sie auf der schwäbischen Liste auf den Plätzen drei und vier gereiht - das ist eine sehr solide Basis für den Wiedereinzug in den Landtag.
Die AfD stellt zwei Stadträte auf: Hier treten der Vorsitzende der AfD-Stadtratsfraktion, Andreas Jurca, und Stadtrat Raimond Scheirich als Direktkandidaten an. Möglich wäre ein Einzug über die Liste, einfach wäre der aber nicht, außer die AfD würde bei der Wahl sehr deutlich Stimmanteile gewinnen - was sich laut Umfragen in Bayern aber wesentlich gemäßigter andeutet als im Bundesschnitt. Jurca ist auf der schwäbischen Liste auf Platz sieben gereiht, Scheirich auf Platz acht. Vor fünf Jahren war Markus Bayerbach aus Augsburg als vierter schwäbischer AfD-Abgeordneter in den Landtag eingezogen - er ist im vorigen Jahr aus der Partei ausgetreten.
Bei der SPD gibt es zwei neue Kandidaten: Florian Freund, Vorsitzender der gemeinsamen Stadtratsfraktion aus SPD und Linke, tritt im Augsburger Westen als Direktkandidat an, Stadträtin Anna Rasehorn kandidiert im Osten. Das Direktmandat ist für beide nicht realistisch, gelingen muss der Einzug über die Liste. Freund will auf Harald Güller (Neusäß) nachfolgen, der mit 60 Jahren aufhört und 1994 erstmals in den Landtag einzog. Freund steht auf Platz zwei der schwäbischen Liste, direkt hinter Simone Strohmayr (Stadtbergen), die erneut antritt. Damit kann er sich gute Chancen ausrechnen - vermutlich wird es auch in seinem Fall darauf hinauslaufen, dass er den Fraktionsvorsitz behält. Für Rasehorn auf Platz fünf wird der Einzug hakliger. Für Herbert Woerlein, der in Augsburg-Land-Süd 2018 antrat und auf Platz fünf der Schwaben-Liste stand, reichte es damals nicht. Margarete Heinrich, damals Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, hatte Platz 6 auf der Liste, gereicht hatte es angesichts des insgesamt durchwachsenen Wahlergebnisses auch bei ihr nicht.
Auf diese Kandidaten setzen die Freien Wähler: Im Westen kandidiert die ehemalige Gessertshauser Bürgermeisterin Claudia Schuster (Gersthofen) als Direktkandidatin, im Osten Ferdinand Traub. Auf der schwäbischen Liste der FW rangieren sie auf den Plätzen sieben und acht - das macht den Einzug nicht einfach, zumal die FW in der Großstadt traditionell schlechter abschneiden als im ländlichen Raum. Gute Chancen ausrechnen kann sich Fabian Mehring (Meitingen), der auf Platz zwei der Schwaben-Liste steht.
So stellt sich die FDP auf: Direktkandidaten sind Karlheinz Faller im Osten und Parteichef Ralf Neugschwender im Westen. Faller steht auf Platz drei der Schwabenliste. Dass das reicht, ist fraglich, weil die FDP ohnehin erst mal die Fünf-Prozent-Hürde schaffen müsste.
Grundsätzlich entscheiden Abgeordnete über Gesetze auf Landesebene - konkreten Bezug zu Augsburg hat das nicht immer. Bestimmte Vorhaben - etwa die Uniklinik samt Neubau - werden aber auf Landesebene entschieden. Auch das Thema Bahn-Nahverkehr wird von manchen Abgeordneten kritisch begleitet.
Vor fünf Jahren lag die CSU mit gut 30 Prozent in beiden Stimmkreisen vorne (jeweils Zweitstimmen), gefolgt von den Grünen mit Werten zwischen 20 und 25 Prozent (in Augsburg-Ost wegen der Innenstadt und des dortigen Wählermilieus etwas stärker). Die AfD belegte mit elf Prozent jeweils Platz drei, die SPD folgte mit hauchdünnem Rückstand. Platz fünf belegten die Freien Wähler, im Westen wegen der Zugehörigkeit der Nachbarstädte etwas stärker als im Osten. Die Wahlbeteiligung lag in beiden Stimmkreisen bei etwas über 65 Prozent.
Die Stadt wird Ende August das Wählerverzeichnis erstellen und dann die Wahlbenachrichtigungen verschicken. Sie sollen bis spätestens 16. September angekommen sein. Briefwahlunterlagen werden ab 28. August verschickt. Sie sind am einfachsten über die Wahlbenachrichtigung zu beantragen.