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03.07.2014

Römerforscher geht in Rente

Wolfgang Czysz ist ein Archäologe mit Leib und Seele.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Archäologe Wolfgang Czysz hat schon so manchen Schatz gehoben. Gerade in Schwaben sind ihm einige wichtige Entdeckungen zu verdanken

Zufall und Geschick braucht es, um einen Schatz zu finden. Für einen Archäologen jedoch braucht es weit mehr: Neugier, Durchhaltevermögen und ein Interesse für die Zusammenhänge weit übers eigene Fach hinaus. All dies zeichnet Professor Wolfgang Czysz, 65, aus, der jetzt als Referatsleiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Seit 1990 arbeitete Czysz in Thierhaupten

Kaum eine Grabungsstätte dürfte es von Lindau bis hinauf nach Oettingen und weiter nach Mittelfranken geben, die nicht im Blick von Wolfgang Czysz war. 36 Jahre wirkte der Wissenschaftler für das Landesamt für Denkmalpflege, seit 1990 war er Leiter der Dienststelle in Thierhaupten (Kreis Augsburg). 2002 wurde er an der Universität Innsbruck habilitiert und erhielt die Lehrbefugnis für das Fach „Provinzialrömische Archäologie“. Unendlich lang ist die Liste seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Zu den archäologischen Standardwerken gehört das 1995 erschienene Werk „Die Römer in Bayern“, an dem Czysz als Autor mitgewirkt hat.

Er rettete die Ofnethöhlen bei Nördlingen vor der Sprengung

Dank Wolfgang Czysz und den unter seiner Leitung wirkenden Fachleuten wurden in den vergangenen Jahrzehnten Entdeckungen gemacht und gehoben, die das Bild von der Landschaft und den Menschen der ersten Jahrhunderte in der bayerisch-schwäbischen Region schärfer zeichnen. So konnte Ende der 70er Jahre die geplante Sprengung der archäologisch wertvollen Ofnethöhlen bei Nördlingen verhindert werden. „Einer der ältesten menschlichen Siedlungsorte aus der Mittelsteinzeit“, so Czysz.

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Czysz entdeckte das Töpferdorf von Schwabmünchen und die Steinzeugmanufaktur in Aystetten

Über zehn Jahre habe die Freilegung des Töpferdorfs von Schwabmünchen gedauert, einer Siedlung aus 20 Häusern, Töpferöfen und einem Friedhof, die erste ihrer Art in der römischen Welt nördlich der Alpen. Wolfgang Czysz nennt noch weitere archäologische Entdeckungen unter seiner Federführung: ein römisches Gräberfeld in Günzburg oder eine frühmittelalterliche Wassermühle aus dem Jahr 743, als der Wasserbau in Deutschland seinen Anfang nahm; eine „große Aktion“ sei auch die Entdeckung einer Steinzeugmanufaktur in Aystetten (Kreis Augsburg) gewesen, „die erste voll ausgegrabene Manufaktur nördlich der Alpen“.

Auch im Ruhestand bleibt die Endeckerfreude

Intensiv beschäftigte den Wissenschaftler die Via-Claudia-Forschung. Und der bayerische Abschnitt des römischen Limes dürfte Czysz bekannt wie seine eigene Westentasche sein. Entdeckerfreude ist Czysz anzumerken, als er von einer frei gelegten „Darre“ in Möttingen erzählt (Kreis Donau-Ries), einem Schuppen, in dem im 2. und 3. Jahrhundert Dinkel zur Herstellung von Bier getrocknet wurde. Bei all diesen Beispielen wird deutlich: Wolfgang Czysz ist Archäologe mit Leib und Seele, einer, der von seiner Leidenschaft gewiss auch im Ruhestand nicht lassen wird.

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