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Höchstädt

27.02.2018

Nach der Bürgermeisterwahl: zwischen Jubel und Enttäuschung

Der Moment, als das Ergebnis feststand: Auf dem Bild ist Höchstädts frisch gebackener Bürgermeister Gerrit Maneth mit Ehefrau Birgit zu sehen. Wenige Sekunden vorher verkündete Geschäftsstellenleiter Achim Oelkuch (rechts im Bild) das Ergebnis und überreichte einen Blumenstrauß.
Bild: Karl Aumiller

Reaktionen auf den Wahlsieg von Gerrit Maneth und was die Höchstädter denken.

Das Handy klingelt ununterbrochen, im Internet überhäufen sich die Glückwünsche auf seiner persönlichen Seite, und die Terminliste wird stündlich voller. Gerrit Maneth ist der neue Bürgermeister von Höchstädt. Am Sonntagabend gewann er die Wahl gegen Matthias Letzing knapp mit 53,76 Prozent. Damit bleibt der wichtigste Posten der Stadt in der Hand der Freien Wähler. „Ich glaube, ich brauche noch ein, zwei Tage, bis ich es richtig verstanden habe“, sagt Maneth und lacht. Schon am frühen Montagmorgen war er im Rathaus, ab kommenden Donnerstag sein neuer Arbeitsplatz, und hat mit Geschäftsstellenleiter Achim Oelkuch die wichtigsten Dinge vor seinem Amtsantritt besprochen. Viel geschlafen hätte er eh nicht, vieles sei ihm durch den Kopf gegangen. Er freue sich nun auf das, was auf ihn zukomme, „und ich will so schnell wie möglich lernen, um die Stadt und die Ortsteile voranzubringen“.

Unterstützung habe er seit Beginn seiner Kandidatur auch von seinem noch aktuellen Arbeitgeber der BSH Hausgeräte GmbH in Dillingen bekommen. In den nächsten Tagen müssten noch letzte Kleinigkeiten geklärt werden, „aber ich trete meinen Dienst als Bürgermeister definitiv am 1. März an“. Und die ersten Aufgaben stehen schon fest: Mitarbeitervorstellung, Fachbereichsleitertreffen, Pressetermin und noch mehr. Zudem, so Maneth, wolle er schnellstmöglich ein Treffen mit Zweitem Bürgermeister Stephan Karg (CSU) und Drittem Bürgermeister Hans Mesch (FW) ausmachen. Die beiden haben die Geschicke der Stadt nach Erkrankung von Bürgermeister Stefan Lenz geleitet. „Außerdem will ich ein Treffen mit dem Staatlichen Bauamt, um auf den aktuellen Stand in Sachen B16 zu sein.“

Für Matthias Letzing, der für die CSU als Bürgermeisterkandidat ins Rennen geschickt worden ist, geht es wie gewohnt weiter. Am Montag stand mit dem Landfrauentag des Kreisverbandes Neu-Ulm sogar jede Menge Arbeit auf der Agenda des Geschäftsführers des Bayerischen Bauernverbandes. Er erhielt 46,24 Prozent aller Wählerstimmen. Auf seiner Facebook-Seite schreibt Matthias Letzing gestern Vormittag: „Das knappe Ergebnis war sehr schmerzlich. Trotzdem schaue ich dankbar auf die vergangenen Wochen zurück, in denen ich viel Zuspruch und Unterstützung erfahren durfte. Ich möchte mich bei allen Wählerinnen und Wählern bedanken, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.“ Besonders gefreut habe ihn das „großartige Vertrauen“ aus den Ortsteilen – in allen vier, Deisenhofen, Schwennenbach, Sonderheim und Oberglauheim, lag Letzing deutlich vor Maneth. Die Wähler im Stadtkern Höchstädt haben Maneth den Sieg beschert.

Nach der Bürgermeisterwahl: zwischen Jubel und Enttäuschung

Armin Hopfenzitz, Stadtrat aus Deisenhofen, sagte gestern zum Wahlergebnis, dass eine Geradlinigkeit zu erkennen sei. Die Wahlbeteiligung in den Stadtteilen war sehr hoch, was dafür sprechen würde, wie wichtig den Menschen dort die Position des Bürgermeisters sei. Zudem würde die deutliche Zustimmung für den CSU-Kandidaten auch zeigen, dass die Wähler hinter ihren Stadträten stehen. „Wir haben mit Letzing einen Guten ins Rennen geschickt. Einen, der die Interessen fürs Umland besser mitbekommt und mitlebt, weil er einer von uns war“, so Hopfenzitz. Dass man nun enttäuscht sei, sei völlig normal. Man könne nicht von jetzt auf gleich ins normale Geschäft übergehen. „Das muss man erst verdauen und analysieren. Aber es wird weitergehen, das ist natürlich auch klar. Wir werden weiter die Belange des Umlands einbringen, und das wird auch mit dem neuen Bürgermeister gehen.“ Johann Jall, Umlandssprecher im Stadtrat, sagte gestern: „Unser Kandidat, den das Umland nominiert hat, hat einen themenbezogenen, sachlichen und fairen Wahlkampf geführt. Aber anscheinend ist die Grundausrichtung zwischen den Ortsteilen und dem Stadtkern komplett verschieden – was sich im Wahlergebnis widerspiegelt.“ In diesem deutlichen Unterschied sehe Jall mittlerweile ein großes Problem. „Wie es aussieht, haben die Bürger der Stadtteile andere Ansprüche an den Bürgermeister als die Bürger im Stadtkern, und diese Diskrepanz wird wohl so bleiben.“

Dass es ganz normal weitergehen muss, das betonte Stephan Karg direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses am Sonntag im Rathaus. Der Zweite Bürgermeister der Stadt Höchstädt, der seinen Parteikollegen Letzing auch im Wahlkampf unterstützte, machte aber kein Geheimnis daraus, dass er „bitter enttäuscht ist, weil Qualität nicht mehr zählt“. Dass eine Wahlsituation immer eine außerordentliche Situation sei, habe schon die Wahl vor vier Jahren gezeigt, sagte Gerrit Maneth gestern im Interview. Für ihn ist die Basis im Stadtrat trotzdem da, denn: „Jeder von uns will das Beste für Höchstädt und seine Stadtteile. Es geht nicht immer um einen Kompromiss, sondern idealerweise um einen Konsens“, so Maneth. Bei Amtsantritt von Stefan Lenz im Mai 2014 sei die Situation nach dem Wahlergebnis ähnlich gewesen. Ähnlich schnell hätte sich der Fokus aber wieder auf die Aufgaben und Ziele gerichtet. „Ich gehe offen mit den Themen im Umland um und erhoffe mir so, das Vertrauen des Umlands zu gewinnen. Es gehören aber auch beide Seiten dazu.“

Für Stefan Lenz, der am Sonntag gemeinsam mit Ehefrau Roswitha ins Rathaus kam, um Gerrit Maneth persönlich zur gewonnenen Wahl zu gratulieren, war es sehr emotional. „Ich habe jetzt ein gutes Gefühl. Wir haben es wieder geschafft“, so Lenz, der 2014 die Wahl gegen die damalige Amtsinhaberin Hildegard Wanner (CSU) ebenfalls knapp mit 53,4 Prozent gewann. „Ich kann ihm keine Tipps geben. Jeder macht es auf seine Art und Weise. Ich wünsche mir für die Stadt Höchstädt wieder Ruhe und Frieden“, so Lenz.

Das wünscht sich auch Reinhard Kunzmann – und der 72-Jährige kann dafür künftig wieder einen Beitrag leisten. Denn der Freie Wähler ist der Listennachrücker für den Stadtrat. Nachdem der Platz von Gerrit Maneth nun im Gremium frei wird, ist Kunzmann an der Reihe. Denn der Höchstädter war bis 2014 viele Jahre im Stadtrat aktiv und hat dann für Jüngere wie Gerrit Maneth den Weg frei gemacht. „Ich bin froh, dass wir das damals so gemacht haben. Ich werde die Wahl annehmen“, so Kunzmann. Er sagt, dass der gesamte Stadtrat gewaltig daran arbeiten müsse, dass wieder Ruhe einkehrt.

Die korrekte Vorgehensweise muss der Stadtrat, der schon am 12. März zum ersten Mal mit neuem Bürgermeister tagt, in der Sitzung beschließen. Geschäftsstellenleiter Achim Oelkuch erklärte gestern: „Wenn er die Wahl annimmt, ist er bis 2020 Mitglied im Stadtrat. Dann wird wieder neu gewählt.“ Oelkuch und seine Kollegen haben aber noch eine andere Wahl vor der Brust: Im Oktober geht es um die Positionen im Landtag. „Das werden wir nun als Nächstes angehen. Bei uns heißt es tatsächlich: Vor der Wahl ist nach der Wahl.“ "Aufgespießt

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