Newsticker

Lauterbach: Bundesregierung soll Signal gegen angekündigte Lockerungen in Thüringen setzen
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Nach tödlichem Unfall: Was tun gegen Geisterfahrer?

Friedberg/Denkendorf

20.03.2019

Nach tödlichem Unfall: Was tun gegen Geisterfahrer?

Die Zahl der Geisterfahrten steigt. Zuletzt kam ein 82-Jähriger aus dem Raum Friedberg nach 40 Kilometer langer Irrfahrt auf der A9 bei Denkendorf ums Leben.
Bild: Heinz Reiß

Plus Die Irrfahrt eines 82-jährigen Mannes aus dem Raum Friedberg ist nur eine von mehreren in jüngster Zeit. Die Polizei sieht einen besorgniserregenden Trend.

Über 40 Kilometer führte seine Geisterfahrt am Sonntag über die Autobahn A9 – dann prallte der Senior aus dem Raum Friedberg nahe Denkendorf frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Der 82-jährige Unfallverursacher starb noch an Ort und Stelle, die zwei Insassen des anderen Wagens wurden schwer verletzt. Wie kommt es zu solchen folgenschweren Unfällen?

„Die Gründe sind vielfältig und reichen von Versehen, Überforderung, Orientierungslosigkeit, Alkoholeinwirkung bis Mutprobe und Suizid“, sagt David Christ vom Polizeipräsidium Schwaben-Nord. Fest steht aber: Die Zahl der Geisterfahrten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2018 erreichte sie mit 67 bekannt gewordenen Fällen im Bereich des Polizeipräsidiums einen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr wurde eine Zunahme um fast 40 Prozent verzeichnet.

Immer mehr ältere Autofahrer

Der Vorfall vom Sonntag ist zwar der schlimmste, aber nicht der einzige aus der Region in jüngster Vergangenheit. Auffällig ist, dass immer wieder ältere Autofahrer beteiligt sind. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr sechs der neun Geisterfahrten, bei denen Menschen zu Schaden kamen, von Autofahrern über 80 Jahren verursacht.

Nach tödlichem Unfall: Was tun gegen Geisterfahrer?

Anfang Januar verursachte ein 80-jähriger Geisterfahrer aus dem Landkreis Aichach-Friedberg auf der A96 bei Landsberg einen schweren Unfall. Drei Personen wurden seinerzeit verletzt. Der Mann hatte bereits im Vorfeld gesundheitliche Probleme, am Tag des Unfall war er dehydriert. Seinen Führerschein musste er allerdings erst abgeben, nachdem etwas passiert war.

Senior gibt den Führerschein ab

Aufsehen erregte auch ein Vorfall mit Augsburgs ehemals dienstältestem Taxifahrer Ende Januar. Der 80-Jährige war auf einer Kurierfahrt zum Starnberger See auf der A95 in die falsche Richtung unterwegs gewesen und in zwei entgegenkommende Autos gekracht. Er selbst sowie die beiden anderen beteiligten Fahrer hatten mittelschwere Verletzungen davongetragen. Erst 2017 hatte der Mann allerdings einen Gesundheitstest bestanden. Verwirrende Angaben des Taxifahrers zu Personen, die angeblich mit ihm im Wagen gesessen hätten, nährten Zweifel an dem geistigen Zustand des 80–Jährigen. Die Staatsanwaltschaft stellte zwar das Ermittlungsverfahren ein, als Taxifahrer arbeitet er allerdings mittlerweile nicht mehr. Er willigte zudem ein, seinen Führerschein abzugeben.

Glimpflich endete erst vor wenigen Tagen die Geisterfahrt einer 79-Jährigen in Augsburg-Kriegshaber. Die Frau war auf der B17 unterwegs. Umsichtige Autofahrer hielten allerdings an und ermöglichten der Geisterfahrerin zu wenden.

Was die Polizei bei Geisterfahrern unternimmt

Die Polizei reagiert bei Falschfahrermeldungen unverzüglich. „Zwar kommt es erfahrungsgemäß bei der Mehrzahl der Einsätze nicht zur Feststellung des Falschfahrers, da er bereits vor Eintreffen der Polizei gewendet oder die Autobahn verlassen hat“, erläutert David Christ vom Präsidium Schwaben-Nord: Trotzdem werde jede Meldung ernst genommen und sofort versucht, den Falschfahrer auf der richtigen Fahrspur einzuholen und mit entsprechenden Signalen zum Anhalten aufzufordern. Andere Streifenfahrzeuge fahren dem Falschfahrer entgegen und bremsen den nachfolgenden Verkehr bis zum Stillstand ab. Weitere Maßnahme, wie z.B. Ableiten des Verkehrs oder Straßensperren treffen die Beamten je nach Lageeinschätzung.

Dass eine Geisterfahrt wie beim tödlichen Zusammenstoß vom Wochenende auf der A9 gleich über eine Strecke von über 40 Kilometer führt, ist laut Polizeisprecher Christ zwar ungewöhnlich, aber erklärbar. „Es war Sonntag, es waren keine Lkw auf der Straße und die Autobahn ist in diesem Bereich größtenteils dreispurig. Bei dieser Verkehrsdichte kann man schon eine größere Strecke zurücklegen“, sagt er. Was man tun kann, wenn man selbst in falscher Richtung unterwegs ist oder ein Geisterfahrer entgegenkommt, steht in einem Ratgeber der Polizei:

Bei einem entgegenkommenden Fahrzeug:

  • Schalten Sie den Verkehrsfunk ein und achten Sie auf Warnmeldungen;
  • Verringern Sie Ihre Fahrgeschwindigkeit;
  • Fahren Sie oder wechseln Sie auf den rechten Seitenstreifen;
  • Überholen Sie keinesfalls;
  • Vergrößern Sie den Sicherheitsabstand;Fahren Sie den nächsten Parkplatz an und warten ggf. die Entwarnung (Verkehrsfunk) ab oder verlassen Sie die Schnellstraße an der nächsten Abfahrt;
  • Verständigen Sie sofort die Polizei (Notruf 110), wenn Sie einen Falschfahrer sehen, und machen Sie ihn mittels Lichthupe Hupe auf sein Fehlverhalten aufmerksam;
  • Halten Sie auf dem rechten Seitenstreifen an und schalten Sie die Warnblinkanlage und Abblendlicht ein.
     

Bei unbeabsichtigtem Einfahren in falscher Richtung:

  • Verständigen Sie sofort die Polizei (Notruf 110);
  • Halten Sie sofort äußerst rechts am Fahrbahnrand an (möglichst dicht an die Schutz-/Leitplanke) und schalten Sie Warnblinkanlage sowie Abblendlicht ein;
  • Steigen Sie nach Möglichkeit aus dem Fahrzeug aus und begeben sich in einen gesicherten Bereich (z.B. Betonschutzwände auf Autobahnen); achten Sie dabei stets auf den Fahrverkehr und rechnen Sie mit plötzlichem Erscheinen von Fahrzeugen (auch wenn diese noch weit entfernt zu sein scheinen);
  • Vermeiden Sie das Überqueren der Fahrbahn;Wenden Sie nicht mit Ihrem Fahrzeug und fahren Sie nicht rückwärts, um die Schnellstraße wieder zu verlassen.
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren