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Friedberg

15.10.2020

Paartalbahn Augsburg-Friedberg: Kampf für den 15-Minuten-Takt beginnt

In zwölf Minuten von Friedberg nach Augsburg – und das fast jede Viertelstunde. Komfortabler kann man zwischen den Städten wohl nicht reisen. Doch damit könnte es bald zu Ende sein.
Bild: Michael Hochgemuth (Archivfoto)

Plus Schon ab 2022 könnte es für die Verbindung zwischen Friedberg und Augsburg eng werden. Wie Politiker aus Stadt und Land die Verschlechterung verhindern wollen.

In zwölf Minuten von Friedberg nach Augsburg – und das fast jede Viertelstunde. Schneller und komfortabler als mit der Paartalbahn kommt man kaum zwischen den beiden Städten hin und her. Doch dieser dichte Takt könnte schon bald Geschichte sein. Entsprechende Überlegungen der Bahn, die vor Kurzem bekannt wurden, rufen jetzt Kommunalpolitiker und Abgeordnete in Bund und Land auf den Plan.

Der Bahnhof Hochzoll gilt als Nadelöhr für den Nahverkehr.
Bild: Peter Fastl

Auf Drängen der Grünen hat sich der Stadtrat von Friedberg bereits einhellig gegen eine Verschlechterung der Verbindung ausgesprochen. Schließlich haben die Fahrgastzahlen auf der Paartalbahn in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 18 Prozent zugenommen. Von Montag bis Freitag steigen täglich an die 3500 Menschen am Friedberger Bahnhof zu und aus - mehr als die Hälfte des gesamten Fahrgastaufkommens zwischen Augsburg und Ingolstadt.

Nur noch alle 30 Minuten von Friedberg nach Augsburg

Mit dem Deutschlandtakt will die Bahn bis zum Jahr 2030 ihre bundesweiten Fahrgastzahlen verdoppeln. Auch die Region soll durch eine Stärkung des Knotenpunktes Augsburg profitieren, etwa in Form eines verdichteten und beschleunigten Fernverkehrsangebots in Richtung Stuttgart und München sowie einer aufgewerteten Nordanbindung in Richtung Nürnberg. Doch im Nahverkehr könnte dies negative Folgen haben. Im Raum steht, dass der Takt zwischen Friedberg und Augsburg von derzeit 15 auf 30 Minuten steigt. Und zwar womöglich schon in zwei Jahren, wenn die Schnellbahnstrecke Ulm-Stuttgart in Betrieb geht.

"Der 15-Minuten-Takt ist zwar bis 2031 von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft bestellt. Aber bereits ab Dezember 2022 gibt es deutlich mehr Fernzüge, mit denen sich die Paartalbahn zwischen Hochzoll und dem Augsburger Hauptbahnhof das Gleis teilt. Das heißt, ab 2022 wird es eng auf dem Gleiskorridor", erläutert der Beauftragte des Friedberger Stadtrats für den öffentlichen Personennahverkehr, Prof. Manfred Schnell.

Stuttgart 21 wirkt sich auf die Paartalbahn aus

Spätestens 2025, wenn Stuttgart 21 in Betrieb geht, funktioniere der Viertelstundentakt nicht mehr, so Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann ( SPD). Denn die Züge der Paartalbahn ließen sich dann nicht mehr so einfach wie bisher auf die stark befahrene Hauptstrecke Augsburg-München einfädeln. Sie müssen nämlich am Bahnhof Hochzoll die beiden Fernverkehrsgleise kreuzen, um die Nahverkehrsgleise auf der Südseite der Bahntrasse zu erreichen.

Manfred Schnell ist der ÖPNV-Beauftragte der Stadt Friedberg.
Bild: Matthias Leo

Die Bahn hat bereits signalisiert, dass die Priorität auf dem Fernverkehr liegen soll. Das geht auch aus einem Schreiben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) an die Stadt Friedberg hervor. Der Korridor für den öffentlichen Personennahverkehr müsse sich unterordnen, heißt es darin sinngemäß.

Paartalbahn: Kein Ausbau des Bahnhofs Augsburg-Hochzoll

Ein Ausbau des Nadelöhrs am Bahnhof Hochzoll, der den Viertelstundentakt nach Friedberg sicherstellen könnte, ist laut Gutachter nicht möglich. Ein "Überwerfungsbauwerk", das die Nahverkehrsgleise über die Fernverkehrtrasse hinweg führt, war bereits in den 1990er-Jahren beim Ausbau der Bahnstrecke München-Augsburg im Gespräch. Es scheiterte aber an Kosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich sowie städtebaulichen und lärmschutztechnischen Schwierigkeiten. SPD und Grüne im Friedberger Stadtrat kritisierten dieses Versäumnis.

Was also tun? Der aktuelle Fahrplanentwurf des Deutschlandtaktes empfiehlt einen 15-Minuten-Takt "durch ein mögliches Stadtbahnkonzept mit direkter Führung in die Innenstadt". Ein solches Zug-Tram-System nach dem sogenannten Karlsruher Modell kombiniert die Idee einer leistungsfähigen innerstädtischen Straßenbahn mit einer S-Bahn-artigen Erschließung der Region und überwindet die Systemgrenze zwischen Straßenbahn einerseits und Eisenbahn andererseits.

CSU-Abgeordnete aus der Region Augsburg sind sich uneins

Politisch ist das freilich umstritten – selbst innerhalb der CSU. Während der Verkehrsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, der Nördlinger Abgeordnete Ulrich Lange, diese Möglichkeit nicht von vorneherein ausschließen mag, kommt scharfer Widerspruch von seinen Parteifreunden Volker Ullrich und Hansjörg Durz. Die beiden Abgeordneten aus Augsburg-Stadt und AugsburgLand beharren darauf, dass es beim 15-Minuten-Takt bleibt und dass die gesamte Paartallinie sogar zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert wird.

Auch die Augsburger SPD-Abgeordnete Ulrike Bahr verlangt, dass die Machbarkeit und die Voraussetzungen eines 15-Minuten-Takts ohne Kreuzungsbauwerk zeitnah durch ein Fachbüro simuliert werden. "Der Deutschlandtakt muss mit einem guten regionalen Angebot Hand in Hand gehen. Keinesfalls darf der Deutschlandtakt zu einer Verschlechterung vor Ort führen", so die Abgeordnete.

Der Bau eines modernen Stellwerks in Friedberg ist Voraussetzung für die Beibehaltung des 15-Minuten-Taktes auf der Paartalbahn.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Ohne bauliche und organisatorische Maßnahmen wird dies aber nicht gelingen. Dazu gehören ein neues elektronisches Stellwerk in Friedberg sowie Umbauten an den Weichen und an den Bahnsteigen, die eine schnelle gleichzeitige Einfahrt von Zügen gewährleisten und eine höhere Flexibilität beim Einfädeln in Hochzoll ermöglichen. Aufseiten der Bahn laufen dafür bereits die Planungen, und auch die Mittel sind gesichert.

Ein Fußgängersteg über die Paartalbahn am Friedberger Bahnhof

Doch in Friedberg wird seit Jahren darüber diskutiert, ob und wie ein Fußgängersteg den Bahnhof besser an die Innenstadt und an den Stadtteil Friedberg-Süd anbinden könnte. Schon 2013 präsentierten fünf Architekturbüros ihre Konzepte, deren Kosten zwischen 1,2 und 2,2 Millionen Euro variierten. Passiert ist seither außer einer Machbarkeitsstudie nichts mehr. Und jetzt drängt die Zeit. Denn die Bahn verlangt bis Ende 2021 eine Entscheidung darüber, ob der Steg gebaut wird, oder - wie von ihr bevorzugt - eine Unterführung unter den Gleisen.

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15.10.2020

Den dummen Planungsfehler hat die deutsche Bahn beim 4- spurigen Ausbau der Strecke Augsburg- München gemacht. Eigentlich sollten, ausgehend von der Hochzoller Bahnbrücke, die zwei nördlichen Gleise dem Nahverkehr gehören und die zwei südlichen dem Fernverkehr, dann kreuzt sich im Bahnhof Hochzoll gar nichts und der Bahnhof Haunstetter Straße wäre mit nur einem Bahnsteig deutlich preiswerter zu bauen gewesen.
Mehr als 3500 zusätzliche Fahrgäste wird eine Tram, die nach Friedberg verlängert wird, auch nicht einsammeln, dabei wäre die Reise sogar deutlich länger und unbequemer. So gesehen ist die jetzige Lösung wirklich gut. Also bitte investiert in eine vernünftige Infrastruktur und baut das Stellwerk.

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