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Burgau

20.01.2020

Hätte Massenkarambolage auf der A8 vermieden werden können?

Die Hilfskräfte wurden am Sonntag auf der A8 umfangreich beansprucht.
Bild: Mario Obeser

Plus Der Geschäftsführer des Autobahnbetreibers Pansuevia erklärt die Umstände der Unfälle am Sonntag bei Burgau. Eine alte Debatte nimmt dabei wieder an Fahrt auf.

Was auf der A8 bei Gersthofen gilt, muss für dieselbe Autobahn im Bereich von Burgau schon lange nicht mehr passen. So war das beispielsweise mit den Wetterverhältnissen am vergangenen Unglückssonntag, als es auf der Autobahn 1,5 Kilometer vor der Anschlussstelle Günzburg zu einer Massenkarambolage gekommen ist. Elf Fahrzeuge fuhren letzlich ineinander. Die Polizei zählte 18 Verletzte, drei davon zogen sich schwerwiegende Verletzungen zu. Für etwa drei Stunden musste die Autobahn in Fahrtrichtung Stuttgart wie berichtet vollgesperrt werden.

Könnte so ein Unfall vermieden werden? Hilfreich wäre in jedem Fall eine Verkehrsbeeinflussungsanlage, sagt Robert Schmidt, der Geschäftsführer der privaten Autobahnbetreibergesellschaft Pansuevia. Diese Schilderbrücken zeigen den Autofahrern an, wann und vor allem auch warum sie dazu angehalten werden, mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Das kann plötzlich umschlagendes Wetter oder Nebel sein. Auch dichter Verkehr mit vielen Lastwagen oder Bauarbeiten sind Situationen, die auf Verkehrsteilnehmer vor Ort Einfluss haben. Die Information darüber würde auf diese Weise ebenfalls Beteiligte am Ort des Geschehens erreichen.

Fehlende Schilderbrücken sind ein "echter Mangel"

Nach Schmidts Ansicht müssen solche dynamischen Anlagen auf jeder neu gebauten und neu ausgebauten Autobahn obligatorisch sein. Dass auf der A8 in der Region bisher lediglich bei Neusäß eine solche Schilderbrücke vorgesehen ist und „weiter westlich nichts geschieht“, bezeichnet Schmidt als „echten Mangel“.

Hätte Massenkarambolage auf der A8 vermieden werden können?

Am Sonntag ist eine Schneewolke von Westen nach Osten gezogen. Schmidt war gerade auf der Anfahrt zu der Massenkarambolage, als auch er zwischen Adelsried und Zusmarshausen (Landkreis Augsburg) den kurzzeitigen Wetterumschwung mitbekommen hat. Die meisten der Autofahrer hätten sich trotz Information in den Medien über die bevorstehende Unfallstelle nicht davon abhalten lassen, weiter mit zum Teil deutlich über 160 Stundenkilometern unterwegs zu sein.

Wenige Meter entscheiden über Regen oder Schnee

„Auch mit den topografschen Gegebenheiten kennen sich nur die wenigsten auf dieser Strecke aus“, sagt Schmidt. So liege der Streitheimer Forst auf etwa 500 Metern Meereshöhe. Und nur wenige Meter höher oder tiefer könnten darüber entscheiden, ob es in einem bestimmten Gebiet noch regnet oder bereits schneit, sagt der Pansuevia-Geschäftsführer. Er nennt ein Beispiel: Die A8 durchquert auf der 57 Kilometer langen Strecke zwischen Augsburg und dem Autobahnkreuz Elchingen mit dem Naturpark Westliche Wälder ein sehr waldreiches Gebiet. Die Sonne scheint in diesem Bereich nicht so ungehindert auf die Autobahn wie an anderen Streckenabschnitten. Dort ist die Straße bereits „aufgetaut“, während zwischen den Bäumen die Autobahn noch vereist ist.

Und auch Schneeverfrachtungen seien möglich, wenn der Wind die Last schneebedeckter Bäume auf die Straße wehe. Obwohl ein Bereitschaftsdienst (Kolonne) der Pansuevia zwischen Ulm–Elchingen und Augsburg mit sechs Großräumfahrzeugen und zwei Unimogs (für die Räumung der Parkplätze) bei einer entsprechenden Wetterlage rechtzeitig im Einsatz ist, zwingen kurzfristige, nicht vorhersehbare lokale Ereignisse zum Reagieren. Schmidt: „Trotz der Vorhersagen schauen wir ständig auf das Wetterradar.“

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21.01.2020

Einfach mal Fuss vom Gas!! So einfach ist das.

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20.01.2020

Was hilft eine dynamische Verkehrsbeeinflussungsanlage wenn das Problem hinterm steuer sitzt? Den Fuß vom Gaspedal nehmen muss schon noch der Fahrzeuglenker selber.

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20.01.2020

Komisch, auf der A94 kann kurzfristig wegen Lärm eine Geschwindigkeitsbeschränkung angeordnet werden und auf der A8 führen weder Lärm noch schwere Unfälle zu einer solchen Maßnahme.
Ist ja nur Schwaben!

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20.01.2020

Die Geschwindigkeit ist dem Verkehrsgeschehen,-dichte und der Witterung anzupassen. Zudem handelt es sich bei den ausgeschilderten Geschwindigkeiten um höchstzulässige und nicht Mindestgeschwindigkeiten.

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20.01.2020

Anders Beispiel: Gestern Nacht bei Adelzhausen 10 cm Neuschnee auf der Autobahn, in Höhe Dasing war die Fahrbahn lediglich nass...

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