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Illertissen / Altenstadt

27.03.2019

Dorffeuerwehren: Sie sind teuer - aber auch unverzichtbar?

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Brandeinsatz in Gannertshofen: Wenn es in einem Dorf ernst wird, ist die örtliche Feuerwehr zuerst zur Stelle. Doch nicht überall sind die Löschkräfte stets einsatzfähig – denn immer mehr Mitglieder sind tagsüber gar nicht vor Ort.

Plus Kleinere Feuerwehren sind unter der Woche teils nicht einsatzfähig. Trotzdem wird viel Geld in Gebäude und Fahrzeuge gesteckt. Ist das gerechtfertigt?

Vor rund einem Monat schockte ein tödlicher Motorradunfall zwischen Kettershausen und Ebershausen die Region. Die Feuerwehr Kettershausen wurde damals gar nicht alarmiert – denn ihr standen nicht die nötigen Werkzeuge zur Verfügung. Die Einsatzkräfte aus Babenhausen und Kirchhaslach rückten aus. Jakob Schlögel, der Kreisbrandinspektor im nördlichen Unterallgäu, spricht von einem "völlig normalen Vorgang". In solchen Fällen komme die benachbarte Feuerwehr. Der Vorfall gibt jedoch Anlass zur Frage, wie einsatzfähig kleine Dorffeuerwehren heutzutage sind. Mitunter haben sie schlicht zu wenige Einsatzkräfte.

Tragischer Unfall bei Kettershausen

Genau wie die Kettershauser bekommen auch viele andere Feuerwehren in der Region den Strukturwandel in der Arbeitswelt deutlich zu spüren. Etliche Menschen verdienen ihr Geld nicht mehr in unmittelbarer Umgebung des Wohnorts, sondern pendeln täglich in größere Ballungszentren. Junge Leute zieht es nicht selten schon unmittelbar nach dem Schulabschluss gänzlich von Zuhause fort – sei es aus beruflichen Gründen oder für das Studium. Es gibt weniger Landwirte und die Zahl kleinerer Handwerksbetriebe sinkt.

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Besonders die Feuerwehren kleinerer Kommunen und aus Ortsteilen haben mit dieser Entwicklung zu kämpfen. Oft stehen ihnen unter der Woche zwischen acht und 17 Uhr – wenn viele aktive Mitglieder bei der Arbeit sind – nicht genug einsatzbereite Feuerwehrleute zur Verfügung. Doch trotz dieser teils schwierigen Personallage investieren die Kommunen in der Region viel Geld in ihre Feuerwehren. Ist das gerechtfertigt?

Experten sind sich einig: Die kleinen Feuerwehren sind unverzichtbar

Ja – meinen die Ansprechpartner aus den Kommunen und Feuerwehren. So zum Beispiel Wolfgang Höß, Bürgermeister in Altenstadt. In den Ortsteilen Illereichen und in Filzingen werden die jeweiligen Feuerwehrhäuser momentan kostspielig renoviert und ausgebaut. Mehr dazu lesen Sie hier: Welche Projekte in Altenstadt nun anstehen

Im Markt Buch verfolgt man eine ähnliche Strategie. Die Gannertshofer sollen 2021 ein neues, eventuell auch gebrauchtes, Fahrzeug bekommen. Hauptamtsleiter und Kreisbrandmeister Markus Wöhrle sagt, in Buch gelte das Credo, weiterhin in Ortsteil-Wehren zu investieren. Für Wöhrle haben kleinere Wehren in jedem Fall ihre Daseinsberechtigung. Einsatzkräfte einer größeren Schwerpunktwehr könnten zum Beispiel in Sachen Ortskenntnis nie mit den Einwohnern der kleineren Dörfer mithalten. Auch Altenstadts Bürgermeister Wolfgang Höß rechtfertigt die Investitionen in Filzingen und Illereichen: „Unser Ziel ist es, dieses Ehrenamt zu erhalten. Und die Feuerwehren brauchen alle vernünftige Einrichtungen und Ausrüstungen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine Zusammenlegung der Wehren sei keine Option. „Ich bin überzeugt, dass die meisten Mitglieder der kleineren Ortsteilvereine nicht in das Haupthaus nach Altenstadt wechseln würden“, erklärt Höß.

Feuerwehren: Pflichtaufgabe der Kommunen

Auch Bernhard Schmidt, Kreisbrandrat des Landkreises Neu-Ulm, nennt die Investitionen in die kleineren Feuerwehren „absolut richtig“. Es sei gesetzlich vorgeschrieben, auch die Ortsteil-Wehren zu erhalten und das sei gut so. Die kleinen Feuerwehren wären sofort vor Ort, falls etwas passiert.

Darüber hinaus würden sie im Katastrophenfall wichtige Personalressourcen bieten: „Wenn es beispielsweise Hochwasser gibt, ist jeder einzelne unverzichtbar“, erklärt Schmidt.

Die Personallage im Landkreis sei aktuell noch „relativ gesund“, so der Experte. „Es kann aber durchaus sein, dass es in den nächsten zehn oder 20 Jahren einen kleineren Umbruch geben wird.“

Eines der Ziele müsse dann sein, das Ehrenamt zu entlasten: „An einigen Standorten könnte man überlegen, hauptamtliche Gerätewarte einzuführen“, so Schmidt. Schließlich seien deren Aufgaben umfangreich.

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Bei der Illertisser Feuerwehr ist laut Schmidt bereits einen hauptamtlicher Gerätewart beschäftigt. Und auch sonst sei die Situation in der Vöhlinstadt recht entspannt.

Illertisser Kommandant sagt: "Die Zusammenarbeit funktioniert gut"

„Die Zusammenarbeit mit den kleineren Feuerwehren klappt hervorragend“, sagt Kommandant Erik Riedel. „Wir haben das Glück, dass hier viele Arbeitgeber angesiedelt sind, die uns auch sehr entgegenkommen.“

Ein weiterer Vorteil in Illertissen: der Bauhof. Viele Mitglieder der Feuerwehr sind dort beschäftigt. Ein Konzept, das auch in anderen Kommunen in Deutschland angewandt wird, um vor Personalmangel bei den Feuerwehren zu schützen.

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