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Illertissen

22.09.2013

Im Viersitzer nach Berlin?

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Gestern Nacht in der Wahlzentrale im Landratsamt, bald auch zusammen im Bundestag? Während Georg Nüßlein (rechts) das Direktmandat verteidigt und Ekin Deligöz (Grüne) über die Liste gewählt wurde, muss Karl-Heinz Brunner zittern.
Bild: Alexander Kaya

 Georg Nüßlein (CSU) gewinnt Direktmandat, Ekin Deligöz (Grüne) und Katrin Albsteiger (CSU) schaffen es über die Liste in den Bundestag. Karl-Heinz Brunner (SPD) durfte noch träumen

Wollen die Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Neu-Ulm eine Fahrgemeinschaft nach Berlin gründen, muss es künftig wohl ein Viersitzer sein. Bisher hätte ein zweisitziger Sport- oder Kleinstwagen gereicht. Doch Georg Nüßlein (CSU) und Ekin Deligöz (Grüne) bekommen Zuwachs. Katrin Albsteiger aus Elchingen hat es über die CSU-Liste wohl klar geschafft. Der Vierte im Bunde könnte Karl-Heinz Brunner sein. Ob der Illertisser als 21. der bayerischen SPD-Liste in den Reichstag einzieht, war gestern Nacht bei Redaktionsschluss noch offen. Klar ist nur – es wird knapp.

Mit großer Mehrheit ist Georg Nüßlein zum vierten Mal in den Bundestag gewählt worden. Der 44-jährige Diplom-Kaufmann aus Münsterhausen (Kreis Günzburg) holte das Direktmandat mit 57,51 Prozent der Erststimmen. Damit schneidet er um fast sieben Prozent besser ab als 2009. „Freude und Erleichterung sind jetzt natürlich groß, sowohl über das Abschneiden der CSU als auch mein persönliches Ergebnis“, sagt Nüßlein.

Doch gleichzeitig überkommt ihn in der Stunde seines Triumphes beim Blick auf das Gesamtergebnis in Deutschland „eine gewisse Ratlosigkeit“. Wie könnte eine neue Regierung aussehen? „Mit der SPD müssen wir als Erstes reden“, sagt der Energie- und Wirtschaftsexperte. Doch auch die schwarz-grüne Option will er nicht ausschließen. „Gerade wenn die Grünen jetzt ihre Spitze bereinigen – ohne Trittin und Co würde es gehen“, sagt Nüßlein. Persönlich verstehe er sich etwa mit Ekin Deligöz gut, da könne er sich nicht nur eine umweltschonende Fahrgemeinschaft von der Donau an die Spree vorstellen, sondern auch eine Koalition.

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Ekin Deligöz, die 42-jährige Sendenerin, zieht über die Liste wieder in den Bundestag ein – zum inzwischen fünften Mal. Als Drittplatzierte auf der bayerischen Liste spielt ihr persönliches Erststimmenergebnis von 7,82 Prozent kaum eine Rolle. Rund drei Prozent mehr waren es 2009. „Bitter enttäuscht“ sei sie über das schlechte Abschneiden der Grünen insgesamt, sagt sie in der Wahlzentrale im Landratsamt. Zu viele Eigentore seien im Wahlkampf geschossen worden, die grünen Stammthemen seien dagegen vernachlässigt worden. Jetzt stehe der Partei auch eine Diskussion über Köpfe bevor. Für eine schwarz-grüne Koalition sieht sie „wenig Chancen“. Dafür seien gerade die sozialpolitischen Differenzen zu groß.

Die lachende Dritte des Abends ist Katrin Albsteiger, die das Wahlergebnis bei der CSU-Wahlparty in München erfährt. Das gute Abschneiden der Christsozialen lässt am späten Abend kaum mehr einen Zweifel daran, dass die 29-Jährige aus Elchingen als Erstplatzierte unter den reinen Listenkandidaten ihr Ticket nach Berlin in der Tasche hat. Bevor das amtliche Endergebnis feststeht, will sie ihr persönliches Ergebnis nicht kommentieren. „Insgesamt ist die Freude natürlich riesengroß, die Wähler wollen die Union und Angela Merkel“, sagt sie am Telefon.

Für Karl-Heinz Brunner wird die Wahlnacht zur Zitterpartie. Im Landratsamt und später bei der SPD-Wahlparty im Neu-Ulmer Café D’Art sind Rechenspiele angesagt: Wie schneidet die SPD in Bayern ab, gibt es Überhang- und Ausgleichsmandate? Die meiste Zeit sieht es jedenfalls so aus, als wäre er drin. Doch das Endergebnis steht aus und Brunner will sich vorerst nur darüber freuen, dass er mit 18,4 Prozent um drei Prozent besser abgeschnitten hat als 2009.

Nur in Galgenhumor flüchten kann sich Ralf Uwe Peter, Direktkandidat der FDP. „Ich bin froh über die Wahlbeteiligung. Das ist aber auch das Einzige“, so der Arzt aus Reutti, der 2,74 Prozent der Erststimmen geholt hat – ein gewaltiger Absturz gegenüber den 11,4 Prozent, die Frank Berger 2009 für die Liberalen geholt hatte. Die FDP liegt auch in der Region am Boden. Ralf Uwe Peter fordert denn auch drastische Konsequenzen: Die Parteispitze müsse zurücktreten: „Ob Guido Westerwelle, Rainer Brüderle oder Birgit Homburger – sie haben bewiesen, dass sie es nicht können.“

Elmar Heim hat für die Linkspartei, die wieder im Bundestag vertreten sein wird, 3,47 Prozent der Erststimmen geholt. Bei den Bewerbern kleinerer Parteien lässt lediglich der Ex-FDP-Mann und Ex-Pirat Dietrich Jaser als Kandidat von der Anti-Euro-Partei AfD kurz aufhorchen: Er schafft 4,7 Prozent.

Die Piraten, die auch in der Region zwischenzeitlich viel von sich reden machten, bleiben mit ihrem Kandidaten Rudolf Ristl mit 1,93 Prozent eine Randerscheinung. Gabriela Schimmer-Göresz aus Osterberg, die für die ÖDP antrat, holt 1,56 Prozent der Erststimmen. Auf Achim Kast (Roggenburg) von der NPD entfielen 1,88 Prozent.

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