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Greifenberg

12.08.2020

Die Polizei geht in Greifenberg von Brandstiftung aus

Nach den Bränden in einem Greifenberger Wohn- und Geschäftshaus geht die Polizei von Brandstiftung aus.
Bild: Christian Rudnik

Plus Nach dem Feuer in Greifenberg kommen die Experten des Landeskriminalamtes zu dem Ergebnis: Die Brände in dem Wohn- und Geschäftshaus wurden wohl gelegt.

Seit Mittwoch herrscht etwas mehr Klarheit: Die Brände, die am Wochenende ein großes Wohn- und Geschäftshaus in Greifenberg schwer beschädigt haben, könnten mit Vorsatz gelegt worden sein. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen des Landeskriminalamtes. Bei den Bewohnern herrscht wegen eines ganz anderen Themas schlechte Stimmung. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

„Nach der Begehung mit dem Gutachter des Landeskriminalamtes besteht der Verdacht der Brandstiftung“, erklärte Kriminalhauptkommissar Michael Graf von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord auf Nachfrage. Bei der zuständigen Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. "Kurzzeitig sind wir von einem technischen Defekt ausgegangen. Aber der zweite Brand hat uns in Richtung Vorsatz gebracht."

Das LT erreichte Hausbesitzer Albert Ostermaier nach Bekanntwerden der neuesten Ermittlungsergebnisse: "Ich bin sehr geschockt, anders kann ich es nicht formulieren." Dass die Brandstiftung einen persönlichen Hintergrund habe, könne er sich nicht vorstellen. "Es ist ein totaler Schock. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Polizei die Tat in aller Konsequenz verfolgt und ermittelt."

Etliche Bewohner sprachen am Mittwoch mit dem Eigentümer und dessen Anwältin.
Bild: Margit Messelhäuser

Die weitläufige Absperrung erinnert an die katastrophalen Brände am Wochenende in dem Gebäudekomplex in Greifenberg – und der beißende Gestank. Auf dem Gelände selbst waren am Mittwoch Beamte des Landeskriminalamts unterwegs, um die Brandursachen zu ermitteln. Danach gab es gute Nachrichten für die Bewohner des Hauses, die aber bei dieser Gelegenheit ihrem Unmut Luft machten: Die Stimmung scheint gekippt zu sein.

Die Bewohner üben nach dem Feuer zum Teil heftige Kritik

Am Wochenende war in dem großen Gebäudekomplex zwei Mal Feuer ausgebrochen (LT berichtete). Vor allem der zweite Brand in der Nacht auf Sonntag sorgte für verheerende Schäden. Die 27 Wohneinheiten sind seitdem unbewohnbar. Laut Technischem Hilfswerk bestand Einsturzgefahr. Sogar ein Abriss des Gebäudes stand im Raum. So weit wird es wohl nicht kommen, das teilte Rechtsanwältin Julie Jacobi den anwesenden Bewohnern am Mittwoch mit. Sie vertritt Albert Ostermaier, den Besitzer des Gebäudes, der auch vor Ort war. Demnach ist der Bereich Hauptstraße 55a und 55b weniger von den Schäden betroffen. „Bis Freitagmorgen soll das Treppenhaus gereinigt sein“, sagte Jacobi den Anwohnern, dann könnten diese in Absprache wieder in ihre Wohnungen, um wichtige Gegenstände zu holen.

So steht es um das Gebäude nach den Bränden in Greifenberg

Anders sehe es im Bereich Hauptstraße 55c und Wankstraße 8 aus. „Dort sind die Schäden viel schwerer, aber laut Versicherung wird hier von einer Sanierung und nicht von einem Abriss gesprochen“, so Jacobi. Die Reinigung der Treppenhäuser werde aber länger dauern, ab Dienstag könnten auch dort die Bewohner wieder wichtige Unterlagen und dergleichen aus ihren Räumen holen. Allerdings könnte eine Sanierung bis auf den Rohbau nötig werden.

Für einige Anwohner kommen diese Informationen allerdings zu spät. „Das Feuer war am Wochenende, heute ist Mittwoch und wir erhalten die ersten Informationen“, sagte ein Bewohner bei der Besprechung. „Die Zeitung weiß mehr als wir.“ Überhaupt habe man sich nicht ausreichend um die Betroffenen gekümmert, monierte ein anderer. „Das waren zwei Feuer, da kann es sein, dass der eine oder andere auch psychologische Betreuung braucht“, meinte ein anderer. Die meisten hätten die Wohnungen nur mit den Kleidern am Leib verlassen müssen. „Es gab keine Nachricht, dass man sich etwas kaufen kann und wohin man die Rechnung schicken kann“, bemängelte ein weiterer Mann. „Einige haben schließlich zwei Brände mitgemacht, da muss man sich mehr um die Leute kümmern.“

Wer ist der Brandstifter?

Albert Ostermaier, der Besitzer des Gebäudekomplexes, hörte sich die Vorwürfe an. „Natürlich verstehe ich, dass die Leute großen Informationsbedarf haben. Aber die Informationen müssen erst gesichert sein, ehe ich sie weitergeben kann“, sagte er dem LT. Nachdem nun die Experten von der Versicherung und dem Landeskriminalamt da gewesen seien, habe er gesicherte Informationen und diese seien auch sofort weitergegeben worden.

In Greifenberg brannte es am Wochenende zweimal in einem Wohn- und Geschäftshaus.
Bild: Feuerwehr Dießen

Es standen aber nicht alle Bewohner kritisch zur Info-Politik. „Es handelt sich ja um einen Sonderfall. Am Anfang war ein großes Durcheinander und das dauert eben ein bisschen, bis das geklärt ist“, meinte eine Mieterin. Im Übrigen „helfen wir uns hier auch gegenseitig. Ich habe jetzt einige Mieter kennengelernt, die kannte ich vorher noch gar nicht“. Ziemlich gelassen sieht es auch ein Mieter, obwohl er dringend in seine Wohnung müsste: „Ich habe ein Aquarium und ich weiß nicht, wie lange die Fische das noch überstehen.“

Bis die Mieter wieder in ihre Wohnungen einziehen können, wird es jedenfalls noch länger dauern. Immerhin konnten alle untergebracht werden. „Ich wusste gar nicht, dass in Greifenberg noch so viele Wohnungen leer sind“, sagte Greifenbergs Bürgermeisterin Patricia Müller gegenüber dem LT. Sie hatte gleich einen Aufruf auf Facebook gestartet und war begeistert von der Hilfsbereitschaft: „Es kamen gleich etliche Adressen.“ Das war aber nicht alles: Im Gebäude untergebracht sind mehrere Arztpraxen, ein Discounter, eine Bank und eine Apotheke. Jetzt muss die Nahversorgung anderweitig organisiert werden. Auch dort sei bereits alles in die Wege geleitet worden. Die Ärzte hätten alle auch ein vorübergehendes Domizil gefunden, für einen soll ein Container aufgestellt werden, den Platz dafür habe ein Bürger zur Verfügung gestellt, sagte Bürgermeisterin Patricia Müller.

Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck bittet um sachdienliche Hinweise, die in Verbindung mit den beiden Brandlegungen stehen könnten und nimmt diese unter der Telefonnummer 08141/612-0 entgegen.

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