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Landkreis

08.11.2017

Ein Abschied mit Trompeten

„Bis bald, auf Wiederseh’n !“: Mit dieser Polka pflegte sich Kapellmeister Anton Nadler mit „Volles Rohr Böhmisch“ vom Publikum zu verabschieden.
Bild: Andreas Brücken (Archivbild)

Jahrelang war Anton Nadler Kapellmeister bei „Volles Rohr Böhmisch“. Jetzt hat er sich in den Musiker-Ruhestand zurückgezogen.

Anton Nadler, Kapellmeister der weitum bekannten Unterhaltungskapelle „Volles Rohr Böhmisch“ – in Musikantenkreisen und beim Publikum bestens als „der Nadler Toni“ bekannt – hat sich in den Musiker-Ruhestand verabschiedet. In den zwölf Jahren seit der Gründung dieser Formation hat Nadler nicht nur das Publikum weit über den Landkreis Neu-Ulm hinaus begeistert, sondern auch mit seinen jährlichen Benefizkonzerten für die Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, einen respektablen fünfstelligen Spendenbetrag eingespielt.

Für diesen Anlass traten die Musiker um Toni Nadler stets honorarfrei auf und gaben den gesamten Erlös des Konzertes für den guten Zweck. Dabei fanden die Auftritte stets in voll besetzten Konzertsälen statt; egal ob in Illertissen, Vöhringen, Senden, Reutti oder im Forum am Hofgarten in Günzburg. „Volles Rohr Böhmisch“ war mit Toni Nadler aber weit über die engere Heimat – den Landkreis Neu-Ulm und die angrenzenden Orte im Landkreis Günzburg und dem Alb-Donau-Kreis – hinaus auch in Oberschwaben und im weiteren süddeutschen Raum anzutreffen. Die Kapelle trug seit ihrer Gründung wesentlich dazu bei, dass die böhmisch-mährische Stilrichtung in den vergangenen Jahren besonders auch bei der jungen Generation wieder populär wurde.

Nadler war dafür sowohl durch seine Ausbildung als auch durch seine jahrzehntelange berufliche Tätigkeit prädestiniert: Nach seinem Studium am damaligen Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, das er im Hauptfach Trompete abschloss, war er sein ganzes Berufsleben beim Heeresmusikkorps in Ulm tätig, wo er viele Jahre lang als Solotrompeter und als Korpsführer im Rang eines Oberstabsfeldwebels verantwortungsvolle Aufgaben wahrnahm. An der Musikschule und am Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium Weißenhorn wurden seine Qualitäten als Musiklehrer ebenso geschätzt wie bei den Musikkapellen der Umgebung: Er war 17 Jahre Dirigent beim Musikverein Schmiechen (Gemeinde Schelklingen) und 16 Jahre in derselben Funktion beim Musikverein Pfaffenhofen an der Roth tätig. Die Ernennung zum Ehrendirigent bei beiden Vereinen war die verdiente Anerkennung für seine hervorragende musikalische Arbeit.

Diese setzte er dann bei „Volles Rohr Böhmisch“ fort, wo er wiederum großen Wert auf blitzsaubere Intonation und Artikulation legte. So wurde die Kapelle ein Begriff für Qualität in der Musikszene und sie begeisterte vor allem auch bei ihrem Gemeinschaftsauftritten mit anderen Formationen dieser Stilrichtung wie den „Weinbergmusikanten“, „Blech & Co“ und anderen. Nadlers ebenso fachkundige wie sympathische Konzertmoderationen waren stets Bestandteile des Gesamterfolges.

Auch mit eigenen Bearbeitungen böhmisch-mährischer Musikstücke trug er zum Erfolg seiner Kapelle bei. So überraschte er im vergangenen Jahr beim Konzert in Reutti mit einem originellen Arrangement, in dem er den berühmten „Böhmischen Traum“ mit der Polka „Wir Musikanten“ kombiniert hatte. Seinen letzten Auftritt mit „Volles Rohr Böhmisch“ absolvierte Nadler passend zu seiner früheren Berufstätigkeit vor wenigen Wochen beim Paradekonzert auf dem Ulmer Marktplatz.

Nun hat er sich in bestem Einvernehmen mit seinen Musikerkameraden in den verdienten Ruhestand zurück gezogen, aber man darf sicher sein, ihn bei einschlägigen Konzerten als Stammgast im Publikum wiederzusehen. Wie Gerhard Brandl, einer der Gründer von „Volles Rohr Böhmisch“, gegenüber unserer Zeitung bestätigte, bedauere man zwar den Entschluss, respektiere diesen aber selbstverständlich und habe den langjährigen musikalischen Leiter deshalb im besonderen Rahmen des Ulmer Paradekonzertes verabschiedet.

Ein Nachfolger für Toni Nadler am Dirigentenpult von „Volles Rohr Böhmisch“, so erzählte Brandl weiter, sei bereits gefunden. Dieser steige nun in die Probenarbeit ein und werde dann im Frühjahr des kommenden Jahres – vermutlich wieder bei einem Benefizkonzert für die Kartei der Not – offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

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