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Kommunalpolitik

14.09.2018

Reimlingen: Rathauschef als Vollzeitjob?

Wird der Reimlinger Bürgermeister in Zukunft als Beamter in Vollzeit beschäftigt sein? Darüber diskutierte der Gemeinderat.
Bild: Landratsamt Donau-Ries

Der Arbeitsaufwand für Bürgermeister steigt und Gemeinden tun sich schwer, ehrenamtliche Nachfolger zu finden. In Reimlingen wird über das Modell der Zukunft diskutiert.

Am Montagmorgen im Landratsamt, danach auf die Baustelle und später zur Sprechstunde ins Rathaus. Am nächsten Tag warten Feuerwehr, Sportverein und Bauhof auf einen Termin. Das Leben als Bürgermeister kann ganz schön anstrengend sein, vor allem wenn man berufstätig ist. In die Arbeit zu gehen und nebenbei eine Gemeinde zu leiten, sei mittlerweile nicht mehr zu machen, sagt der Reimlinger Bürgermeister Jürgen Leberle. Beruf, Ehrenamt, Familie – eines davon bleibe zwangsläufig auf der Strecke. Das könne er aus eigener Erfahrung berichten. Und so schlug er seinem Gemeinderat vor, über ein strittiges Thema zu diskutieren: Sollte der Bürgermeister in Zukunft als Beamter in Vollzeit für seine Gemeinde im Einsatz sein?

Auf der Bürgermeisterdienstbesprechung hatte Landrat Stefan Rößle den Rathauschefs geraten, genau dies zu tun. Offen mit dem Gemeinderat über das Thema zu sprechen, denn vielen ehrenamtlichen Bürgermeistern sei die Aufgabe mittlerweile zu stressig, aber kaum einer würde sich trauen, eine hauptamtliche Anstellung vorzuschlagen – aus Angst vor negativen Reaktionen wie Neid und Missgunst. Dabei ist es heutzutage nicht mehr unüblich, dass kleinere Gemeinden ihren Bürgermeister in Vollzeit beschäftigen. In Alerheim und Deiningen gibt es beispielsweise seit Jahren hauptamtliche Rathauschefs, auch in Huisheim oder Fremdingen. Nur 24 der insgesamt 44 Kommunen im Landkreis werden noch ehrenamtlich geführt, wie das Landratsamt auf Anfrage der Rieser Nachrichten mitteilt. Hier dürfte sich bei der nächsten Kommunalwahl noch einiges tun.

Man braucht nicht weit über die Reimlinger Gemeindegrenzen hinausblicken, um zu sehen, dass bis 2020 viele der amtierenden Bürgermeister im Landkreis um die 70 Jahre oder älter sein werden. Die meisten von ihnen werden keine sechs Jahre dauernde Amtsperiode mehr bestreiten wollen. Und so dürften viele Gemeinden bald vor der unbequemen Frage stehen, wie oder mit wem es in Zukunft weiter gehen könnte. Schon bei der vergangenen Wahl hatten viele Kommunen Probleme, einen geeigneten Kandidaten zu finden.

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Jürgen Leberle sprang bei der Kommunalwahl in Reimlingen vor viereinhalb Jahren selbst in die Bresche und hatte nun den Mut, das Thema „hauptamtlicher Bürgermeister“ auf die Tagesordnung seines Gemeinderats zu setzen. Der jüngste Rathauschef im Landkreis betonte, dass die Entscheidung personenunabhängig getroffen werden müsse. „Ganz egal, wer das Amt ab 2020 inne haben wird, er sollte mehr Zeit für die Aufgabe haben“, sagte Leberle. Was gegen einen hauptamtlichen Rathauschef spreche, sei freilich das Geld. 50000 bis 60000 Euro mehr würde die Gemeinde pro Jahr aufwenden müssen, wenn der Bürgermeister als Beamter auf Zeit mit der Besoldungsgruppe A13 angestellt wäre – so sei es gesetzlich geregelt. Ein ehrenamtlicher Rathauschef erhalte eine Entschädigung – die liege zwischen 3000 und 4400 Euro im Monat. Den Mehraufwand könne man sich leisten, rechnete Leberle vor und verwies auf den Gemeinde-Etat von rund 4,5 Millionen Euro.

Aus dem Gemeinderat gab es gemischte Stimmen. Anton Lösch merkte etwa an, dass es für die immer mehr werdenden Verwaltungsaufgaben die VG Ries gebe. Die sei genau deshalb gegründet worden und koste die Kommune viel Geld. Renate Kohnle wies darauf hin, wie stark sich Reimlingen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt habe, und dass man sich als Gemeinderat zum Ziel gemacht habe, den Ort weiter erfolgreich in die Zukunft zu führen. „Dafür brauchen wir einen hauptamtlichen Bürgermeister.“ Joachim Ramisch mahnte, dass es ohne einen Vollzeit-Bürgermeister schwer sei, als Gemeinde selbstständig zu bleiben und gegen den Nachbarn aus Nördlingen zu bestehen. Dieter Hackenberg fasste treffend zusammen: „Was dagegen spricht, ist das Geld. Was dafür spricht, ist die Dorfentwicklung.“ Man müsse daher überlegen, ob die positiven Effekte die negativen übersteigen würden. Bürgermeister Jürgen Leberle bezweifelte, dass sich überhaupt jemand für das Ehrenamt finden lasse. Er regte an, vor der Entscheidung eine Bürgerversammlung abzuhalten, um die Reimlinger mit einzubeziehen.

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