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CDU-Parteitag

23.11.2019

Markus Söder beschwört die Geschlossenheit der Union

Markus Söder und Annegret Kramp-Karrenbauer.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Markus Söder begeistert beim CDU-Parteitag das Publikum. Ist er vielleicht sogar der bessere Kanzlerkandidat?

Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch knapp zwei Jahre – Markus Söder aber ist schon auf Betriebstemperatur. Nicht die dauerdepressive SPD, prophezeit er, werde dann der größte Gegner der Union sein, und auch nicht die AfD, die alles sei, nur keine bürgerliche Partei. Für Söder ist die Gefechtslage schon jetzt klar: Es gehe nicht um Schwarz und Grün, warnt der CSU-Chef, „sondern um Schwarz oder Grün“.

Eine Partei, die den Konsum von Drogen freigeben wolle, den von Fleisch aber verbieten, und bei der man als Wähler bald nicht mehr wisse, ob ein Geländewagen nun gefährlicher sei oder ein Atomkraftwerk: Söders Auftritt beim CDU-Parteitag in Leipzig reißt an diesem Vormittag auch die schläfrigsten Delegierten von ihren Sitzen. Die Grünen böten zwar keine schlechte Show, räumt der Gast aus Bayern angesichts der guten Umfragewerte für die Partei ein. Deren Beschlüsse allerdings seien kein Angebot an bürgerliche Wähler, sondern „ein knallhartes Programm in Richtung links“. Am Ende feiert ihn die Schwesterpartei mit stehenden Ovationen.

Umjubelter Auftritt beim CDU-Parteitag: Könnte Markus Söder Kanzler?

Hat Annegret Kramp-Karrenbauer die politische Konkurrenz tags zuvor noch demonstrativ geschont, so teilt Söder nun umso lustvoller aus. Es ist sein erster Auftritt als CSU-Vorsitzender bei der Schwesterpartei – und einer, der in Erinnerung bleiben wird mit einer Rede, so temperamentvoll wie unterhaltsam und so frenetisch beklatscht, dass eine Frage unausgesprochen plötzlich wieder mit im Raum steht: Könnte der auch Kanzler? Söder selbst umkurvt das heikle Thema, indem er ein ums andere Mal die Geschlossenheit der Union beschwört. „Es ist kein gutes Signal, wenn zwei Schwestern sich dauerhaft streiten“, sagt er. „Wir sind eine Familie, wir sind nur gemeinsam stark.“

Seit Markus Söder und Annegret Kramp-Karrenbauer in ihren Parteien die Geschäfte übernommen haben, hat sich das Verhältnis zwischen CDU und CSU spürbar entkrampft. Vorbei die Zeiten, als Horst Seehofer im Streit um Angela Merkels Politik der offenen Grenzen von einer „Herrschaft des Unrechts“ sprach, die Kanzlerin mit ihrer Richtlinienkompetenz drohte und zeitweise sogar die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU im Bundestag infrage stand. Der neue Ton in der Union ist konziliant, der Beifall für den Gast aus München schon beim Einzug in die Leipziger Messehalle entsprechend wohlwollend. Auch dank ihm, lobt Gastgeberin Kramp-Karrenbauer, habe die Unionsfamilie diese dramatischen Momente überwunden.

Markus Söder spielt eigene Ambitionen herunter

Söder hat es allerdings auch um einiges einfacher als seine Kollegin von der CDU. Er sitzt als Ministerpräsident und Parteichef unangefochten im Sattel – sie kämpft auch nach diesem Parteitag gegen den Eindruck an, dass da mit Friedrich Merz mindestens einer im Hintergrund lauert, der besser ist als sie, populärer vielleicht auch und ehrgeiziger obendrein. Er führt eine Partei, die bei allen Verlusten der vergangenen Jahre noch immer die 40-Prozent-Marke in Sichtweite hat – ihre Partei dagegen stürzt nicht nur in den neuen Ländern immer weiter ab. In Hamburg, wo im Februar nächsten Jahres gewählt wird, sieht die neueste Umfrage die CDU nur noch bei 13 Prozent. Spekulationen, er könnte selbst womöglich mehr wollen als nur ein harmonisches Verhältnis zwischen den beiden Parteien, kontert Söder mit heiterem Understatement: Die CSU als deutlich kleinere der beiden Unionsschwestern könne ja nichts bestimmen, flachst er. „Aber ohne uns wäre es auch langweilig.“

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