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Kommentar

14.10.2019

Ex-Löwe Göktan bereut es, Stefan Reuter enttäuscht zu haben

Der frühere 1860-Profi Berkant Göktan ist wieder in München - aber nicht wegen Fußball.
Bild: Matthias Schrader, dpa (Archiv)

2008 flog Berkant Göktan wegen Kokainmissbrauchs bei 1860 München raus und verschwand vom Radar. Nun ist er wieder in München und spricht über seinen Rauswurf.

Der Kaiser nannte ihn einst "das größte Talent seit Jahren". Und eigentlich begann Berkant Göktans Fußballerkarriere verheißungsvoll. Mit 17 Jahren debütierte der Deutschtürke für den FC Bayern München in der Champions League gegen Manchester United. Das war am 30 September 1998. Wenige Tage später wechselte ihn sein damaliger Trainer Ottmar Hitzfeld gegen Borussia Dortmund ein.

Mit dem Einsatz ist der Stürmer bis heute einer der jüngsten Debütanten des FC Bayern München. Seine Karriere schien steil bergauf zu verlaufen. Allerdings blieb Göktan der Durchbruch beim Rekordmeister verwehrt. Es folgten Ausleihen nach Gladbach und Bielefeld. Bei beiden Mannschaften profitierte niemand. Schließlich wechselte Göktan in die Türkei.

Den heutigen FCA-Manager Reuter hat Göktan enttäuscht

Nach einigen Jahren kehrte er wieder zurück nach München. Er startete einen neuen Anlauf. Dieses Mal bei 1860. Göktan galt der zu dem Zeitpunkt 25-Jährige als Hoffnungsträger, als Star. Er erfüllte diese Erwartungshaltung. In der Rückrunde der Saison 2006/2007 schoss zwölf Tore in zehn Spielen, traf in der Folgesaison auch beim 6:2-Sieg der Löwen gegen den FC Augsburg. Im Oktober 2008, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, kam dann das Aus: Der DFB sperrte den Fußballer wegen nachgewiesenen Kokainmissbrauchs für ein Jahr. Und der Ex-Fußballprofi verschwand vom Radar. Er spielte in Thailand und lebte einige Zeit im Ausland. Nun ist Göktan seit wenigen Wochen wieder in München und spricht erstmals über sein Leben nach dem Fußball. In einem Interview bei Sport1 spricht er über die härteste Zeit seines Lebens, über seinen Drogenkonsum und wieso er den heutigen FCA-Manager Stefan Reuter enttäuscht hat.

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Gegenüber Sport1 sagt Göktan im Interview über seinen Drogenkonsum, dass er den Erfolg bei Sechzig damals nicht verarbeiten konnte. Es sei alles zu schnell gegangen. Er habe kaum Zeit gehabt, darüber nachzudenken, wie ich er es vielleicht hätte anders machen können. Allerdings sieht Göktan auch die andere Seite der Medaille: "Das Positive an allem ist, dass ich meine Frau in Thailand kennengelernt habe. Und mit ihr habe ich zwei tolle Kinder. Ich habe heute mein Leben wieder im Griff."

Reuter habe Göktan mit einem "super Vertrag" geholfen

Allerdings sei das nicht immer so gewesen. Göktan spricht davon, neben Drogen auch exzessiv Alkohol getrunken zu haben - auch während seiner Zeit bei 1860 München. "Der Verein hat mich geschützt. Auch meine Mannschaftskollegen haben damals mitbekommen, dass ich alkoholisiert beim Training erschienen bin. Ich habe oft nach Alkohol gerochen", sagt er. Nach dem alles aufgeflogen sei, habe sei der Alkoholkonsum schlimmer geworden - ein Grund, weshalb er lange im Ausland gelebt habe. Aber auch, weil er viele Menschen enttäuscht habe.

Darunter der damalige Sportdirektor und heutige FCA-Manager Stefan Reuter. Er habe Göktan mit einem "super Vertag sehr geholfen". Einen Monat nach der Unterschrift kam dann die ganze Sache ans Licht. "Ich bereue wirklich sehr, dass ich mich nicht bei den Verantwortlichen, den Fans und den Spielern persönlich entschuldigt habe. Ich bin einfach abgehauen. Das tut mir sehr leid. Besonders gegenüber Marco Kurz, Stefan Reuter und dem damaligen Präsidenten. Und natürlich den Fans."

Mittlerweile ist Göktan nach eigener Aussage "clean". Dem Fußball habe er allerdings den Rücken gekehrt. Nach München sei er lediglich wegen seines Sohnes zurückgekommen. Er sei Autist. "Für seine Therapie ist es am besten, in Deutschland zu sein, vor allem weil es hier sehr gute Förderschulen gibt."

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15.10.2019

Im Fall Göktan hat nicht nur ein junger Mensch versagt, sondern vor allem ein Berater. Die sollten nicht nur dazu da sein, die Hand auf zu halten für Verträge, sondern ihre Schützlinge zu "schützen".
Die Fallstricke sind tückisch für junge Spieler und genau dafür brauchen sie ihre Berater, um sie am Boden zu halten und zu "erden"

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