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Landkreis Augsburg

23.03.2020

Ode an die Freude: Wie die Musik dem Coronavirus trotzt

Musiker der Musikvereinigung Welden spielten die Ode an die Freude und zeigten ihren Zusammenhalt in dieser schweren Zeit.
Bild: Musikvereinigung Welden

Plus Viele Musiker singen und spielen auf dem Balkon oder am Fenster die Ode an die Freude von Beethoven. Auch Musikvereine schließen sich an.

Dass sonntags um 18 Uhr Kirchenglocken läuten, ist in der Region nicht ungewöhnlich. Doch wer am Sonntag um diese Zeit seine Fenster öffnete, hörte vielerorts die Ode an Freude von Ludwig van Beethoven – gesungen, auf der Tuba gespielt oder als Familienkonzert mit verschiedenen Instrumenten.

Zahlreiche Musiker waren einem Aufruf gefolgt, der sich in den vergangenen Tagen in Windeseile über soziale Netzwerke verbreitet hatte. Sie öffneten ihre Fenster oder stellten sich vor die Haustür, gingen in den Garten oder auf den Balkon. Ob in Gersthofen oder Westendorf, in Neusäß oder Meitingen – in vielen Gemeinden erklang „Freude schöner Götterfunken“. In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus setzten die Sänger und Musiker so ein Zeichen der Verbundenheit und Zuversicht, auch wenn sie derzeit nicht gemeinsam in Chören singen oder in Orchestern und Kapellen musizieren können.

Emma und Sabine Latzel aus Westendorf spielen auf der Terrasse.
Bild: Sammlung Latzel

Musiker wollen Zusammenhalt in der Krise demonstrieren

Viele Mitglieder der Musikvereinigung Welden haben bei dieser Aktion mitgemacht und zeigten auf diese Weise ihren Zusammenhalt in der Corona-Krise. Auch Familie Latzel aus Westendorf hat zu den Instrumenten gegriffen und die bekannte Melodie gespielt: „Wir haben mitgemacht, weil wir durch die Aktion Zusammenhalt in dieser Krise zeigen wollten und wir so mit unseren Freunden mal wieder ein gemeinsames Erlebnis hatten.“

Matthias Fay aus Langenreichen ist Tubist in der SGL-Kapelle Meitingen: „Mein Hauptbeweggrund für die Teilnahme war der wiederholte Beweis, dass Musik in jeder Lebenslage, in jedem Alter und an jedem Ort die einzige Sprache ist, die die Welt einen und verbinden und der Gesellschaft gegenseitig Kraft spenden kann.“ Patrizia Lofner, die ebenfalls in der SGL-Kapelle aktiv ist, musizierte mit ihrer Familie vor der Haustür.

Ode an die Freude aus Meitingen

Dass viele Musiker von dem Aufruf erfuhren, lag auch an den Dachverbänden wie dem Bayerischen Blasmusikverband und den Vereinen, die im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM) organisiert sind. „Sehr viele waren aktiv“, erzählt Bezirksvorsitzende Angela Ehinger. Ihr gefällt es, dass sich viele beteiligt haben, „man freut sich doch, wenn es Musik gibt“.

Musiker halten zusammen - auch Familie Groer in Kühlenthal.
Bild: Musikvereinigung Welden

Sie sei ein gutes Mittel, um mit der aktuellen Situation umzugehen. Der Sport ruht, doch Musik kann man ohne großen Aufwand auch selbst machen. „Das bringt dann gleich eine andere Einstellung“, wenn man zum Beispiel einfach etwas singe. Dazu muss man nicht unbedingt das Ziel haben, in einem Chor zu singen, wobei es dort mehr Spaß mache, wie auch das Musizieren in einer Kapelle. „Das Gemeinschaftsgefühl macht viel aus“, betont Ehinger, „das ist bei den Musikvereinen sehr ausgeprägt“, die Älteren nehmen die Jüngeren mit.

Wegen des Coronavirus ruht der Probenbetrieb

Im Moment allerdings ruht wegen des Coronavirus der Probenbetrieb auch bei den Vereinen des ASM, es gibt keine Auftritte und Konzerte. Es stehen Entscheidungen über Veranstaltungen im Mai an, etwa das nächste Bezirksmusikfest. Dahinter stecken für die ausrichtenden Vereine bis zu zwei Jahre Vorbereitungszeit, dazu kommen Kosten etwa für Noten und Proben. Um alles rechtzeitig fertig zu haben, müssten bereits in wenigen Wochen die Aufbauarbeiten beginnen.

Ode an die Freude aus Langenreichen

Wann erneut zeitgleich auf Balkonen und Terrassen musiziert wird, ist noch offen. Sobald ein neuer Aufruf gestartet ist, wird er sich wohl wieder schnell verbreiten. Das Vorbild der Aktion kam aus Italien. Dort machten sich erstmals am 13. März die Bewohner gegenseitig Mut, indem sie gemeinsam sangen und musizierten. Das Land ist derzeit in Europa am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffen.

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