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Bayern
26.03.2021

Kultusminister Piazolo reagiert scharf auf Pschierers Lehrer-Kritik

Der Mindelheimer Abgeordnete Pschierer attackiert Lehrer auf Facebook.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

Teuer, aber nicht die besten und fleißigsten: Der Mindelheimer Abgeordnete Pschierer attackiert Pädagogen. Jetzt schaltet sich Minister Piazolo ein.

Der CSU-Landtagsabgeordnete und frühere Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer hat auf Facebook Bayerns Lehrer scharf angegriffen. „Wir haben zwar mit die teuersten, aber nicht immer die besten und fleißigsten Lehrer“, schreibt Pschierer auf seinem Profil. Später heißt es in dem Beitrag: „Beamtenstatus, Unkündbarkeit, beste Gesundheitsversorgung mit Chefarztbehandlung, üppige Pensionen und 70 Ferientage. Da müsste man doch eigentlich zufrieden sein können. Nein! Ist man nicht.“

Hintergrund für Pschierers Post ist das Ultimatum, das Bayerns größter Lehrerverband BLLV vor einigen Tagen an die Staatsregierung gestellt hatte. Bis Ende der Osterferien müsse jedem impfwilligen Lehrer ein Impfangebot gemacht werden, heißt es in einem Brandbrief des Verbands. Ein ungeimpfter Lehrer könne nur Distanzunterricht anbieten. Der BLLV handelte sich dafür von vielen Seiten Kritik ein.

Reaktionen auf Lehrer-Kritik von Franz Josef Pschierer: „Respektlos“, „skandalös“

Doch so heftig wie Pschierer wütete keiner: „Für mich ist dieses Ultimatum (…) schlichtweg unverschämt“, schreibt er weiter. „Und deshalb bin ich fast geneigt, das Zitat unseres früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder über Lehrer zu wiederholen ("Ihr wisst doch ganz genau, was das für ... Säcke sind.").“

Bis zum Donnerstagnachmittag sammelt der Post bereits mehr als 130 Kommentare – überwiegend negative. „Unterstes Stammtischniveau“, „respektlos“, „skandalös“, so bezeichnen Pschierers Kritiker den Beitrag. Andere Nutzer stimmen Pschierer zu: „Danke Herr Pschierer für ihre Standhaftigkeit und Haltung in dieser Sache“, schreibt einer.

Michael Piazolo, Kultusminister von Bayern, ist sonst für seine Diplomatie bekannt.
Foto: M. Balk, dpa

Mittlerweile hat sich Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) eingeschaltet. Er weist "diese unberechtigte Pauschalkritik an den bayerischen Lehrkräften deutlich zurück". Die Lehrkräfte hätten in der Pandemie viele neue Aufgaben angenommen und hervorragende Arbeit geleistet. "Die Corona-Pandemie hat den Schulbetrieb völlig auf den Kopf gestellt. Unsere Lehrkräfte haben von Beginn an flexibel auf diese Situation reagiert und einfach angepackt: Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt, Distanzunterricht organisiert, sich zeitgleich intensiv fortgebildet – alles, um die Bildungschancen der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu sichern." Piazolo bedankt sich ausdrücklich bei den Lehrkräften: "Mir ist bewusst, wie viel sie in dieser Pandemie tagtäglich leisten.“

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband, auf dessen Brandbrief Pschierer reagierte, lässt sich nicht provozieren. Präsidentin Simone Fleischmann sagt: "Ich ignoriere diesen Post. Jedes Wort dazu ist mir eines zu viel."

Pschierer, Vorsitzender der CSU-Mittelstandsunion, hatte zuletzt oft polarisiert – und erst im Februar gegen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rebelliert, indem er ein Ende des Lockdowns forderte.

Pschierer zieht erneut Wut vieler Lehrer auf sich

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Pschierer die Wut der Lehrkräfte auf sich zieht. Im März 2020 hatte der Mindelheimer Abgeordnete einer Grundschullehrerin empfohlen, sie solle sich einen neuen Job suchen. Die Lehrerin aus Oberbayern hatte sich in einem Brief an mehrere Politiker gewandt und Ideen gegen den Lehrermangel präsentiert – unter anderem die, das Gehalt von Grund- und Mittelschullehrern auf die Stufe A13 anzuheben, in die auch Lehrkräfte an Gymnasien und Realschulen eingruppiert sind.

Pschierer schrieb zurück: "Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist die freie Berufswahl fest verankert. Sollten Sie mit dem von Ihnen frei gewählten Beruf und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sein, müssen Sie selbst die Konsequenzen ziehen und sich eine andere Tätigkeit suchen."

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27.03.2021

>> Unsere Lehrkräfte haben von Beginn an flexibel auf diese Situation reagiert und einfach angepackt: Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt ... <<

120.000 Lehrer in Bayern haben Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt?

Das ist doch Unfug...

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26.03.2021

Sehr geehrter Herr Pschierer, ich nehme Ihre fragwürdige Äußerung zum Anlass um aus dieser festzustellen:

Wir haben zwar mit die teuersten, aber nicht immer die besten und fleißigsten Provinz Politiker.

Ich wünsche gute Besserung.

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26.03.2021

Wie in nahezu allen Bereichen gibt es hier keine scharfe Trennung zwischen Schwarz und Weiß. Ich habe keine Kinder, erfahre aber aus dem Umfeld, dass es sich einige Lehrer wohl sehr einfach machen und statt zu unterrichten, Aufgaben für mehrere Wochen verteilen. Das ist zu wenig und man darf auch mehr erwarten. Andererseits gibt es sicherlich auch sehr viele innovative Ansätze, die zu loben sind.
Die Forderungen bezüglich der Impfungen sind verständlich, aber falsch vorgetragen. Mit diesem Argument könnten auch sämtliche Mitarbeiter im Lebensmittelhandel mit Streiks drohen.

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26.03.2021

Die Leerer solten einfach meer auf die Kwalität ihres Unterrichts achten. Fiele Schüler haben schon den Anschlus ferloren. Statt zu jammern sind eigeninitiative und praxisnahe lösungen gefordert. Ich bin jedenfalls mit der kwalität der Schulausbildung nicht zufriden.

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25.03.2021

Scheinbar geht die CSU aus dem Leim. Jahrzehntelange politische Inzucht macht sich bemerkbar zum Nachteil der Bevölkerung.

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26.03.2021

"Scheinbar geht die CSU aus dem Leim."

Da könnte was dran sein. Erkennbar daran, dass sich plötzlich Heckenschützen aus der Deckung wagen, von denen lange nichts zu hören war und deren Verlautbarungen auch keiner vermisste . . .

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25.03.2021

Übertragen auf andere Berufe - keine Lebensmittel bei REWE - kein ÖPNV von den Stadtwerken...

Das Ultimatum ist einfach unsolidarisch, wenn nicht gar asozial. Es gibt viele Menschen die unter vielen Menschen arbeiten und da sollte auch eine sinnvolle Impfreihenfolge gegeben sein.

Wenn auch die Aussage von Herrn Pschierer sehr zugespitzt ist, zeigt der Distanzunterricht zum Teil deutliche technische Qualifikationsmängel bei den Lehrern und sogar vielfach eine geringe Anpassungs- und Änderungsbereitschaft.

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25.03.2021

Wer seine Lehrer nicht impft - darf die als Arbeitgeber nicht in eine außergewöhnliche Ansteckungsgefahr schicken - egal was er von den Lehrern hält.
Da sollte er mal fragen - wo die Impfdosen sind - abgesehen davon, ob dieser Herr überhaupt was zu sagen hat?
Das ist jetzt der Skandal - die Menschen sterben und die Politiker haben nichts anderes zu tun - sich an anderen Themen hochzuziehen?
Da sind die hochbezahlten - evtl. auch saumäßig überbezahlten (:-) Politiker gefragt, die sich profilieren wollen !

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