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Schule

18.02.2019

In Augsburg könnten bald Islam-Lehrer ausgebildet werden

Seit 2009 läuft ein Modellversuch zum staatlichen Islam-Unterricht an bayerischen Schulen. Im Sommer wäre Schluss. Doch Schulminister Michael Piazolo will das Projekt fortführen.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

In bayerischen Schulen soll weiterhin Islamunterricht gegeben werden. Kultusminister Michael Piazolo will das Modell-Projekt weiterführen. Doch wie genau?

Im vergangenen Frühjahr hatte der damalige CSU-Kultusminister Bernd Sibler die Zukunft des staatlichen Islam-Unterrichts an bayerischen Schulen noch in Frage gestellt. Jetzt sieht es so aus, als würde das Angebot an muslimische Schüler auch über das Ende eines bis zum Sommer befristeten Modellversuchs fortgeführt. Ob als verlängerter Probelauf an einer begrenzten Zahl von Schulen oder bayernweit als bedarfsgerechter Regelunterricht ist allerdings noch offen.

Bayerns neuer Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) macht aus seiner positiven Haltung jedenfalls keinen Hehl: „Ich persönlich habe große Sympathien für das, was bei diesem Modellversuch an den Schulen abläuft“, sagte er kürzlich im Landtag. Derzeit werden rund 16.000 von etwa 115.000 muslimischen Schülern an 357 Regelschulen von 95 in Bayern dafür ausgebildeten und vom Freistaat Bayern beschäftigten Lehrern unterrichtet.

Würde der Islamunterricht wegfallen, wäre Theo Doerfler, Rektor an der Bobinger Laurentius-Grundschule im Landkreis Augsburg, sehr enttäuscht. Seine Schule war eine der ersten in Bayern, die als Modellschule den runderneuerten Islamunterricht ins Angebot aufnahm. Das war 2009, fünf Jahre später wurde das Projekt noch einmal bis 2019 verlängert. Doerfler sagt: „Mittlerweile hat sich das Angebot bei Eltern und Schülern etabliert.“

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Grundschul-Rektor: Angebot hat sich bei Eltern und Schülern etabliert

Für jede Klasse in den Jahrgangsstufen eins bis vier werden zwei Stunden die Wochen angeboten. „Die Gruppen werden gut angenommen und sind immer voll.“ Der Islamunterricht findet stets parallel zum normalen Religionsunterricht statt. In Bobingen besuchen derzeit 157 Kinder den katholischen, 70 Kinder den evangelischen, 88 Kinder den islamischen und 20 Kinder den EthikUnterricht. „Ich hoffe sehr, das Angebot wird fortgesetzt. Sonst bleibt uns nichts anderes übrig, als die muslimischen Kinder in den Ethikunterricht zu schicken.“

Dieser islamische Unterricht sei „kein Religionsunterricht“, betont Piazolo: „Das heißt, dass keine religiöse Einübung stattfindet“. Vielmehr gehe es um Werte-Erziehung vor einem religiösen Hintergrund: „Das, was in diesem Unterricht stattfindet, ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Glauben, die interkulturell ausgerichtet ist“, erklärt er. Das Ergebnis einer Auswertung der seit 2014 laufenden zweiten Modellphase stehe zwar noch aus: „Nach dem, was ich höre, werden positive Antworten kommen“, sagt Piazolo weiter.

Eine Auswertung wird wohl positive Ergebnisse bringen

Was dies für die Zukunft des Islam-Unterrichts bedeutet, ist aber noch offen: Die Freie-Wähler-Bildungsexpertin Eva Gottstein möchte aus dem Modellversuch gerne eine „stetige Einrichtung“ machen: Interessierte Schulen könnten dann selbst entscheiden, ob vor Ort der Bedarf für ein solches Angebot besteht. Einer Verlängerung des inzwischen zehnjährigen Probelaufs kann Gottstein dagegen wenig abgewinnen: „Ich bin der Meinung, dass es lange genug Modellversuche gab.“ Auch aus der CSU kommt wieder Unterstützung für das Projekt: Der Islam-Unterricht sei „hoch angesehen“ und „ein Beitrag zur Integration“, findet die CSU-Bildungspolitikerin Barbara Regitz: „Hier haben unsere öffentlichen Schulen bei der Demokratie- und Werte-Erziehung den Fuß in der Tür.“ Allerdings müsse das Modellprojekt zunächst in Ruhe ausgewertet werden.

SPD und Grünen reicht das nicht: „Der Modellversuch muss zum Regelunterricht werden, damit er massiv ausgebaut werden kann“, sagt die SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr. Notwendig sei zudem, mehr Islam-Lehrer an bayerischen Universitäten auszubilden – bislang ist dies nur in Erlangen möglich. Doch bald könnte es die Ausbildung auch in Augsburg geben. Die dortige Universität hat bereits viel Vorarbeit für die Einrichtung eines Lehrstuhls geleistet. Momentan kann die Hochschule aber noch keine Kurse anbieten, da die Staatsregierung jetzt noch keine Entscheidung zur Fortführung des Islamunterrichts getroffen hat. Elisabeth Naurath, seit 2013 Inhaberin des Augsburger Lehrstuhls für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, hält einen zweiten Standort für dringend nötig. Damit alle Lehramtsstudenten die Möglichkeit haben, eine Zusatzqualifikation zu erwerben. Sie soll ihnen helfen, bei der Arbeit an Schulen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen zu vermitteln.

AfD will Islam-Unterricht komplett abschaffen

Und inhaltlich dürfe der künftige Unterricht nicht hinter das bisher erfolgreich erprobte Modell zurückfallen, fordert Strohmayr. Erweiterter Ethik-Unterricht sei nicht genug: „Es braucht dort auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Islam.“

Den Islam-Unterricht komplett abschaffen will dagegen die AfD: Bereits im Wahlkampf hatte die Partei der CSU wegen des Modellversuchs die „Islamisierung Bayerns“ vorgeworfen. „Der Islam ist nicht kompatibel mit dem Grundgesetz“, findet der AfD-Bildungspolitiker Markus Bayerbach auf Nachfrage: „Wir lehnen den Islam-Unterricht rundweg ab.“ Die Vorstellung, dass der Staat damit bei jungen Muslimen einen Fuß in die Tür bekomme, sei zudem „sehr naiv“, findet Bayerbach. Die AfD plädiere stattdessen für „Toleranzkunde“ in den Schulen – um muslimischen Schülern „unser Leben beizubringen“.

Freie-Wähler-Frau Gottstein empfahl der AfD daher eine Audienz bei Papst Franziskus. Ohne Zweifel sei das Thema „emotional“, findet Schulminister Piazolo. Gerade deshalb will er dem Landtag erst eine wohlüberlegte und in der Koalition abgestimmte Entscheidung vorlegen. Das Ergebnis werde aber nicht mehr lange auf sich warten lassen: „Ich würde es in Wochen zählen.“

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17.02.2019

Warum nicht, vielleicht schaffte es ein Islam-Lehrer wieder mehr Kultur in die BRD zu transportieren?

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