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Nattenhausen

18.10.2019

Nattenhauser sind gegen Bauhof am Kreuzberg

Die Pferdekoppel im Westen des Kreuzberges von Nattenhausen, einst vorgesehen als Friedhoferweiterungsfläche, ist als Standort des VG-Bauhofes vorgesehen.
Bild: Emil Neuhäusler

Plus Die Verwaltungsgemeinschaft Krumbach sucht einen Standort für das Bauprojekt. Die Diskussion wurde sehr emotional geführt.

Der Bau eines gemeinsamen Bauhofes der sechs Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Krumbach (Aletshausen, Breitenthal, Deisenhausen, Ebershausen, Waltenhausen, Wiesenbach) schien bereits in trockenen Tüchern zu sein. Plötzlich tut sich jedoch ein Riesenproblem auf, weil dieser nicht am favorisierten Standort auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Überlandwerk Krumbach (ÜWK) in Breitenthal verwirklicht werden kann. Die diese Woche in der Informationsveranstaltung im Gemeindehaus in Nattenhausen vorgestellte Standortalternative östlich des Kreuzbergs in Nattenhausen trifft auf härtesten Widerstand der Nattenhauser: „Das Dorf will den Bauhof da oben nicht haben!“

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Breitenthals Bürgermeisterin erklärt die Gründe für den gemeinsamen Bauhof.

VG-Vorsitzende und Bürgermeisterin von Breitenthal Gabriele Wohlhöfler legte anfangs noch einmal die Gründe für den gemeinsamen Bauhof dar. Die vielfältigen Aufgaben, die in einer Gemeinde anfallen, können nicht mehr durch Bürger im Ehrenamt bewältigt wer-den. Da es mit dem ÜWK zu keinem Vertragsabschluss kam, mussten sich die Bürgermeister erneut nach einem Grundstück umsehen. Als geeignet, vor allem aufgrund der VG-zentralen Lage, schien ihnen das im Besitz der Gemeinde befindliche Grundstück östlich des Kreuzberges in Nattenhausen. Wie das Gebäude in die Landschaft eingebettet werden könnte, stellte Norbert Weiß, Bürgermeister von Deisenhausen, vor. Er denkt an eine langfristige Realisierung des Bauvorhabens in drei Schritten. Im ersten Bauabschnitt soll ein Gebäude, in dem eine Fahrzeughalle, eine Waschhalle, eine Werkstatt, ein Raum für das Personal sowie eine Lagerfläche für Schüttgutboxen errichtet werden. Im nächsten mittelfristig zu erwartenden Bauabschnitt sollen die Schüttgutboxen verlagert werden, damit an deren Stelle Carports für Kleinmaschinen, Anbaugeräte und Ähnliches mehr erstellt werden können. Sollte langfristig dann der Bau einer weiteren Maschinen- und Gerätehalle erforderlich werden, kann diese rückseitig an die Carports angebaut werden. Hierzu würden dann die Schüttgutboxen nochmals, auf die andere Seite von deren Rangierfläche, gegen Westen verlagert werden.

Die Nattenhauser diskutieren mit viel Herzblut

Mit viel Herzblut beteiligten sich die über 70 anwesenden Bürger an der Diskussion, die sich im Großen und Ganzen zu einem Plädoyer gegen das Projekt an dieser Stelle entwickelte. Sicher ist es der besonnenen Moderation von Bürgermeisterin Wohlhöfler zu verdanken, dass der sachliche Aspekt im Vordergrund blieb. Sie versprach, dass alle Einwendungen und Argumente, die an diesem Abend vorgebracht wurden, dem Gemeinderat vorlägen, wenn dieser endgültig über den Standort entscheide. Die Gründe, die angesprochen wurden, waren vielfältig.

Nattenhauser sind gegen Bauhof am Kreuzberg

Zuerst einmal herrschte großes Unverständnis darüber, dass der Bauhof unbedingt an den „schönsten Platz in Nattenhausen“ soll. Unmittelbar daneben ist nämlich der Kreuzberg. Auf dem ehemaligen Burgberg wurde um 1920 eine Kriegergedächtniskapelle (heute ein geschütztes Baudenkmal) errichtet und mit Kreuzwegstationen umgeben. Gepflegt wird die Anlage seit 1921 von einem heute noch bestehenden Kreuzbergverein, und während eines Kirchenjahres finden am Kreuzberg mehrfach religiöse Veranstaltungen statt. Hier werde eine Idylle durch die Technik zerstört, hieß es. Vorgebracht wurde zudem, dass auf dem favorisierten Grundstück bereits Historisches aus der Bronzezeit gefunden wurde. Der Vorstand des Kreuzbergvereins, Richard Müller, hat bereits beim Denkmalamt in Thierhaupten nachgefragt und erfahren, dass das Vorhaben den Belangen des Denkmalschutzes nicht widerspricht oder dieses beeinträchtigen würde.

Als Alternativstandort wurde das Grundstück westlich des Vereinsheims Breitenthal ins Gespräch gebracht. Dieser Standort entfalle jedoch, da er unter Naturschutz stehe. Wenn dieser unter Naturschutz stehe, meinte Karl Thoma, müsse es der auserkorene Bauhofplatz erst recht sein. Zuerst von Annette Thoma und danach noch von anderen wurde immer wieder die ehemalige Müllhalde ins Spiel gebracht. Die wäre im Gegensatz zu dem „wunderschönen Flecken Erde schon verschandelt“. Die Meinungen, ob man auf einem ehemaligen Schuttplatz überhaupt bauen könne, widersprachen sich.

Inzwischen hat Bürgermeister Weiß herausgefunden und mitgeteilt, dass es sich beim vorgeschlagenen Gelände, dem oberen Bereich der „ehemaligen Schutte“, ebenfalls um eine Biotopfläche handele, was eine Bebauung ausschließe. Auch andere Alternativstandortvorschläge führten an diesem Abend zu keinem Ergebnis. Die Möglichkeit, mit dem Krumbacher Bauhof eine Allianz einzugehen, scheide nach Rücksprache mit dem dortigen Bürgermeister ebenfalls aus.

Hubert Konrad zweifelte die Sinnhaftigkeit eines gemeinsamen Bauhofes von sechs Gemeinden mit über 20 Ortsteilen grundsätzlich an. Die Wege, die von den Bauhofarbeitern zurückgelegt werden müssten, seien zu groß. Wenn sich diese in der Früh zum weitest entfernten Ortsteil zum Arbeiten aufmachten, müssten sie dort angekommen, bereits wieder zum Mittagessen zurückkehren. Dass plötzlich nur negative Äußerungen zum Bauhof fielen, gefiel Fritz Seitz nicht. Die ganze Misere entstehe ja bloß deshalb, weil keiner mehr zur Mitarbeit bereit sei. „Jedem ist jeder Handgriff zu viel!“, beklagte er in der Versammlung. Andere signalisierten Bereitschaft zum Mitarbeiten in der Gemeinde, wenn sie von Arbeitseinsätzen erfahren würden. Letztendlich verständigte man sich aber doch darauf, dass ein gemeinsamer Bauhof notwendig sei. Leider wurde der Vorschlag, eine Abstimmung herbeizuführen, im Eifer des Gefechtes wieder zerredet, sodass am Schluss unklar war, wie viele Anwesende definitiv für oder gegen das Bauprojekt an dieser Stelle sind. Einige Redner zeigten sich jedoch am Ende zuversichtlich, dass bei „gutem politischem Willen“ ein von allen akzeptierter Standort für den Bauhof gefunden werden könne.

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