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Kaufering

08.07.2016

Kommt der nächste Windpark ins Westerholz?

Im Westerholz wäre – sollte es keine artenschutzrechtlichen K.o.-Kriterien geben – Platz für mehrere Windräder, allerdings nur abseits geschützter FFH-Bereiche und außerhalb von Bodendenkmälern.
Bild: Sybille Seidl-Cesare

Der Kauferinger Gemeinderat denkt über ein interkommunales Bürgerkraftwerk nach. So wie der Windkraft-Planer die Sache darstellt, könnte es nur ein mögliches Hindernis geben

Werden sich in einigen Jahren auch im Landkreis-Norden Windräder drehen? In Kaufering macht man sich darüber bereits konkret Gedanken. Der Marktgemeinderat und das Landsberger Ingenieurbüro Sing haben dabei das Westerholz im Blick: Das Waldgebiet zwischen Kaufering, Scheuring und Weil lässt nach den Worten von Geschäftsführer Robert Sing nicht nur eine passable Windsituation erwarten, sondern es kann auch die in Bayern verschärften Abstandsvorschriften (Stichwort 10H) erfüllen. Und auch die Sicherheitsanforderungen für die Flugplätze auf dem Lechfeld und in Penzing dürften nach Sings Einschätzung einem Windpark im Westerholz nicht entgegenstehen. Auch im Gemeinderat stießen die von Sing vorgetragenen Überlegungen für einen interkommunalen Bürgerwindpark überwiegend auf Wohlwollen.

Das knapp sieben Quadratkilometer große Waldgebiet bietet einigen räumlichen Spielraum für den Bau von zwei bis vier Windrädern. Die nächstgelegene Ortschaft ist Beuerbach, die von der Mitte des Waldgebiets knapp drei Kilometer entfernt ist, Weil, Kaufering und Scheuring liegen rund dreieinhalb Kilometer weg und zu den nächstgelegenen Ortschaften auf der anderen Lechseite, Hurlach und Klosterlechfeld sind es jeweils mehr als vier Kilometer.

Innerhalb des 10-H-Radius (Windräder erreichen mit der Nabenspitze in der Regel mehr als 200 Meter Höhe) liegen nur die Gutshöfe Lichtenberg und Riedhof, die jedoch als Einzelgehöfte keinen so großen Schutzstatus genießen wie geschlossene Wohngebiete, erläuterte Sing. Begrenzende Faktoren im Westerholz seien jedoch FFH-Flächen und Bodendenkmäler. Insgesamt könnte aber noch genügend Platz für zwei bis vier Windräder bleiben. Auch die Nähe der Flugplätze in Lagerlechfeld sei kein unüberwindbares Hindernis: Von der Bundeswehr könne mit grünem Licht gerechnet werden, wenn Windräder nicht als „Radarstörzellen“ in Erscheinung treten. Als solche wirken drehende Rotorblätter, die mit dem Anflugradar interferieren. Eine solche Interferenz kann dazu führen, dass das Radarbild im Tower gestört ist. Allerdings kann dieses Problem technisch gelöst werden, nämlich dann, wenn die Bundeswehr auf die Windräder zugreifen und in einer Anflugsituation abstellen kann. Ein entsprechender Pilotversuch läuft bereits beim Penzinger Schwestergeschwader, dem LTG 63 im schleswig-holsteinischen Hohn. Die dabei verloren gehenden Energie ist laut Sing marginal, die Standzeit liege bei „weniger als 0,25 Prozent“. Die einzige offene Frage ist für Sing nur noch der Artenschutz. Diese könne erst nach mehrmonatigen Untersuchungen insbesondere im Hinblick auf die Bestände von Vögeln und Fledermäusen beantwortet werden, „das wird der Hauptzeitfresser“, bemerkte der Windkraft-Planer dazu.

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Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Windparks sieht Sing weiterhin gegeben – auch wenn ab 2017 keine fixen Einspeisevergütungen mehr bezahlt werden, sondern neue Windkraftwerke nur noch mittels Ausschreibungsverfahren gebaut werden können. Dabei kämen nicht nur die wirtschaftlichsten Projekte zum Zug, sondern es würden Bürgermodelle und solche Standorte bevorzugt, die am netzverträglichsten seien und windschwache Standorte könnten höher vergütet werden als windstarke. Die Windsituation im Westerholz dürfte in etwa so wie in der von seinem Büro bereits errichteten Windrädern bei Lamerdingen und „einen Tick besser als im Kingholz im Fuchstal“ sein, erklärte Sing auf Nachfrage von Manfred Nieß (CSU).

Die einzige kritische Anmerkung im Gemeinderat, der vor mehreren Wochen bereits hinter verschlossenen Türen über die Windkraft im Westerholz informiert worden war, kam von Bernhard Mödl (UBV): Er verwies darauf, dass für die Windräder hunderte Bäume gefällt werden müssten und ein weiteres Naherholungsgebiet zerstört werde. Am Ende werde aber pro Windrad nur eine Fläche von 1250 Quadratmetern benötigt, sagte Sing dazu, und durch die 10H-Vorschrift blieben im Prinzip nur noch Waldstandorte, um Windkraftwerke zu bauen.

„Irgendeinen Tod müssen wir sterben“, erwiderte Gabriele Triebel (GAL) auf Mödls Einwand, und erklärte: „Windkraft würde zu Kaufering gut passen neben dem Heizwerk und der Fotovoltaik, auch weil sie sehr wenig Fläche braucht.“ Ihr Fraktionskollege Dr. Patrick Heißler verwies auch noch auf einen anderen Aspekt: „Wenn wir nicht selber aktiv werden, könnten wir andere wegen der Privilegierung solcher Anlagen nicht verhindern.“

Was die anderen Anrainergemeinden Scheuring und Weil von einem Westerholz-Windpark halten, wollte noch Manfred Huber (Kauferinger Mitte) wissen: „Mit den Bürgermeistern habe ich schon gesprochen, aber noch nicht in den Gemeinderäten“, erklärte Sing, „und bei den Bürgermeistern war durchaus Wohlwollen zu verspüren.“

Sollten Sings Erwartungen eintreten und auch das nötige Kapital von Banken, Bürgern und Kommunen zusammenkommen, könnte im Westerholz ab 2019 Windstrom produziert werden. Pro Windrad ist von einer Investitionssumme von gut fünf Millionen Euro auszugehen, wie sich im Fuchstaler Windpark gezeigt habe. Und Windkraft-Investoren kämen bislang auch auf ihre Kosten, wie Sing mit Verweis auf Lamerdingen erklärte. Weil es im vergangenen windreichen Jahr so gut lief, werde dort nicht nur wie geplant eine vierprozentige Dividende ausgeschüttet, sondern sechs Prozent. "Kommentar Seite 23

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