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Landkreis Neu-Ulm 

10.07.2019

Klinikreform: Die Politik macht ernst

Die Illertalklinik bleibt auch nach den jetzt beschlossenen Reformplänen ein wichtiger Standort für die Altersmedizin. Zudem sollen dort diverse andere ärztliche Angebote etabliert werden.
Bild: Imago/Ikon Images (Symbolfoto)

Der Krankenhausausschuss des Landkreises segnet das Konzept ab. Das bringt vor allem für das Haus in Illertissen einschneidende Veränderungen.

Die Vorentscheidung ist nun offiziell gefallen: Die Kliniklandschaft im Kreis wird deutlich umgestaltet – und das Haus in Illertissen bekommt eine neue Rolle zugewiesen. Einstimmig hat sich am Mittwoch der Krankenhausausschuss auf ein neues Konzept geeinigt. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit liegt beim Kreistag, der am 19. Juli entscheiden wird. Massive Widerstände dürften nicht zu erwarten sein, denn auch die beiden Illertisser Vertreter im Ausschuss – Josef Kränzle (FW) und Roland Hunger (CSU) – votierten für die Klinikreform.

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Altersmedizin bleibt in der Illertisser Illertalklinik

Im Grunde genommen war die Richtungsentscheidung bereits bei der Klausurtagung Anfang Juni in Roggenburg gefällt worden, an deren Ende folgende Lösung für die Zukunft präsentiert wurde: Die Donauklinik in Neu-Ulm und die Stiftungsklinik in Weißenhorn bleiben als Akutkrankenhäuser erhalten, Illertissen behalte die geriatrische Rehabilitation, werde aber ansonsten zu einem Gesundheitszentrum umgebaut. Was das bedeutet, erläuterte nun Stiftungsdirektor Marc Engelhard im Krankenhausausschuss. Demnach soll die akutgeriatrische Abteilung mit ihren 20 Betten nach Weißenhorn verlegt werden. Das wird bis Ende nächsten Jahres über die Bühne gehen. Dennoch bleibt der größere Teil der Altersmedizin, die geriatrische Rehabilitation, mit knapp 50 Betten in Illertissen. Möglicherweise könnte sie noch ausgebaut werden, sagte der Medizinische Direktor der Stiftungskliniken, Dr. Andreas Keller.

Illertalklinik in Illertissen wird Gesundheitszentrum

Die Illertalklinik wird zu einem „modernen Gesundheitszentrum“ umgebaut. Um das zu erreichen, plant die Klinikstiftung, in Illertissen weitere medizinische Angebote zu etablieren, mit erweiterten Öffnungszeiten. Ein Facharzt für Allgemeinmedizin hat bereits Interesse bekundet, dort als angestellter Mediziner arbeiten zu wollen. Zudem sollen weitere niedergelassene Ärzte und Therapeuten in der Illertalklinik angesiedelt werden, damit dort ein Facharztzentrum entsteht. Hinzu kommen eine stationäre und ambulante Kurzzeitpflege sowie eine Krankenpflegeschule, um eigene Nachwuchskräfte heranzuziehen. Allerdings verliert Illertissen im Zuge der Umgestaltung die erst frisch etablierte Schmerztagesklinik mit ihren acht Betten. Sie hatte sich gut entwickelt, dennoch sei sie in Neu-Ulm besser aufgehoben, wie Keller meint. In der Großen Kreisstadt sei der Einzugsbereich für Patienten einfach größer.

Klinikreform: Die Politik macht ernst

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Kreiskliniken: Aus drei mach ... drei

Von dieser Reform verspricht sich die Kreisspitalstiftung eine zukunftsfähige Lösung, denn so bekommen alle drei Häuser ihre ganz spezielle Ausrichtung, doppelte und somit teure Strukturen würden abgebaut. Langfristig solle das horrende Defizit deutlich schrumpfen. Die beste Lösung wäre eigentlich gewesen, ein komplett neues, auf sämtliche Bedürfnisse zugeschnittenes Krankenhaus zu bauen, das seinen Platz in der Mitte des Landkreises hätte. Doch das ist offenbar aus verschiedenen Gründen nicht zu stemmen.

Ein neues Krankenhaus wäre zu teuer

Das bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege hatte verlauten lassen, mit einer finanziellen Förderung eines solchen Projekts sei nicht zu rechnen. Somit müsste der Kreis die Neubaukosten, die sich je nach Schätzung auf 100 bis 200 Millionen Euro belaufen können, alleine stemmen. Bis das das Haus steht, würden voraussichtlich zehn bis zwölf Jahre vergehen. In dieser Zeit würden jedoch die bestehenden drei Häuser keinerlei finanzielle Unterstützungen bekommen, wenn dort übergangsweise etwas investiert werden müsste. Außerdem machte das Ministerium klar, dass die Donauklinik, in die große Mengen an Fördergeldern zur Sanierung geflossen sind, auf jeden Fall erhalten bleiben müsse. Sie sei „systemrelevant“.

Somit hat sich der Kreis weitgehend von der Vorstellung verabschiedet, eine neue Klinik aus dem Boden stampfen zu können – auch wenn es im Beschluss des Ausschusses heißt, diese „langfristige Option“ bleibe von der jetzt gefundenen Lösung für die drei Kreiskliniken „grundsätzlich unberührt“.

Klinikreform im Landkreis Neu-Ulm: Was ist mit der Geburtshilfe?

Gebaut werden soll demnach zunächst nur in Weißenhorn, um die Kapazitäten zu erweitern. Ob dort allerdings auch eine Geburtshilfeabteilung entsteht, scheint sehr unsicher. Medizindirektor Keller wird dazu im Kreistag Stellung nehmen, wie er jetzt angekündigt hat.

Zu Beginn der Ausschusssitzung hatte Landrat Thorsten Freudenberger noch gesagt, nun sei es Zeit, mutig zu entscheiden und die Debatten zu beenden. Daran hielten sich die Kreispolitiker. Grundsätzlicher Widerspruch erhob sich nicht. Auch Roland Hunger zeigte sich mit dem neuen Konzept „einigermaßen einverstanden“ , wenn dadurch die Möglichkeit offen bleibe, doch noch irgendwann ein gemeinsames neues Haus zu errichten. Und vom Gedanken an eine Babystation zumindest in Weißenhorn wollte er auch nicht ablassen. Sehr wichtig fand Hildegard Mack (CSU) den Ausbau der Altersmedizin in Illertissen. Dort gebe es genügend Potenzial für eine neue Abteilung. Ulrich Schäufele (SPD) fand es wichtig, für Illertissen eine tragfähige Lösung zu finden, „sonst verspielen wir das restliche Vertrauen im Süden“. Der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg witterte im Laufe der Debatte Ungemach, denn wenn die Option auf einen völligen Neubau nicht aufgegeben werde, sei ja die Donauklinik gefährdet: „Damit hätte ich erhebliche Probleme.“ Direktor Engelhard verwies auf die Aussage des Gesundheitsministeriums, wonach die Klinik an der Donau als „systemrelevant“ eingestuft sei. „Der Standort ist gesetzt“, sagte er. "

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