Newsticker

Lokale Ausnahmen von der Maskenpflicht für Grundschüler müssen in Bayern genehmigt werden
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Immer mehr kehren der Kirche den Rücken

Landkreis Augsburg

16.03.2015

Immer mehr kehren der Kirche den Rücken

Die Zahl der Austritte hat 2014 um ein Fünftel zugenommen. Was treibt die Menschen dazu?

Immer mehr Menschen verlassen die Kirchen im Landkreis Augsburg. Allein 2014 sind 1987 aus der katholischen oder evangelischen Kirche ausgetreten. Das sind noch einmal ein Fünftel mehr als 2013 (1565). Damit verloren die Kirchen in den letzten zwei Jahren allein im Landkreis Mitglieder in einer Größenordnung der Einwohnerzahl von Biberbach.

Die meisten Abwanderer haben zwar die großen Städte wie Königsbrunn, Gersthofen und Neusäß zu verzeichnen – der Trend zieht sich aber durch den ganzen Landkreis. Fast überall hat die Zahl der Austritte im Vergleich zu 2013 zugenommen. Einzig Thierhaupten nimmt mit einem Rückgang von 25 auf acht Austritte eine Sonderrolle ein. In vier weiteren Gemeinden sind die Zahlen knapp rückläufig.

Doch warum verlassen so viele Menschen die Kirchen? Im vergangenen Jahr argumentierte das Bistum Augsburg noch mit „Vorgängen in anderen Bistümern“ – 2013 war das Jahr der Affäre um den damaligen Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Auf Anfrage wollte sich das Bistum vergangene Woche nicht weiter dazu äußern.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aus dem Bistum Münster kommt ein anderer Erklärungsansatz. Dort wurde vor wenigen Tagen eine Studie zu Kirchenaustritten veröffentlicht. Das Ergebnis: Nur 56 Prozent der Gläubigen lehnen einen Kirchenaustritt kategorisch ab. Die knappe Hälfte hat mindestens schon darüber nachgedacht. Als Gründe für einen möglichen Austritt gab die Mehrheit der Befragten an, dass die Kirche rückständig sei. Knapp 40 Prozent störten sich an der Kirchensteuer, auf Platz drei landete die „Enttäuschung von der Kirche“. Umstrittene Würdenträger landeten nur auf dem fünften Platz. Die Gruppe der 56- bis 65-Jährigen ist mit einem Wert von 35 Prozent fast ebenso unzufrieden wie die der Jugendlichen unter 25 (36,8 Prozent).

Nicht alle Kirchen leiden. Die freikirchliche Christengemeinde Arche in Augsburg verbucht nach eigenen Angaben einen kleinen Zuwachs, der jedoch kaum das Heer an Exreligiösen auffängt. „In den letzten zehn Jahren sind wir von 150 auf 190 Mitglieder angewachsen“, sagt der stellvertretende Gemeindevorsitzende Andreas Neumann. Eine Hoffnung bleibt den Kirchen aber: In einer Umfrage unserer Zeitung unter 336 Jugendlichen im Landkreis gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie an Gott glauben. Doch die Kirche erreicht die Jugend nicht mehr. Viele kritisieren etwa den Umgang der Kirche mit Geschiedenen, Homosexuellen. Und sie kritisieren Predigten, die mit der Realität zu wenig zu tun hätten. So habe sich die Erkenntnis durchgesetzt: „Religion hat doch nichts mit Glaube zu tun.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren