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Luftfahrt

08.07.2020

Aiwanger bei Premium Aerotec: Kurzarbeit soll Rettung sein

Hubert Aiwanger fordert bei seinem Besuch bei Premium Aerotec vom Bund eine Verlängerung der Kurzarbeit.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Augsburger Airbus-Tochter Premium Aerotec plant, Stellen zu streichen. Hubert Aiwanger und das Unternehmen hoffen in der Krise auf Unterstützung vom Bund.

Im Fall der von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Premium Aerotec fordert Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine Verlängerung der Kurzarbeit. Um das Unternehmen durch die Krise zu bringen, sei in erster Linie der Bund gefordert, sagte der Freie-Wähler-Politiker nach einem Besuch der Augsburger Firma. Zuvor hatten er und Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) sich mit Vertretern von Stadt, Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsrat getroffen, um über die Zukunft von Premium Aerotec zu sprechen.

Das Zulieferunternehmen leidet unter dem Rückgang der Produktion beim Flugzeugbauer Airbus. Diese soll im Zuge der Corona-Krise um 40 Prozent zurückgefahren werden – weshalb auch die Auslastung des Tochterunternehmens Premium Aerotec sinkt. Um den Auftragseinbruch aufzufangen, hat das Unternehmen angekündigt, rund ein Drittel seiner etwa 9000 Stellen abbauen zu wollen – am Standort Augsburg fielen somit circa 1000 der rund 3500 Arbeitsplätze weg.

Bei Premium Aerotec in Augsburg sind 1000 Arbeitsplätze in Gefahr. CEO Ehm, Wirtschaftsminister Aiwanger und Augsburgs Wirtschaftsreferent Hübschle äußern sich im Video zur Situation.
Video: Ida König

Premium Aerotec plant Job-Abbau trotz neuer Aufträge

Gewerkschaftsvertreter wehren sich allerdings gegen den Job-Abbau. Dessen Umfang hatte Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek schon im Vorfeld der Kundgebung als überzogen bezeichnet. Ob es tatsächlich so weit kommen wird, ist ohnehin offen. Geschäftsführer Thomas Ehm deutete an, dass die im Raum stehenden 1000 Stellenstreichungen der dramatischste aller möglichen Fälle sei. Gemeinsam mit Aiwanger und Trautner forderte er eine Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate, mit der derzeit bereits die fehlenden 40 Prozent an Produktionsvolumen aufgefangen würden. Zudem setze das Unternehmen sein Programm zur Kostensenkung fort. Dass die Auftragsbücher beim Mutterkonzern Airbus derzeit voll seien, habe wenig Aussagekraft, sagte Ehm: „Wie viel dann letztlich abgenommen wird, muss man sehen.“ Von der Bundesregierung erhoffe er sich, dass sie in Forschung und Entwicklung investiere. Der Zulieferer dürfte sich davon neue Aufträge erwarten.

Bild: Silvio Wyszengrad

Viel mehr, als den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, blieb auch Staatsminister Aiwanger nicht übrig. Ehms Forderung nach Investitionen in Forschung und Entwicklung schloss er sich an – und ging noch darüber hinaus. Aiwanger hofft auf militärische Aufträge. Premium Aerotec fertigt unter anderem Teile für Flugzeuge der Bundeswehr. „Jeder Eurofighter hilft“, sagte er. Zudem könne ein Flottenerneuerungsprogramm dafür sorgen, die Luftfahrt umwelt- und klimafreundlicher zu machen. Von den damit verbundenen Aufträgen erhofft Aiwanger sich einen Schub für die Unternehmen.

Gesamte Luftfahrtbranche leidet unter Corona-Krise

Betroffen sei schließlich nicht nur Premium Aerotec – sondern die gesamte Luftfahrtbranche. Diese ist ein wichtiger Arbeitgeber im Freistaat. Ihre Krise „trifft Bayern ins Herz“, sagt Aiwanger. In der Branche gelte es jetzt, „zu retten, was zu retten ist“. Auf die Frage, wie der Freistaat unter die Arme greift, verwies Aiwanger auf das Förderprogramm „Baylu 25“, das bereits seit vergangenem Jahr beschlossen ist und Produktivität und Materialeffizienz in der Luftfahrtindustrie steigern soll. Solle es nötig werden, habe man zudem noch „Pulver trocken“, wie Aiwanger sagte – ohne dabei konkreter zu werden.

Betriebsbedingte Kündigungen wolle sie verhindern, sagte Arbeitsministerin Trautner. Wenn es allerdings so weit komme, stehe die Politik bereit, um Kündigungen sozialverträglich abzufedern und Betroffene zu unterstützen. Vor allem Auszubildende sollten besonders geschützt werden.

Mitarbeiter von Premium Aerotec protestieren in Augsburg

Bei der Kundgebung am Mittag hatten rund 100 Mitarbeiter stellvertretend für die restlichen Beschäftigten gegen den Stellenabbau demonstriert. „Niemand weiß genau, wie es weitergehen wird“, sagte eine von ihnen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Ergebnisse der Verhandlungen dürften die Sorgen der Beschäftigten von Premium Aerotec vorerst kaum dämpfen. Dennoch zeigte sich Betriebsratschef Sebastian Kunzendorf verhalten optimistisch. Wie Landesregierung und Unternehmen hofft er auf die Unterstützung aus Berlin – und längere Kurzarbeit. Augsburgs Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle wertete es zudem als positives Signal, dass die Unternehmensführung klargestellt habe, dass sie derzeit über eine Beschäftigungslücke von etwa 1000 Stellen spreche, statt über einen Beschäftigungsabbau. Diese müsse nicht gleichbedeutend mit einer derart hohen Zahl an Kündigungen sein. (mit nist)

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09.07.2020

Aiwanger: „Jeder Eurofighter hilft“, sagte er."

Das Mitarbeiter/innen um ihre Arbeitsplätze kämpfen, ist verständlich. Ein Minister ist jedoch dem GEMEINWOHL verpflichtet. Rüstung zu fordern, um Arbeitsplätze zu sichern, dient nicht dem Gemeinwohl.

Ein Minister sollte in die Breite und in die Zukunft schauen: Wo fehlen gegenwärtig und zukünftig Arbeitskräfte und wie können wir dazu beitragen, dass arbeitslos Werdende diese Arbeitsplätze übernehmen. Noch vor drei Monaten hieß es, dass Bus- wie Zugverkehre in beträchtlicher Zahl ausfielen, weil Lokführer/innen fehlen. In der Solarbranche heißt es, dass Elektriker fehlen. In der Windbranche hingegen werden tausende Arbeitsplätze in der Planung und Errichtung gestrichen, weil die Herren Aiwanger, Söder und Altmaier den Ausbau der Windkraft blockieren. Und dabei brauchen wir deren Strom, um den Atom- wie Kohle- und Erdgasstrom zu ersetzen.

Raimund Kamm

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