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Kernkraftwerk

20.09.2015

Was passiert, wenn Gundremmingen vom Netz geht?

2022 geht das Kernkraftwerk Gundremmingen vom Netz. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sieht die Stromversorgung gesichert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Industrie fürchtet, dass die Energieversorgung nach dem Aus von Gundremmingen nicht gesichert ist. Ängste sind nicht gerechtfertigt, sagen Ilse Aigner und Franz Untersteller

In Sachen Versorgungssicherheit nach dem Atomausstieg hat Bayerns Wirtschaftsministerin am Freitag Entwarnung gegeben: „Wenn Gundremmingen vom Netz geht, wird es unproblematischer als in Grafenrheinfeld“, sagte Ilse Aigner beim „Strom-Gipfel-Süd“ in Neu-Ulm. Keiner hätte es gemerkt, als das Atomkraftwerk bei Schweinfurt Ende Juni für immer abgeschaltet wurde. Durch den Bau der „Thüringer Strombrücke“ bis 2017, einer Leitung für den Stromtransport von Norden nach Süden, werde das Aus für Gundremmingen ähnlich geräuschlos ablaufen.

Zum Strom-Gipfel Süd hatten die Industrie- und Handelskammern (IHK) Bodensee-Oberschwaben, Ostwürttemberg, Ulm und Schwaben eingeladen. Diese befürchten auf Basis einer Datenerhebung eine eklatante Lücke in verlässlicher Stromversorgung, wenn bis 2022 das Atomkraftwerk Gundremmingen vom Netz geht.

Keine Stromengpässe nach Aus für Grundremmingen, sagen die Politiker

„Eines ist sicher: Dass keine Sicherheit besteht“, sagte Peter Kulitz, Präsident der Ulmer IHK. In seltener Einmütigkeit von grünen und christsozialen Politikern wurden die Bedenken der Industrie verbal vom Tisch gefegt. „Ich verstehe ihre Sorgen“, sagte Aigner. Sie warf aber den Industrie-Vertretern zugleich vor, „künstlich“ die Bedenken zu befördern. „Die Angst ist nicht gerechtfertigt.“ Auch ihr baden-württembergischer Kollege Franz Untersteller sprach von „Schwarzmalerei“ im Zusammenhang mit der Energiewende. Untersteller führte aus, dass Baden-Württemberg und Bayern mit ihren großen Industriezentren rund 30 Prozent des insgesamt in Deutschland benötigten Stroms verbrauchten. Der Politiker kritisierte, dass Investitionsanreize für moderne CO2-neutrale Gaskraftwerke fehlten. Die Bundesregierung setze leider als Sicherheitsreserve auf teure Braunkohlekraftwerke.

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Aigner betonte, dass der Netzausbau bis 2022 aller Voraussicht nach kein größeres Problem darstelle. Dabei setzt die Bundesregierung künftig vorrangig auf Erdverkabelung, was den ganzen Prozess beschleunige. Denn wenn weniger oder keine Riesenmasten in die Landschaft gebaut werden, sei kaum Widerstand in der Bevölkerung zu erwarten. Ganz im Stile eines Diplomaten formulierte dies Peter Franke, der Vizepräsident der Bundesnetzagentur, die im Auftrag der Politik den Bau von Trassen, Leitungen und Co. koordiniert. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir im Zeitplan bleiben“, sagte Franke. Um keinen Preis möchte sich der Vizechef einer Behörde, deren oberstes Ziel es ist, für ein verlässliches Stromnetz zu sorgen, nachsagen lassen, sein Haus habe seine Pflichten vernachlässigt. Für eine verlässliche Stromversorgung hält Franke neue Kraftwerke auf Gasbasis für unerlässlich, um Versorgungssicherheit zu garantieren.

Aigner: Strompreis ist viel zu hoch - Unternehmen an der Belastungsgrenze

In einer Podiumsdiskussion auf dem Strom-Gipfel sprach Hartmut Wurster, stellvertretender Präsident der IHK Schwaben, von „großen Nüssen“, die es auf dem Weg zu einer erfolgreichen Energiewende noch zu knacken gelte. Doch die Aussagen der verantwortlichen Politiker stimmten ihn optimistisch. Eine der zu knackenden Nüsse sei die Gefahr, dass Deutschland durch hohe Energiekosten im Konkurrenzkampf mit anderen Staaten das Nachsehen habe. Der Ulmer IHK-Präsident sieht gar die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere im Vergleich mit den USA bedroht.

Auch Ministerin Aigner betonte: „Der Strompreis ist viel zu hoch.“ Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dürfte nicht weiter steigen. Die Unternehmen seien an der Belastungsgrenze angelangt. Zumindest nachdenken müsse man darüber, ob man Kostensteigerungen bei der Energiewende mit Einnahmen aus der Stromsteuer abfedern könne.

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02.10.2015

Das AKW Gundremmingen ist (bald, und wenn wir uns anstrengen auch sofort!) für die Stromversorgung überflüssig. Dies bestätigt sogar Bayerns Ministerin Aigner.

Peinlich weiter die IHK von Augsburg/Schwaben und Ulm. Verdeckt wollen sie eigentlich für eine erneute Laufzeitverlängerung des AKW Gundremmingen werben.

Empörend auch, dass bei diesem von den IHKs initiierten baden-württembergisch-bayerischen Stromgipfel nicht über den Atommüll gesprochen wurde. Und dabei lagert im nur 32 km vom Veranstaltungsort des Stromgipfels entfernten Gundremmingen so viel Atommüll, dass man damit alle Menschen unserer Erde todbringend verstrahlen kann. Und das gefährlich oberirdisch. Und die zwei IHK wie auch die Länder Baden-Württemberg und Bayern haben diese Atommüllproduktion gewollt und gefördert.

Wenn wir uns anstrengen, können wir sofort in Gundremmingen die Atommüllproduktion beenden und das AKW abschalten! Dann laufen klimaschädliche Gas- und Kohlekraftwerke vermehrt. Wenn wir uns anstrengen und ernsthaft Strom sparen sowie PV und Windkraft schwungvoll ausbauen, sowie begleitend Stromleitungen und Speicher bauen, wird schnell der Betrieb dieser Kraftwerke und die Freisetzung der Treibhausgase wieder verringert!

Raimund Kamm

www.atommuell-lager.de

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