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Verkehr

20.09.2019

Wie der B17-Ausbau Autofahrer und Anwohner entlastete

Dieses Foto mit Blick von Süden auf Klosterlechfeld zeigt den Bau der B17, die vor zehn Jahren eröffnet wurde.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Vor genau zehn Jahren wurde das letzte vierspurige Teilstück von Klosterlechfeld bis Landsberg freigegeben. Welche Erkenntnisse die Zahlen der Polizei liefern.

All jene Augsburger, die regelmäßig in die Berge zum Wandern oder Skifahren fuhren, werden es längst verdrängt, aber nicht vergessen haben: Stoßstange an Stoßstange, oft nur im Schritttempo ging es abends heimwärts voran, von Landsberg durch die Kauferinger Bahnunterführung, an Kolonie und Rasthaus Hurlach vorbei und dann bei Klosterlechfeld – endlich – auf die vierspurig ausgebaute B17. Dieser Tage gilt es ein „Jubiläum“ zu feiern: Vor zehn Jahren wurde auch das letzte Teilstück der neuen B17 zwischen Klosterlechfeld und Landsberg für den Verkehr freigegeben.

Von Augsburg bis zum Landsberger Kreisel in 20 Minuten

Es sind genau 15,5 Kilometer, die vor allem für die vom Verkehr geplagten Kauferinger, Hurlacher und Iglinger eine spürbare Entlastung von Lärm und Abgasen brachten. Vor der Fertigstellung des 70 Millionen Euro teuren Projekts, für das bereits in den 1990er-Jahren die Planungen anliefen, staute sich der Verkehr in Kaufering und Landsberg zu Stoßzeiten und in den Nachbarorten mussten die Anwohner den Ausweichverkehr ertragen. Heute brauchen Autofahrer zum Beispiel vom Messezentrum im Augsburger Süden für die rund 35 Kilometer bis zum großen Kreisverkehr an der A96 im Normalfall gut 20 Minuten.

Manchmal dauert es aber auch mal länger, denn der Verkehr wird immer dichter. Bei Untermeitingen/ Lagerlechfeld gibt es eine offizielle Zählstelle. Nach der Fertigstellung der kompletten B17 waren dort pro Jahr knapp 30.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. 2018 registrierte die Bayerische Straßenbauverwaltung bereits 37.000 Fahrzeuge am Tag, davon waren rund sieben Prozent Schwerlastverkehr. Das Gesamtaufkommen stieg seit 2011 um rund 24 Prozent.

Wie der B17-Ausbau Autofahrer und Anwohner entlastete

Fünf Menschen starben auf der neuen Strecke

Zugenommen hat auch die Belastung für die Rettungskräfte. „Die Iglinger Feuerwehr hat seit der Freigabe deutlich mehr Einsätze“, berichtet Bürgermeister Günter Först. Das hat seinen Grund: Im Iglinger Bereich sind zwei lang gezogene Kurven, die als unfallträchtig gelten. Laut Rolf Enge von der Landsberger Polizei ereigneten sich seit der Eröffnung des Abschnitts 148 Unfälle mit Verletzten: Fünf Menschen starben und 218 wurden teils schwer verletzt.

Besonders tragisch war ein Unfall im Jahr 2010, als ein Auto ein Fahrzeugteil überfuhr, das nach einem Unfall auf der Gegenfahrbahn herübergeschleudert war. Der Fahrer verlor die Kontrolle, der Wagen überschlug sich – zwei Menschen starben. Später kamen zwei Motorradfahrer ums Leben. Der bislang letzte tödliche Unfall ereignete sich 2013: Ein Kleintransporter geriet bei Hurlach ins Schlingern und vor einen Lkw. Beide rutschten auf die Böschung. Der Beifahrer des Transporters wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und überrollt.

Obwohl immer mehr Autos fahren: Die Unfallzahlen schwanken

Und wie sehen die Unfallzahlen angesichts der Verkehrszunahme auf der B17 nach Norden bis zur A8 aus? Michael Klein vom Sachgebiet Verkehr des Polizeipräsidiums in Augsburg berichtet von schwankenden Zahlen: 2011 wurden 411 Unfälle registriert, 2018 waren es 563. In den Jahren dazwischen gab es Ausreißer nach unten wie auch nach oben mit fast 600 Karambolagen. Die Zahl der Verletzten erreichte mit 175 im Jahr 2016 einen Höchststand – vor knapp zehn Jahren waren es noch 100 im schwäbischen B-17-Bereich. Zuletzt wurden 117 Verletzte gezählt. Acht Menschen wurden seit 2011 auf der B17 getötet. Viermal kam ein Autofahrer von der Straße ab, zweimal übersahen Kraftfahrer ein Stauende. Der bislang letzte tödliche Unfall ereignete sich 2018, als ein Motorradfahrer stürzte und in die Leitplanke prallte.

Ein großes Thema bei den Autofahrern sind die Tempokontrollen auf der B17 – oft beim Parkplatz Hurlacher Heide und vor dem großen Kreisel zur A96. Dort war der „Spitzenreiter“ mit 148 Stundenkilometern unterwegs – bei erlaubten 80. Die Tendenz ist laut Enge aber positiv: „Die Überschreitungen haben in den beiden vergangenen Jahren stark abgenommen.“ Trotzdem gab es zuletzt im Landsberger Stadtrat Überlegungen, dort einen stationären Blitzer aufzustellen – was aber verworfen wurde.

Unfälle auf schneeglatter Straße führten dazu, dass Kaufering auf dem kurvenreichen Abschnitt ein Tempolimit von 130 forderte – vergeblich. Damals kam auch die Frage auf, ob der Flüsterasphalt an der Unfallserie schuld sein könnte. Den hatte die Marktgemeinde 2011 für eine halbe Million Euro auf eigene Kosten aufbringen lassen, um die Lärmbelastung für die Bürger im Westen Kauferings zu mindern. Auf Höhe Hurlach gibt es keine Beschränkung – es sei denn, dort finden Kontrollen des Schwerlastverkehrs statt. Dann wird ein Tempolimit auf den Anzeigetafeln am Straßenrand angezeigt.

Polizei wagt erste Aussagen zur Wirksamkeit der Schilderbrücken

Seit gut einem Jahr ist nun zwischen Königsbrunn und Augsburg auf dem meist befahrenen Abschnitt eine variable Tempoanzeige in Betrieb. Verkehrsexperte Klein vom Polizeipräsidium sagt, dass es für eindeutige Aussagen zur Wirksamkeit noch zu früh sei. Doch „vorsichtige Feststellungen“ seien möglich: Demnach ist die Anzahl der Unfälle gegenüber 2017 (jeweils in den ersten sieben Monaten) um rund 30 Prozent auf 98 zurückgegangen. Im vorigen Jahr gab es deutlich weniger Verletzte. Betrachte man nur die Unfälle, deren Ursache zu hohes Tempo war, sei ebenso ein Rückgang von über 20 Prozent zu verzeichnen.

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