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Bundeswehr

18.10.2011

Angst vor der Kasernen-Schließung in Region

Welche Kaserne wird geschlossen? Im Zuge der aktuellen Bundeswehr-Reform könnten in Bayern bis zu 12000 Stellen abgebaut werden. Auch in der Region sind Standorte in Gefahr.
Bild: dpa

Nächste Woche wird entschieden, welche Standorte dicht gemacht werden. Auch in der Region droht so mancher Einrichtung das Aus – oder zumindest ein Aderlass.

In Bayern arbeiten nach Angaben der Bundeswehr derzeit rund 49000 Soldaten und Zivilbeschäftigte an insgesamt 68 Standorten. Im Zuge der Bundeswehrreform könnten zwischen 10000 und 12000 Stellen abgebaut werden, vermuten Experten. Anfang kommender Woche soll die Entscheidung fallen. Erste Gerüchte sickern bereits durch. Aber Verteidigungsminister Thomas de Maizière lässt sich bislang noch nicht in die Karten blicken. Auch in der Region droht einigen Kasernen das Aus. Unsere Redakteure geben einen Überblick und eine Einschätzung.

Altenstadt

In der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau) ist die Luftlande- und Lufttransportschule stationiert. Der Standort sei ein Paradebeispiel für das immer wichtiger werdende Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer, heißt es. Dennoch geht die Angst um, die Luftlande- und Lufttransportschule könnte Opfer der Bundeswehrreform werden.

Dillingen

Die Donaustadt hat eine Garnisonsgeschichte, die 330 Jahre zurückreicht. In der Luitpoldkaserne sind das Führungsunterstützungsregiment 92 und das Führungsunterstützungsbataillon 292 stationiert. Beide Einheiten haben eine Sollstärke von zusammen rund 1000 Mann. Örtliche Politiker befürchten, dass eine Schließung durchaus diskutiert wird, und sammelten über 11150 Unterschriften für den Erhalt. Allerdings ist die Stadt schon bei früheren Reformen nur knapp der Schließung ihrer Kasernen entgangen und insofern potenzieller Streichkandidat. Beobachter vermuten, dass das Regiment abgezogen wird, das Bataillon bleibt.

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Donauwörth

Für den Bundeswehr-Standort Donauwörth hat die spannendste Phase begonnen, seit Soldaten auf dem Schellenberg stationiert sind. Das Bataillon für Elektronische Kampfführung 922 (EloKaBtl 922) ist 1959 unter dem Namen Fernmeldeaufklärungsbataillon 220 gegründet worden und seit über 42 Jahren in der Alfred-Delp-Kaserne untergebracht, für die rund 45 Millionen Euro nötig wären, um sie wieder in einen zeitgemäßen Zustand zu bringen. Die elektronische Aufklärung, welche die rund 1000 Soldaten derzeit unter anderem im Dauereinsatz im Kosovo (seit 1999) und in Afghanistan (seit 2011) betreiben, ist zwar bei militärischen Aufträgen eigentlich nicht mehr wegzudenken, dennoch ist die Zukunft des Standorts Donauwörth unsicher.


Infos zu den Bundeswehr-Standorten in der Region.

Füssen

Die Beteiligten blicken der Entscheidung relativ gelassen entgegen. Denn in Füssen ist eine millionenschwere Aufwertung des Standorts im Gang: Rund 32 Millionen Euro werden in die Allgäu-Kaserne gesteckt. Dass die Handwerker hinterm Kasernenzaun Hochkonjunktur haben, bewerten heimische Politiker als positives Signal für die Zukunft der Kaserne mit 1550 militärischen und 109 zivilen Beschäftigten. Hinzu kommt laut Insidern, dass die in Füssen beheimateten Einheiten des Gebirgslogistikbataillons und des Gebirgsaufklärungsbataillons bei der Neuausrichtung der Bundeswehr sehr gefragt sind, da Soldaten aus Füssen in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz sind.

Ingolstadt

Die Donaustadt könnte die Bundeswehrreform unbeschadet überstehen, vielleicht sogar als Gewinner daraus hervorgehen. Nach Informationen aus der Bundeswehr-Führung könnte die Pionierschule, gerade erst für 110 Millionen Euro saniert, sogar noch durch eine weitere Fachabteilung gestärkt werden. Und auch die Zukunft des Gebirgspionierbataillons 8 sei gesichert, wenngleich es wohl zu einer Namensänderung kommen werde. Das Kreiswehrersatzamt soll künftig sogar für ganz Süddeutschland zuständig werden. Weniger gut sind die Prognosen für das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (BWDLZ): Dort befürchtet man, zum Reformverlierer zu werden. Das BWDLZ ist zuständig bis Franken, hat 790 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro. Insgesamt sind in der Region Ingolstadt knapp 6500 Soldaten und 2500 zivile Mitarbeiter stationiert.

Kaufbeuren

Als wahrscheinlich gilt, dass die Technische Schule der Luftwaffe (TSLW)) 1 in Kaufbeuren und die TSLW 3 in Faßberg (Niedersachsen) unter ein Kommando mit Sitz in Faßberg gestellt werden. Fraglich ist, ob damit ein langsames Sterben des Kaufbeurer Fliegerhorstes einhergeht. Alle Lokal-Politiker kämpfen vehement für den Erhalt des Bundeswehr-Standortes in Kaufbeuren mit 1100 militärischen und zivilen Mitarbeitern. Es gibt beispielsweise Ideen, die unausweichliche Verkleinerung durch ein Ausbildungszentrum für scheidende Berufssoldaten oder sogar russisches ziviles Flugsicherheitspersonal zu kompensieren und damit den Standort langfristig zu stärken.

Kempten

Die Stadt im Allgäu gehört zu den ältesten Militärstandorten Bayerns. Derzeit sind hier 632 Soldaten, 170 Zivilangestellte und 240 Lehrgangsteilnehmer tätig. Die größte Einheit in der Artillerie-Kaserne ist das Gebirgssanitätsregiment 42. Hinzu kommen das Fachsanitätszentrum mit rund 115 sowie das Kreiswehrersatzamt mit 90 zivilen Beschäftigten. Politiker vor Ort setzen sich stark für den Erhalt und den Ausbau der Sanitätseinheit ein. Die Kemptener Einheit ist seit 20 Jahren bei jeder Auslandsmission der Bundeswehr dabei. Als Standortvorteil wird die Erweiterungsmöglichkeit des Areals angesehen.

Lagerlechfeld

In Lagerlechfeld ist das Jagdbombergeschwader 32 stationiert. Zum Standort, an dem 2500 Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten, zählen die Ulrichskaserne, die Lechfeldkaserne, der Fliegerhorst Lechfeld sowie die derzeit ungenutzte Schwabstadlkaserne. Erst 2010 wurden rund 19 Millionen Euro in den Tornado-Standort investiert. Eine Auswertung aller militärisch genutzten Flugplätze in Deutschland hat ergeben, dass das Lechfeld auf Platz zwei der Rangliste mit den besten Wetter- und Sichtbedingungen steht. Nach Informationen unserer Zeitung soll das Geschwader auf dem Lechfeld bleiben. Eine offizielle Bestätigung gibt es jedoch nicht.

Landsberg/Penzing

In der Welfenkaserne in Landsberg ist der Stab des sehr stark auf die Zukunft ausgerichteten Waffensystem-Unterstützungszentrums untergebracht. Außerdem beherbergt sie Teile eines Logistikbataillons. Hinzu kommt das Systemzentrum Avionik, eine Programmiereinheit für Tornados und andere fliegende Waffensysteme, die in der Untertageanlage arbeitet. Der Standort könnte langfristig gefährdet sein, wird aber bei der jetzigen Reform kaum tangiert werden. Der Fliegerhorst Penzing ist Heimat des Lufttransportgeschwaders 61 mit rund 1000 Soldaten. Die Auflösung ist bereits beschlossen, als Zeitpunkt wird 2020 bis 2021 genannt. Das LTG 61 ist dazu vorgesehen, die Transall-Restbestände der beiden anderen Geschwader, 62 und 63, zu übernehmen und die letzte Maschine außer Dienst zu stellen.

Manching

Die Wehrtechnische Dienststelle (WTD) 61 gilt als sicher. Außerdem wollen Verteidigungsexperten den Flugplatz halten, weil er auch für die Privatwirtschaft und vor allem für Cassidian (vorher EADS) von Bedeutung ist. Für die Max-Immelmann-Kaserne in Oberstimm bei Manching sieht es kritischer aus, denn sie gilt als veraltet. Außerdem könnte der Staat dort mit den hohen Immobilienpreisen spekulieren, die im Raum Ingolstadt gelten.

Neuburg/Schrobenhausen

In Neuburg ist die Lage relativ entspannt. Hier gibt es die Wilhelm-Frankl-Kaserne, deren Soldaten unabdingbar sind für den Militärflugplatz in Neuburg-Zell. Dort wurden über 72 Millionen Euro unter anderem in ein Simulatorgebäude investiert. Die Eurofighter gelten als ungefährdet, denn Neuburg ist die Heimat einer sogenannten deutschen Alarmrotte, die im gesamten europäischen Luftraum und darüber hinaus bei Luftkrisen zum Einsatz kommt. In Schrobenhausen befindet sich die MBB-Güteprüfstelle über deren Zukunft nichts bekannt ist.

Sonthofen

Nach dem Verlust der Schule für Feldjäger und Stabsdienst sowie des traditionsreichen ABC-Abwehrbataillons 210 bei früheren Reformen ist Sonthofen noch Sitz der ABC- und Selbstschutzschule. Diese soll eigentlich von der Jäger- in die Generaloberst-Beck-Kaserne umziehen, die dazu bis Ende 2014 für rund 100 Millionen Euro umzubauen wäre. In erste Maßnahmen wurden bereits zehn Millionen Euro investiert. Nun fürchtet mancher, man wolle sich den teuren Umbau sparen – und am Ende gar die ABC-Abwehr an einem neuen Zentralstandort zusammenfassen. In der dritten Sonthofener Kaserne, der Grüntenkaserne, sind die Sportfördergruppe und weitere ABC-Abwehreinheiten stationiert. Insgesamt sind in Sonthofen 707 Soldaten, 233 zivile Mitarbeiter stationiert.

Ulm

In der Diskussion ist vor allem das Kommando Operative Eingreifkräfte in der Wilhelmsburg-Kaserne. Die Weise-Kommission hat in ihrem Bericht vorgeschlagen, das Kommando aufzulösen. Der Befehlshaber, Generalleutnant Markus Bentler, äußerte sich dennoch mehrfach optimistisch, dass der Standort Ulm erhalten bleibt. Dem Kommando gehören 275 spezialisierte Soldaten aus Heer, Luftwaffe, Marine und Sanitätsdienst an. Hinzu kommt ein Unterstützungsbataillon mit 730 Soldaten.

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