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Landkreis Landsberg

17.09.2019

Zehn Jahre vierspurige B17: Von Unfällen und Rasern im Landkreis Landsberg

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Am 17. September 2009 wurde die neue B17 zwischen Landsberg und Klosterlechfeld für den Verkehr freigegeben
Bild: Thorsten Jordan

Plus Heute vor zehn Jahren wurde der neue, vierspurige Streckenabschnitt der B17 zwischen Landsberg und Klosterlechfeld freigegeben. Welche Bilanz die Polizei zieht.

Vor zehn Jahren wurde die neue B17 zwischen Landsberg und Klosterlechfeld für den Verkehr freigegeben. Es sind 15,5 Kilometer, die vor allem für die vom Verkehr geplagten Kauferinger, Hurlacher und Iglinger eine spürbare Entlastung brachten. Vor der Fertigstellung des 70-Millionen-Euro teuren Projekts staute sich der Verkehr in Kaufering und Landsberg zu Stoßzeiten und die Bürger der Nachbargemeinden kämpften mit dem Ausweichverkehr, wenn es auf der häufig überlasteten Bundesstraße mal wieder nicht voranging.

Hurlachs Bürgermeister Wilhelm Böhm verweist im Gespräch mit dem LT auf die Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen, um die Bedeutung des Neubaus zu unterstreichen. Die Behörde hat zwar keine Zählstelle auf oberbayerischer Flur, aber direkt angrenzend an der Anschlussstelle Untermeitingen/Klosterlechfeld. Dort kamen im Jahr 2010 – als erstmals Zahlen für ein ganzes Jahr für die neue Straße vorlagen – täglich rund 31.000 Fahrzeuge vorbei. Bei der jüngsten Zählung im Jahr 2016 waren es bereits 38.000. „Auch wenn das Verkehrsaufkommen auf Höhe Klosterlechfeld etwas höher ist als bei uns, bemerken wir auch auf unserer Flur eine stetige Zunahme“, so Böhm.

Es gab einige schwere Unfälle auf der neuen B17

Zugenommen hat laut seinem Iglinger Amtskollegen Günter Först auch die Belastung für die Rettungskräfte. „Die Iglinger Feuerwehr hat seit der Freigabe deutlich mehr Einsätze.“ Laut Polizeihauptkommissar Rolf Enge von der Landsberger Polizei ereigneten sich seit der Eröffnung des Abschnitts 148 Unfälle mit Personenschaden, bei denen fünf Menschen starben und 218 teils schwer verletzt wurden.

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Bei einem Unfall im Jahr 2010 starben auf Iglinger Flur zwei Insassen eines Autos und eine weitere Person wurde schwer verletzt. Der Pkw überfuhr damals ein Fahrzeugteil, das nach einem vorangegangenen Unfall auf die Gegenfahrbahn geschleudert worden war. Dadurch wurde ein Reifen beschädigt. Der Fahrer verlor die Kontrolle und überschlug sich mit seinem Wagen. Im Jahr 2011 ereigneten sich bei Igling zwei schwere Motorradunfälle. Bei einem wurde die Sozia vom Motorrad geschleudert und tödlich verletzt, beim zweiten Unfall touchierte der Motorradfahrer die Leitplanke, stürzte und starb. Der bislang letzte tödliche Unfall ereignete sich 2013. Der Fahrer eines Kleintransporters geriet auf Höhe von Hurlach beim Spurwechsel ins Schlingern und fuhr vor einen Lkw. Beide Fahrzeuge kamen von der Fahrbahn ab und rutschten auf die Böschung. Der Beifahrer des Transporters wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und von dem nachfolgenden Lastwagen überrollt.

Für einige Raser kam es doppelt hart

Ein großes Thema bei den Autofahrern sind die regelmäßig stattfindenden Geschwindigkeitskontrollen auf der B17 beim Parkplatz Hurlacher Heide und kurz vor dem Großen Kreisverkehr am Ende der Ausbaustrecke. Vor dem Kreisel war der „Spitzenreiter“ mit 148 Kilometern pro Stunde unterwegs, sagt Rolf Enge. Erlaubt sei Tempo 80. „Die Überschreitungen haben in den beiden vergangenen Jahren stark abgenommen. Teils verstoßen weniger als drei Prozent der gemessenen Fahrzeuge gegen das Tempolimit.“

Auf Höhe Hurlach gibt es eigentlich keine Beschränkung, es sei denn, dort finden Kontrollen des Schwerlastverkehrs statt. Dann wird auch eine Beschränkung auf den Anzeigetafeln am Straßenrand angezeigt und teils das mobile Blitzgerät aufgebaut. „Hier wurden Fahrer mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde erwischt“, so Verkehrssachbearbeiter Enge. Der Bußgeldkatalog sehe in diesem Fall ein Fahrverbot von ein bis drei Monaten vor. Da die zulässige Geschwindigkeit mehr als doppelt so hoch war wie erlaubt, sei das Bußgeld verdoppelt worden, da die Zentrale Bußgeldstelle von Vorsatz ausgehe. Mit Gebühren und Auslagen seien dann mehr als 850 Euro fällig.

Ein kleines Schild beschäftigte schon das Innenministerium

Mehrere Unfälle auf schneeglatter Straße führten zudem dazu, dass die Marktgemeinde Kaufering 2012 auf dem kurvenreichen Abschnitt zwischen Landsberg und Hurlach ein Tempolimit von 130 forderte. Durchsetzen konnte sich die Kommune aber nicht. Damals kam auch die Frage auf, ob der neue Flüsterasphalt an der Unfallserie schuld sei. Die Gemeinde hatte diesen 2011 für eine halbe Million Euro auf eigene Kosten aufbringen lassen, um die Lärmbelastung für die Bürger im Westen Kauferings zu mindern.

Ein kurioser Streit rund um die B17 hat auch schon das Innenministerium beschäftigt. Grund war ein Schild auf Höhe Hurlach. 2011 gab es einen Behördenstreit zwischen Landratsamt, Staatlichem Bauamt und Regierung von Oberbayern. Anlass war ein Hinweisschild auf das an der Tankstelle erhältliche Flüssiggas. Das Bauamt wollte die Anordnung des Landratsamtes, das Schild aufzustellen, nicht ausführen. Die Regierung entkräftete den Bescheid des Landratsamtes. Am Ende schritt Minister Joachim Hermann ein und erteilte die Erlaubnis.

Lesen Sie auch den Kommentar: Die neue B17 ist eine Wachstumsachse

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