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Landkreis Augsburg

12.10.2018

Der Fuggerexpress fährt hinterher

Die Nutzer des Fuggerexpresses haben durchaus Grund zur Klage, jeder zehnte Zug im Augsburger Land ist verspätet.
Bild: Marcus Merk

Plus Ein Qualitätsbericht offenbart: Jeder zehnte Pendler-Zug kommt zu spät. Eine andere Linie im Augsburger Land kann dagegen mit Pünktlichkeit punkten.

Was für ein Timing: Während der Augsburger Verkehrsverbund AVV der Kundschaft eine 3,9-prozentige Preiserhöhung ankündigt, hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ihre neue Qualitätsdokumentation herausgebracht. Diese besagt: Bahnkunden fahren in den Regionalzügen zwischen Donauwörth und Augsburg sowie Dinkelscherben und Augsburg vergleichsweise schlecht. Besser sieht es dagegen auf der Kneipp-Lechfeld-Bahn aus, die Bobingen und Schwabmünchen sowie die Lechfeldgemeinden mit Augsburg verbindet. Die Bahnlinien bilden das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis Augsburg.

In ihrem Qualitätsranking bewertet die Bayerische Eisenbahngesellschaft alle bayerischen Regionalzüge. So wird auch an einzelnen Bahnhöfen die Pünktlichkeit gemessen. Im nördlichen und westlichen Landkreis liegen diese Messstellen in Meitingen und Gessertshausen. Dort war die Pünktlichkeit 2017 schlechter als im bayerischen Durchschnitt, nach dem 92,8 Prozent der regionalen Züge pünktlich waren. Die wichtigste Drehscheibe in der Region, der Augsburger Hauptbahnhof, erreichte diesen Wert. Mit anderen Worten: Fast jeder zehnte Regionalzug war auch dort unpünktlich, und diese Schwäche in einer Kerndisziplin ist laut Qualitätsbericht die Achillesferse des Fuggerexpress, der durch den Landkreis als regionale S-Bahn via Augsburg nach München fährt.

Kein Spitzenplatz für den Fuggerexpress

Nur 90 Prozent der Fuggerexpress-Züge sind pünktlich, vor allem zwischen Augsburg und München hapert es. „Nicht zufriedenstellend“, sagt die BEG. Seit dem Frühjahr 2017 soll unter anderem der Einsatz zusätzlicher Lokführer am Hauptbahnhof München dafür sorgen, dass die Fugger-Express-Züge wieder schneller auf die Reise gehen. Zusammengenommen reichen die Ergebnisse des Qualitätsberichts, der sich unter anderem auch mit der Ausstattung der Züge und dem Service durch das Personal befasst, für den Fuggerexpress zu keinem Spitzenplatz. Unter 28 bayerischen Regionalzug-Netzen kommt er auf Rang 18. Dabei bescheinigen die Prüfer dem Express insgesamt ein verbessertes Angebot.

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Deutlich vorgearbeitet hat sich in der Rangliste dagegen die Kneipp-Lechfeld-Bahn. Für sie ging es von Platz 20 hoch auf Rang zwölf. Die Dieseltriebwagen erreichen auf den Strecken Augsburg - Landsberg am Lech und Augsburg - Bad Wörishofen eine im bayernweiten Vergleich gute Pünktlichkeit. An den Messpunkten Bobingen und Kaufering ist sie überdurchschnittlich gut, in Buchlose entsprechen die Werte dem bayerischen Durchschnitt.

Seit 1998 misst die die BEG die Pünktlichkeit der Züge. In ganz Bayern gibt es rund 100 Messstellen. Weitere Instrumente der Qualitätskontrolle sind Testkunden sowie zweimal im Jahr Fahrgastbefragungen. Dabei wird eine umfangreiche Liste an Leistungen abgefragt: Züge und Zugausstattung, Personal, Bahnhöfe oder das Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Bilanz des Qualitätsberichts fällt gemischt aus

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, zieht auch für den bayerischen Regionalverkehr insgesamt eine gemischte Bilanz: Während es weniger Zugausfälle gibt und sich Service und Komfort verbessert haben, wirken sich unter anderem infrastrukturbedingte Störungen, Baumaßnahmen sowie Kapazitätsengpässe bei der Schieneninfrastruktur negativ auf die Pünktlichkeit aus. Verschlechtert hat sich auch die Quote der erreichten Anschlusszüge. Johann Niggl, Sprecher der Geschäftsführung: „Die rückläufige Pünktlichkeit aufgrund von Infrastrukturstörungen wird zunehmend zum Sorgenkind.“

Im nördlichen und westlichen Landkreis Augsburg wird seit Jahrzehnten der Ausbau der Bahnstrecken („Drittes Gleis“) gefordert. Eine konkrete Aussicht auf Erfolg besteht bislang nur zwischen Augsburg und Dinkelscherben. Allerdings gibt es für das im Bundesverkehrswegeplan verankerte Projekt bislang weder einen Zeit- noch Kostenplan. Für die Gleise im Süden gibt es langfristige Überlegungen für eine Elektrifizierung. Konkret ist aber nichts.

Übrigens: Wer im Augsburger Land auf seinen Zug warten muss, ist auch nicht unbedingt gut aufgehoben. Bei der Bewertung der Bahnhöfe bekamen alle geprüften Stationen ein „Befriedigend“. Bis auf einen Halt: Dort hieß es „unbefriedigend.“

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