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Horgau

18.11.2016

Faire Fußbälle für Horgauer

Bei der Feier, auf der Horgau als Fairtrade-Kommune ausgezeichnet wird, kann man einen fairgehandelten Fußball mit Unterschriften der FCA-Profis gewinnen. Die Eine-Welt-Promotorin Felizitas Smith aus Augsburg hat die Fußballer, darunter Halil Altintop, nach dem Training unterschreiben lassen.
Bild: Felizitas Smith

Der Ort wird Fairtrade-Gemeinde. Dabei geht es nicht nur um Kaffee und Schokolade, sondern auch um Kinderarbeit.

Welche Konsequenzen hat mein Konsum? „Viele Menschen denken darüber nicht nach“, sagt Anja Dördelmann. „Keiner will Massentierhaltung und kauft dann doch das Hackfleisch vom Discounter.“ Dördelmann sitzt für das Bündnis Umwelt im Horgauer Gemeinderat und war maßgeblich daran beteiligt, dass Horgau nun als Fairtrade-Gemeinde ausgezeichnet wird. „Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann wird einem die ganze Unverhältnismäßigkeit des Lebens bewusst“, sagt sie. Dabei gehe es nicht nur um Kleinbauern und Arbeiter am anderen Ende der Welt, die ausgebeutet werden. „Auch bei uns werden in der Landwirtschaft die Kleinen kaputtgemacht.“

In Horgau machen sich engagierte Ehrenamtliche darüber Gedanken, wie das Leben ein bisschen gerechter werden kann. Sie haben seit 2014 intensiv darauf hingearbeitet, Fairtrade-Gemeinde zu werden. „Das ist für einen kleinen Ort viel schwieriger als für eine Stadt“, betont Dördelmann. Im Umkreis sind mit Augsburg, Stadtbergen, Bobingen, Wertingen, Dillingen, Günzburg und Pöttmes auch nur deutlich größere Orte zertifiziert. Doch die Horgauer haben es geschafft: Sie haben alle Kriterien erfüllt. Am Samstag, 26. November, bekommen sie auf dem Christkindlmarkt das offizielle Zertifikat. Das Thema fairer Handel ist im Ort in vielen Bereichen präsent. Einige Beispiele:

Fußball: Was viele nicht wissen: Arbeiter nähen Fußbälle in Pakistan für einen Hungerlohn; oft müssen sogar Kinder schuften. Doch es gibt auch Fairtrade-Fußbälle, die ohne Kinderarbeit entstehen. Die Arbeiter bekommen dafür so viel Geld, dass sie ihre Familie ernähren und die Kinder in die Schule schicken können. 30 solcher Bälle bekommt die Horgauer Fußballjugend. Jeder kostet 25 Euro, ungefähr genauso viel wie andere Trainingsbälle. Dazu gibt es noch einen ganz besonderen Ball: Die Fußballprofis vom FCA haben darauf unterschrieben. Er wird bei der offiziellen Feier verlost.

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Vereine: Die Feuerwehr packt heuer Säckchen mit fair gehandelten Schoko-Nikoläusen. „Die kosten zwar etwas mehr, aber das lässt sich wieder einsparen, wenn man keine Mandarinen dazu kauft, sondern heimische Äpfel aus dem Garten“, sagt Dördelmann. Der Frauenbund und der Gartenbauverein schenken nur noch fair gehandelten Kaffee aus. Doch es geht nicht nur um die Nutzung fairer, sondern auch regionaler und saisonaler Lebensmittel. Deshalb gibt es beim Gartenbauverein zum Beispiel keinen Apfelsaft aus Konzentrat, sondern von heimischen Obstwiesen; und bei Festen wird darauf geachtet, wo das Fleisch herkommt.

Kinder: Schokolade ist für Kinder ein anschauliches Thema. Im Ferienprogramm und in der Schule haben sie sich damit beschäftigt. „Den Kleinen ist immer ganz schnell klar, wie ungerecht es ist, wenn Kinder arbeiten müssen und deshalb nicht in die Schule können“, sagt Dördelmann. „Erwachsene erreicht man viel schwerer.“

Rathaus: Im Rathaus wird nur noch fairer Kaffee mit fairem Zucker getrunken. Außerdem sind die Präsentkörbe, die zum Beispiel an Jubilare verschenkt werden, mit Produkten aus fairem Handel gefüllt. Die besorgt Margit Uhr, die auch den Verkauf von Eine-Welt-Waren nach den Sonntagsgottesdiensten organisiert, den es in Horgau schon lange gibt.

Handel: „Dieser Punkt ist für kleine Gemeinden der schwierigste“, betont Dördelmann. Denn für eine Zertifizierung musste Horgau zwei Geschäfte nachweisen, in denen man Fairtrade-Produkte kaufen kann. Der örtliche Netto hat zwar solche Waren im Sortiment, einen zweiten Laden gibt es aber nicht. Doch die Horgauer haben einen Weg gefunden: Beim Bauernmarkt, der einmal im Monat in der Ortsmitte stattfindet, bietet der Gartenbauverein nun Weltladen-Produkte an.

Mit der offiziellen Auszeichnung ist der Weg zur Fairtrade-Gemeinde noch nicht zu Ende. Am Samstag, 3. Dezember, gibt es auf dem Bauernmarkt ein faires Adventsfrühstück. Und der Traum der Steuerungsgruppe wäre, eine Art Städtepartnerschaft zu einem Dorf in einem Entwicklungsland aufzubauen.

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