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Dablecka in Burgau

08.03.2020

Corona-Abwehrmittel beim GZ-„Starbierfescht“ in Burgau

Ganz lässig, einfach cool: Bruder Baderbas kann auch in Jugendsprache den Politikern die Leviten lesen. Sonnenbrille und Baseball-Kappe dürfen dabei nicht fehlen. Ein technisches Problem mit einem Einspieler überbrückte er übrigens so souverän, als sei es Teil des Programms gewesen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Eine Woche vor den Kommunalwahlen nimmt sich Bruder Baderbas alias Karl Bader bei der Benefizveranstaltung für die Kartei der Not wieder die Politiker vor.

Die Berlin-Fraktion war am Samstagabend in Burgau ordentlich vertreten mit den beiden Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein (Münsterhausen, CSU) und Karl-Heinz-Brunner (Illertissen, SPD), der das Wochenende „nur wegen des Starkbierfests“ in der Heimat verbracht hat. „Und wegen meiner Frau“, fügte er schmunzelnd an, die neben ihm in der Kapuziner-Halle stand, als er sich zu dieser Aussage hinreißen ließ. Aber Moment! Haben Sie’s gemerkt? So fing schon einmal ein Artikel über das Starkbierfest der Günzburger Zeitung an, und zwar im vergangenen Jahr. Warum jetzt schon wieder? Nun, was Bruder Baderbas kann, können wir auch – er begann seine Rede heuer so wie die 2019. Und das war ihm völlig gleich. „Die Politiker erzählen doch auch ständig das gleiche“, meinte er, natürlich auf Schwäbisch statt Hochdeutsch. Die zwei Abgeordneten waren übrigens dieses Mal nicht gekommen.

Dafür waren unter anderem alle fünf Landratskandidaten im Saal: Luise Bader (SPD), Max Deisenhofer (Grüne), Gerd Mannes (AfD), Hans Reichhart (CSU) und Rudolf Ristl (Linke). Und das trotz der Corona-Gefahr. Wobei: Den Starkbierbruder juckt’s jedes Jahr nach dem Faschingsumzug in Knöringen an der Lippe, wenn das Cnoronia-Virus wieder zuschlägt. Und trotzdem ist er immer dabei.

"Partyanimal" Hubert Hafner und die Jugendsprache

Während im Fasching viele junge Leute am Start sind, gibt es diesbezüglich beim Starkbierfest Nachholbedarf. Dabei hat der Bruder dieses Mal doch extra einen Teil seiner Rede in der Jugendsprache gehalten – ausgestattet mit Sonnenbrille und Flexibus-Baseball-Kappe. „Ey Allder – Starbierfescht – i feire des grad voll ab hier“, meinte er. „Von wegen Gammelfleischparty.“ Dem „Partyanimal“ Hubert Hafner, also dem scheidenden Landrat, schien’s zu gefallen, auch wenn er nicht jeden Teil der jugendlichen Sprache verstand. Vielleicht wäre es ja eine Aufgabe für Burgaus Jugendreferenten, für einen sinkenden Altersschnitt und somit für eine Generationenverständigung beim Starkbierfest zu sorgen. Aber „so wie die (Jugendlichen) von der Politik ignoriert werden, so ignorieren sie praktisch zurück. Was meinen Sie, wie viel Prozent der Jugendlichen hier wissen, wie der örtliche Jugendreferent heißt? Falls er existiert“, frotzelte Bruder Baderbas.

Corona-Abwehrmittel beim GZ-„Starbierfescht“ in Burgau
Zum Starkbierfest gehören nicht nur der Fassanstich, die Rede und die Musik, sondern auch gute Gespräche. Dazu hatten die Gäste in der Burgauer Kapuziner-Halle reichlich Gelegenheit.
Bild: Bernhard Weizenegger

Bei vielen Themen legte er den Finger in die Wunde, sei es beim Internetbestellwahn und dem dadurch mitbedingten Ausbluten der Innenstädte – wofür er viel Applaus erhielt – oder dem Tempolimit auf Autobahnen. Aber nicht bloß auf der A8 kracht’s ständig, sondern auch im Kreisel beim Burgauer Stadtteil Limbach. Die hiesige Band 8872 mit Hermann Skibbe an der Spitze, der wieder die Starkbierrede geschrieben hatte, widmete ihm ein Lied. Zur Melodie von „Santa Maria“ sang sie etwa „Kreisverkehr Limbach, Insel die aus Träumen geboren, ich hab die Kontrolle verloren, über mein geleasten BMW.“

Bravorufe und viel Applaus für Kritik an der AfD

Ganz still im Saal wurde es dann, als sich Bruder Baderbas die AfD vornahm. Zitate von Björn Höcke wie „vollständiger Sieg“, „tausendjährige Zukunft“, „Volkstod durch Bevölkerungsaustausch“ oder „entartete Altparteien“ warf er in den Raum und mutmaßte, ob vielen AfD-Wählern gar nicht bewusst ist, wen sie da wählen und was die „verzapfen“. Und Hanau? Das war die ,Tat von einem gestörten Wahnsinnigen‘, zitierte er wieder – und ergänzte: „Richtig. So wie das Dritte Reich halt auch.“ Bravorufe und viel Applaus erhielt er dafür.

Ansonsten durften Seitenhiebe auf die Landratskandidaten und Bewerber um das Bürgermeisteramt in Jettingen-Scheppach und Burgau nicht fehlen – in der Gastgeberstadt des Starkbierfests war die Einigkeit bei einer Podiumsdiskussion gerade zwischen dem Zweiten Bürgermeister Martin Brenner von der CSU und Amtsinhaber Konrad Barm von den Freien Wählern so groß, dass die Runde „fast schon so eine Art Vorstufe zum Petting“ gewesen sei, meinte der Bruder. Warum Barm übrigens gerne mal Napoleon treffen würde, erschloss sich ihm auch nicht. „Am Ende hat man ihn ja, ich sag’s ungern, verbannt, Herr Barm. Meines Wissens nach auf eine Verkehrsinsel bei Limbach.“

Corona-Abwehrmittel aus Autenried: "Bier ist ja eigentlich eine Medizin"

Wie in den Vorjahren war dem Fastenprediger angesichts der feinsinnigen Seitenhiebe die Begeisterung des Publikums gewiss – am Sonntag gab es die Rede bei einem von der Stadt Burgau veranstalteten Frühschoppen gleich nochmal. Aber auch Autenrieder-Brauereichef Rudolf Feuchtmayr sorgte für Applaus. Denn in der Corona-Hysterie-Zeit kam sein Leonhardibock mit 19 Prozent Stammwürze und 7,8 Prozent Alkoholgehalt gerade recht. „Ein bisschen Alkohol fördert die Abwehrkräfte, Bier ist ja eigentlich eine Medizin“, meinte er und erntete kräftigen Jubel im Saal.

Vier Bürgermeisterkandidaten gibt es in Burgau. Doch die sind sich in so vielem einig, dass eine Symbiose vielleicht die beste Wahl wäre.
Bild: Bernhard Weizenegger

Begeistert waren die Gäste ebenfalls wieder vom Essen des Binderwirts, und zu gewinnen gab es nach der Rede auch etwas beim Quiz von GZ-Redaktionsleiter Till Hofmann. Stephanie Denzler, Alois Hördegen und Karl Reichhardt sicherten sich Preise der Brauerei, nachdem sie Fragen zu Bruder Baderbas’ Worten – mit mehr oder weniger Hilfe – richtig beantwortet hatten.

Eine Lösung für die Bürgermeisterfrage in Burgau?

Eine mögliche Lösung für die Burgauer in der Bürgermeisterfrage zeichnete sich zum Ende dann auch noch ab. Sollten sich die vier Kandidaten nicht einigen können, „dann mach ich es“, warf Dritter Bürgermeister Herbert Blaschke von der FDP/FB-Stadtratsfraktion noch seinen Hut in den Ring.

Lesen Sie hier die Reaktionen von Politikern und Besuchern im Saal:

Viel Lob für Bruder Baderbas von Politikern und Besuchern

Lesen Sie hier mehr zum Kommunalwahlkampf im Kreis Günzburg:

Markige Sprüche, mahnende Worte und geistreiche Wortspiele: Bruder Baderbas philosophierte in seiner Fastenpredigt am 5. Starkbierfest der Günzburger Zeitung in der Burgauer Kapuzinerhalle über Politik und Gesellschaft.
100 Bilder
Das 5. Starkbierfest der Günzburger Zeitung
Bild: Bernhard Weizenegger
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