1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Kriminelle haben es in der Kneippstadt schwer

Bad Wörishofen

23.03.2019

Kriminelle haben es in der Kneippstadt schwer

Copy%20of%20pol-bw.tif
2 Bilder
Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier (rechts) und sein Kollege Michael Scheßl stellten die aktuellen Zahlen vor.
Bild: Alf Geiger

Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier zieht eine durchweg positive Bilanz „in einer der sichersten Regionen in ganz Bayern“.

Thomas Maier kommt viel rum in der Region, bei Bürgerversammlungen und Info-Ständen ist der Bad Wörishofer Polizeichef ein gern gesehener Gast und gefragter Gesprächspartner. Umgekehrt sucht auch Maier den direkten Draht und das persönliche Gespräch mit den Menschen aus dem Zuständigkeitsbereich seiner Polizeiinspektion, also der Stadt Bad Wörishofen und den Gemeinden Türkheim, Ettringen, Rammingen, Markt Wald, Tussenhausen Wiedergeltingen und Amberg.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Dabei erfährt er viel über das „subjektive Sicherheitsgefühl“ in der Bevölkerung – und ist oft überrascht, wie groß die Angst vor Kriminalität ist. Das nehmen die Beamten sehr ernst, auch wenn die nüchternen Zahlen der Kriminalitätsstatistik für diese Region alles andere als Anlass zur Sorge geben. Eher im Gegenteil, freut sich Maier: „Wir leben in einer der sichersten Regionen in ganz Bayern“.

Kein selbstgefälliges Schulterklopfen bei der Polizei in Bad Wörishofen

Einmal im Jahr stellen die Polizeiinspektionen nach dem Innenministerium und den übergeordneten Polizeidienststellen auch die regionalen Zahlen des vergangenen Jahres vor – da überrascht es nicht, dass die Kernaussagen sich dann meist nur in Nuancen von denen der Vorgesetzten unterscheiden. Bayern ist das sicherste Bundesland, der Regierungsbezirk Schwaben einer der sichersten im Freistaat – und das Unterallgäu einer der sichersten Landkreise. Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier weiß das und er ist auch froh darüber, dass es auch in seinem Zuständigkeitsbereich keine nennenswerten Unterschiede zur Gesamtsituation gibt.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Und doch ist es kein selbstgefälliges Schulterklopfen, wenn Maier und sein Stellvertreter Michael Scheßl die aktuellen Zahlen des vergangenen Jahres vorstellen und eine Bilanz ihrer Arbeit ziehen.

1119 kriminelle Straftaten musste die PI Bad Wörishofen 2018 bearbeiten, also nahezu genauso viele wie ein Jahr zuvor (1112). Erfreulich aus Sicht der Polizeioberen: Immerhin 754 dieser Straftaten konnten aufgeklärt werden Das entspricht dann rein rechnerisch einer Aufklärungsquote von 67,4 Prozent (2017: 65,5 %). Ein guter Wert im bayernweiten Vergleich (66,7) – aus Sicht des Bad Wörishofer Polizeichefs aber längst kein Grund zum Jubeln.

Lesen Sie dazu auch: So sicher ist das Unterallgäu

Denn mit dieser Quote liegt „seine“ PI knapp unter dem Landkreisdurchschnitt von 73,2 Prozent. Und das wurmt den Polizeihauptkommissar schon sehr – vor allem, weil er die Gründe dafür nicht verändern kann. Die Mehrzahl der hier aufgelisteten Fälle sind Bagatelldelikte – und die seien nun mal auch durch effektivste polizeiliche Ermittlungsarbeit praktisch nicht zu beeinflussen. Das Ziel bleibe aber, diesen statistischen Wert zu verbessern und „zumindest eine Sieben“ zu erreichen, also mehr als 70 Prozent der Fälle aufzuklären. Bei der Aufklärung schwerer Kriminalitätsdelikte liege die PI Bad Wörishofen ohnehin längst im oberen Bereich, so Maier.

Rauschgift-Plantage bei Bad Wörishofen erinnerte an einen Schrebergarten

Auch in anderen Bereichen sieht Maier durchaus noch „Luft nach oben“: Auf 97 schnellte 2018 die Zahl der Rauschgiftdelikte deutlich nach oben (2017: 68) und in zwei dieser Fälle gelang es den Fahndern, große Mengen an Rauschgift sicherzustellen: einmal war es ein Pfund Marihuana, das Ende Dezember bei einem senegalesischen Asylbewerber sichergestellt wurde. Im September beschlagnahmten die Beamten dann an der Staatsstraße zwischen Bad Wörishofen und Mindelheim, der alten B 18, dann gleich 1,5 Kilo Marihuana. Spielende Kinder hatten die Rauschgift-Plantage zufällig entdeckt – an einer Stelle, die frei einsehbar ist, wundert sich Maier noch heute darüber, dass bis jetzt noch keinerlei Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen sind, die auf die Spur der „Hobby-Gärtner“ geführt haben. Denn tatsächlich bot sich den Ermittlern fast der Eindruck wie in einem Schrebergarten: Gießkanne, Harke, Schaufel – alles war da. Nur von den Tätern fehlt bis heute jede Spur.

Lesen Sie dazu auch: Cannabis entdeckt: Polizei kam kurz vor der Hanf-Ernte

Schnell gefasst werden konnten die mutmaßlichen Täter, die im September im früheren „Kurhotel Raffler“ einen 46-Jährigen zu Tode geprügelt hatten. Die Ermittler verhafteten erst einen 55 Jahre alten Mann, der ebenfalls in dem Haus gewohnt hatte. Anfang Oktober rückte dann nach weiteren Ermittlungen ein Spezialeinsatzkommando in Bad Wörishofen und Mindelheim an und verhaftete zwei weitere Tatverdächtige, einen 33-Jährigen und einen 35 Jahre alten Mann. Das Trio sitzt immer noch in Untersuchungshaft, das Schwurgericht des Landgerichtes Memmingen soll den Fall demnächst verhandeln.

Lesen Sie dazu auch: 46-Jähriger stirbt in ehemaligem Kurhotel: Drei Männer verdächtigt

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren