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Landtagswahl
06.06.2021

Diese fünf Lehren lassen sich aus der Wahl in Sachsen-Anhalt ziehen

Ihm hat die CDU ihr gutes Ergebnis in Sachsen-Anhalt zu verdanken: Ministerpräsident Reiner Haseloff ist bei den Menschen im Land beliebt.
Foto: Frank May, dpa

In Sachsen-Anhalt wird gewählt – und in Berlin zittern die Parteien mit. Denn dieser Sonntag war ein Stimmungstest für die Bundestagswahl. Was die Ergebnisse bedeuten.

Es war eine Landtagswahl, die mit besonderer Spannung erwartet wurde, denn die Abstimmung in Sachsen-Anhalt setzt vier Monate vor der Bundestagswahl deutliche Wegmarken. Fünf Lehren, die aus dieser Wahl gezogen werden können.

1. Die CDU ist besser als sie glaubt Es war wohl die größte Angst innerhalb der CDU – dass das eigene Wahlergebnis unter dem des Jahres 2016 liegt. Denn augenblicklich wäre ein Streit über die künftige Ausrichtung der Partei entbrannt – und um die Frage, ob CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet wirklich der Richtige ist. Wäre die CDU gar noch von der AfD überholt worden, hätte Laschet womöglich noch am Abend zurücktreten müssen. Nun ist seine Position deutlich gestärkt, der überraschend starke Zuwachs an Stimmen in Sachsen-Anhalt rettet ihn. Die angespannten Nerven dürften sich ein wenig lockern. Und in München wird man sich von nun ab zurückhalten müssen mit spitzen Bemerkungen in Richtung Laschet.

Ob es tatsächlich zum Schulterschluss der Schwesterparteien CSU und CDU kommt, bleibt indes ungewiss. Zu tief ist der politische Graben in den vergangenen Monaten ausgeschaufelt worden. Zumindest zu einem deutlichen Teil zu verdanken hat Laschet seine Rettung allerdings dem alten und künftigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff. Viele ostdeutsche Landesverbände hatten sich in der K-Frage zwar für Markus Söder ausgesprochen. Haseloff hat Laschet mit seinem starken Ergebnis nun trotzdem geholfen. Er ist beliebt in seinem Bundesland und konnte so mehr Wähler mobilisieren als erwartet. Das Krisenmanagement der Landesregierung bewerten laut Forschungsgruppe Wahlen 65 Prozent positiv, das der Bundesregierung aber nur 46 Prozent.

CDU-Chef Armin Laschet und Reiner Haseloff können mit der Wahl zufrieden sein.
Foto: Sebastian Willnow, dpa

2. Die SPD dümpelt vor sich hin Kummer ist man in der SPD-Zentrale gewohnt. Noch nicht einmal zweistellig ist das Ergebnis in Sachsen-Anhalt, auf dem vierten Platz landet die Partei und blickt von dort in den politischen Abgrund. Auf 10,6 Prozent kamen die Sozialdemokraten bei der Wahl vor fünf Jahren, schon damals hatte es einen Absturz von 21,5 Prozent gegeben. Wirklich erholt haben sich die Genossen im Land trotz personeller Neuaufstellung davon nicht. Dabei hätte Kanzlerkandidat Olaf Scholz einen Schub für den eigenen Wahlkampf gut brauchen können. Wenn die Deutschen ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich derzeit gerade einmal 14 Prozent für Scholz entscheiden. Die große Hoffnung der SPD in Sachsen-Anhalt ist nun, dass sie zumindest Teil der Landesregierung – und somit politisch präsent – bleibt. Vor fünf Jahren wurde dort aus der Not die erste deutsche Kenia-Koalition geboren, die große Liebe ist daraus nicht geworden. Immer wieder gab es Streit. Ministerpräsident Haseloff flirtet daher diesmal auch offensiv mit der FDP.

Die FDP rettet sich in Sachsen-Anhalt aus der außerparlamentarischen Opposition

3. Die FDP darf wieder hoffen Eine liberale Hochburg war Sachsen-Anhalt nie. Insofern kann die FDP mehr als zufrieden mit ihrem Ergebnis sein. Nach zehn Jahren außerparlamentarischer Opposition wollten die Liberalen unbedingt in den Landtag zurückkehren und das ist ihnen gelungen. Vor allem das Selbstbewusstsein von FDP-Chef Christian Lindner dürfte damit weiter wachsen. Der hat von der zunehmenden Unzufriedenheit mit der Corona-Politik der Bundesregierung in den vergangenen Monaten deutlich profitiert. Umfragen sehen die Partei auch im Bund im zweistelligen Bereich. Damit kommt die FDP ihrem Ziel zumindest näher, im September Teil der künftigen Bundesregierung werden zu können. Einen ersten Vorgeschmack könnte es in Sachsen-Anhalt geben – falls Ministerpräsident Reiner Haseloff die Liberalen in seine Regierung holt. Möglich wäre das zusammen mit den Grünen oder der SPD.

Geht selbstbewusst in die Bundestagswahl: Christian Lindner.
Foto: Michael Kappeler, dpa

4. Die Linke hat ein Problem In den westlichen Bundesländern hat sie nie wirklich punkten können, doch im Osten fuhr die Linke immer wieder Traumergebnisse ein. In Sachsen-Anhalt aber wurde die selbst ernannte Ostpartei jetzt gerade so zweistellig – und hat damit nicht nur ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990 erreicht, sondern auch ein ernsthaftes Problem. Denn sie muss erkennen, dass ihr ausgerechnet die AfD den Rang als Volkspartei abgelaufen hat. Und das, obwohl die AfD in dem Bundesland noch weiter rechts steht als im Bund. Dabei hatte die Linkspartei in Sachsen-Anhalt einmal große Erfolge feiern können. Hier gab es die erste von der (damals noch) PDS tolerierte Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen. Später feierte sich die Partei für Wahlergebnisse von 24 Prozent. Davon ist noch nicht einmal die Hälfte übrig geblieben. Die AfD wetteiferte mit den Linken sogar bei sozialen Fragen. Für 95 Prozent ihrer Wähler nennt diese als „einzige Partei die wichtigen Probleme beim Namen“, so ein Ergebnis der Forschungsgruppe Wahlen.

Wahl in Sachsen-Anhalt zeigt: Der Osten wählt eher rechts

5. Der Osten wählt anders Von Höhenflügen der Grünen ist hier nichts zu spüren, sie bleiben auch nach dieser Landtagswahl auf dem Boden der Tatsachen. Und der ist für sie reichlich ungemütlich. Zwar zitterte die Partei diesmal nicht um die Fünf-Prozent-Hürde, aber die Zuwächse bleiben überschaubar. Anders als in vielen westlichen Bundesländern, wo die CDU und die Grünen vielerorts darum ringen, wer die stärkste Kraft ist. Diese Rolle nimmt im Osten die AfD ein. Das Umfrageinstitut Forsa hat ermittelt, dass im Gebiet der früheren DDR dreimal mehr Wahlberechtigte für die Partei am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums stimmen als im alten Westdeutschland.

In Sachsen-Anhalt ist es der Strukturwandel, der bis heute das Leben vieler Menschen prägt, viele Menschen haben ihr Geld in den Braunkohle-Revieren verdient. „Wir haben es mit Menschen zu tun, die teilweise in einer Form diktatursozialisiert sind, dass sie auch nach 30 Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind“, hatte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, kürzlich gesagt. Ein Teil der Bevölkerung habe „gefestigte nichtdemokratische Ansichten“. Der Streit, der über diese Sätze des CDU-Mannes entbrannte, zeigte aber auch eines ganz deutlich: Der Politik fehlt es an einem Gespür für den Osten Deutschlands – und das mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung. Für 61 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt werden die „Ostdeutschen wie Bürger zweiter Klasse“ behandelt, wie die Forschungsgruppe Wahlen erfragt hat.

Lesen Sie hierzu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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10.06.2021

@ MICHAEL W.

Eine Meinungsäußerung nicht gut zu finden, ist noch lange keine Beschimpfung. Sollten Sie Ihre Einordnung der Rechtsextremisten ins "bürgerliche Lager" als Fehler erkennen, ist doch alles ok.

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08.06.2021

Von Georg Kr. 07:39 Uhr

Danke für Ihre mit Fakten und fundierten Meinungsaussagen gespickte Stellungnahme!
Die "Konservativen" müssen noch viel arbeiten, bis sie argumentativ Tiefgang bekommen..

Raimund Kamm

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07.06.2021

Diese Wahl hat nicht die Bundes CDU gewonnen, sondern die Ost CDU mit Ihrem Spitzenkandidat Rainer Haselhoff der die Ost Bürger besser kennt als ein Herr Laschet ich sehe in nicht als Gewinner in Sachsen Anhalt. Ich freue mich sehr, dass der Ministerpräsident von diesem Bundesland die Wahl gewinnen konnte, dank seiner Erfahrungen und Bekanntheitsgrad. Er kennt das Problem deutlich besser als die CDU in Berlin. Das waren Landtagswahlen, wo Landeschefs und Chefin gewonnen haben, auch im Westen. Die Bundestagswahl wird anders verlaufen, da bin ich mir sehr sicher.

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07.06.2021

Es gibt ja mehr oder weniger gelungene Möglichkeiten, den Grund für den Wahlausgang zu erklären.
Eine der logischsten Erklärungen ist, „Der Wähler will Haseloff gewählt.“ Aber warum Machtverlust das? Vielleicht weil dieser MP Landespolitik betreibt und nicht die Welt retten will? Weil er sich in erster Linie den Menschen, die ihn wählen (können) verpflichtet fühlt? Weil er den Rundfunkbeitrag in Frage stellt?

Die absurdeste Theorie zur Erklärung des Wahlergebnisses ist die von „Brandmauer gegen die AfD“. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark das Wünschen das Denken unserer etablierten Meinungsbildner ist. Warum muss ich den mit dieser Begründung CDU wählen? Da könnte ich auch jede andere Partei ankreuzen. Und so viel mathematisches Grundverständnis, dass jedes Kreuz bei einer anderen als der blauen Partei, ein Kreuz gegen die AfD ist, darf man den anhaltiner Sachsen zutrauen.

Bemerkenswert ist doch aber, was NICHT thematisiert wird. Es gibt keine linke Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Und der zu erwartende Lagerwahlkampf, in dem die erodierenden roten Parteien linke Stimmen von den Grünen, und die CDU die Konservativen, die noch bei den Grünen sind, zurück holen wollen, wird zeigen, dass es auch in Deutschland keine linke Mehrheit gibt. Trotzdem wird Landauf-Landab links dogtrinierte Politik gemacht. Das zerreißt die Gesellschaft. Die einzige Partei, die das ändern könnte, wäre eine ihren Linkskurs verlassende CDU.
Damit wäre dann die AfD auch tatsächlich entzaubert.

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07.06.2021

"Die einzige Partei, die das ändern könnte, wäre eine ihren Linkskurs verlassende CDU. "

Das höre und lese ich nun schon zum x-ten Mal. Aber nirgendwo hat bislang nachvollziehbar jemand erklärt, was sich bei einer ihren "Linkskurs verlassenden CDU" programmatisch ändern würde bzw. müsste?
Vielleicht können sie weiterhelfen . . .

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07.06.2021

Sehr geehrter Herr Georg Kr.

dass sich die CDU unter Merkel inhaltlich bei der SPD und den Grünen, ohne eigenes Zutun bedient hat, sollte zwischen uns Konsens sein. Konservative Politik wird dagegen von dänischen Sozialdemokraten oder den britischen Tories betrieben. Die setzt auf Eigenverantwortung der Menschen, soziale Marktwirtschaft für alle unter gleichen Marktbedingungen; Bewahrung der Schöpfung im eigenen Verantwortungsbereich ohne Weltenrettungsatitüde, wirtschaftliche Prosperität, Berufe statt Jobs und haben ein Idee davon, dass das kulturelle Aufnahmevermögen einer Gesellschaft Grenzen kennt. Das ist eine Politik, die ihre demokratischen Werte nicht in Brüssel abgibt, mehr investiert als konsumiert, jedem gleiche Chancen gewährt, die dieser dann auch selber nutzen muss, nur in Not geratene stützt, in der der Staat Rahmenbedingungen setzt und nicht als dreinschlagende Gouvernante erscheint, in der Freiheit den größten Wert ist und in der die Steuerbeiträge der Büger Wert geschätzt und nicht in der Welt verschleudert werden.

Also eine Politik, die schon Adenauer vertreten hat. Irgendwie ging es der Republik dabei nicht so schlecht. Was natürlich heißt, dass die in den Masstab des 21. Jhd überführt werden muss. Eben ein Verlassen des derzeitigen Linkskurses der CDU. Derzeit träumen die ja schon von Koalitionen mit der SED. Wer das tut, ist kein Konservativer mehr.

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08.06.2021

Sehr geehrter Herr Thomas T.

Erst mal Danke für die Antwort auf meine Frage was sich bei der Union beim Verlassen des "Linkskurses"ändern würde.

U. a. verweisen Sie auf die Konservative Politik dänischer Sozialdemokraten.
Die dänische Sozialpolitik in ihren Grundzügen: Dänemark kennt z. B. keine Sozialabgaben, dafür höhere Steuern. Rente, Gesundheitswesen alles steuerfinanziert. Insofern keine Beitragsbemessungsgrenzen wie hier, mit denen Bezieher höherer Einkommen entlastet werden. Altersrenten deutlich über deutschem Niveau. Relativ hohe Erbschaftssteuer. Kein Ehegattensplitting. Ähnliches gilt auch in Norwegen und Schweden.

Unter solchen Umständen kann auch von Eigenverantwortung gesprochen werden. Bei dem riesigen deutschen Niedriglohnsektor und den mickerigen Renten für Arbeitnehmer klingt dieses Wort eher wie eine Verhöhnung.

Viel Spaß aber bei der Umsetzung in Deutschland!

Was verstehen Sie unter "Berufe statt Jobs", unter "soziale Marktwirtschaft für alle unter gleichen Marktbedingungen"?

Wie die Arbeitswelt strukturiert ist und sich unter der Digitalisierung verändern wird, entscheidet in Deutschland die Wirtschaft allein. Ausnahme wenige Großbetriebe, die der Mitbestimmung unterliegen (über viele Jahre ein Dorn im Auge der neoliberalen Parteien CSU/CDU/FDP).
Die Deregulierung der Arbeitswelt, die organisierte Verantwortungslosigkeit bei Auftragsvergaben (Sub-, Sub-, Sub-Unternehmen, Billiglöhne, lächerliche staatl. Kontrollen) haben in vielen Bereichen zu sklavereiähnlichen Zuständen geführt (Schlachthöfe, Paketdienste).
Wenn da noch von Freiheit, als dem größten Wert geschwätzt wird, weiß man nicht so recht, soll man lachen oder weinen.

Und genau in diese Richtung wird sie gehen, die "Rückabwicklung" der angebl. Sozialdemokratisierung der Union.

"Das ist eine Politik, die ihre demokratischen Werte nicht in Brüssel abgibt, mehr investiert als konsumiert"

Auch die Dänen sind in der EU und: Mit durchschnittlich 175 Euro pro Kopf zahlte 2019 niemand so viel an die EU wie die Dänen.

Die größten Abkassierer sind Polen und Ungarn, beide stramm rechts regiert und gerade dabei die Demokratie abzuschaffen.

Sie merken, immer wenn "Sprechblasen" genauer unter die Lupe genommen werden wird es konkreter und schwieriger.

Fast hätte ich es vergessen - zum Schluss noch viel Spaß beim Dichtmachen der Grenzen.
Auf eines können Sie sich dabei aber verlassen: für Bonzen, Geschäftemacher und Arbeitssklaven werden sie sehr durchlässig bleiben, auch für den multikulturellen Profifußball . . .

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07.06.2021

Das sind die Lehren aus S..A.-Wahl
1.) das bürgerliche Lager (CDO, AfD, FDP, freie Wähler) ist deutlich stärker als die linken
2.) der CDU kam zugute, dass viele AfD Wähler eingesehen haben, wenn sie die AfD wählen stärkt das nur die linken; also lieber das kleinere Übel gewählt
3.) Die Wähler im Osten kennen Gehirnwäsche (oder "framing") noch aus DDR Zeiten und sind deshalb weniger beeinflußbar wie unsere West-Wähler
4.) Laut Umfragen finden zwar viele Wähler dort Umweltfragen sehr wichtig, a b e r die Grünen übertreiben völlig.
5.) RRG hat keine Mehrheit - wir, die bürgerlichen, sind mehr!!!

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07.06.2021

1. Die AfD ist NICHT bürgerlich. Sie ist rechtsextrem!!! Besonders im Osten. Nicht umsonst sind viele führende AfD-Politiker dort offen Rechtsextrem. (nur mal Höcke oder das Himmler-Double Kalbitz genannt). Die Bürgerlichen wurden schon großteisl entmachtet. Besonders im Osten
2. AfD Wähler haben die CDU gewählt um die Linken nichtz zu stärken????
3. Die im Osten sind weniger anfällig für Gehirnwäsche? Dafür, dass sie so unanfällig für Gehirnwäsche sind, sind sie schon immer ziemlich schnell Rattenfängern hinterhergelaufen.

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08.06.2021

zu Punkt 3
Die Hauptwählerschaft der AfD ist unter 45 Jahre alt. Und die waren wie alt bei der Wende vor 32 Jahren bzw. bei der Wiedervereinigung? Wenn sie überhaupt schon geboren waren .... diese sind wohl eher anfällig für Gehirnwäsche und Fakenews in sozialen Medien.

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08.06.2021

@ Harald V.
1.) Sie verwechseln die Wähler der AfD mit eingen extremen Vertretern dieser Partei. Da mag es Extreme geben (btw - Höcke ist nicht in S.A.) oder sind auf einmal 20% der Sachsen-Anhaltiner auf einmal rechtsextrem geworden? Auch die Wechselwähler von den Linken. Denken Sie nochmal über Ihr Argument nach
2.) Will ich Ihnen auch erklären: Was wäre passiert, wenn die AfD stärker geworden wäre als die CDU? Hätte sie den MP stellen können, wenn niemand mit Ihnen redet? Proportional wäre die Position der Linksextremisten, SPD und Grüne geworden.
Haben Sie`s verstanden?
3.) Meinen Sie, nur weil ein Teil der Wähler nach der Wende geboren wurden haben sie nichts mehr vom belückenden Sozialismus mitbekommen? Unterschätzen Sie den Einfluss der Erzählungen der Eltern? Davon abgesehen war die Differenz zwischen den Älteren und den Spätgeborenen so groß auch nicht.
Mit welcher Begründung halten Sie eigentlich die Jüngeren in der Ex-DDR für dümmer als unsere aufgeklärten West-sozialisierten Wohlstandskinder? Je nach Blickrichtung nennt man es Gehirnwäsche oder "Framing"

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08.06.2021

1. Die AfD wird von vielen trotz sondern wegen den rechtsradikalem Flügel gewählt.
Auf einmal rechtsextrem geworden? Rechte Parteien waren seit der Wiedervereinigung generell deutlich erfolgreicher. Abgesehen davon, sagt Ihnen "national befreite Zonen" etwas?
2. RRG hätte es auch nicht geben können, wenn wie sie sagen Leute nicht CDU sondern AfD gewählt hätten. Es wird eher der Fall sein, dass einige statt FDP, SPD, FW oder Grüne die CDU gewählt haben um eine demokratisch gesinnt Partei vor der CDU zu haben. Oder wollen Sie ernsthaft behaupten ohne ihre vermeintlichen "Leihwähler" von der AfD wäre die CDU hinter SPD, Grüne, FDP, FW oder der Linke gelandet?! Die Bundestagswahl wird es zeigen.
3. Wenn die Erzählungen der Eltern so einprägen war, wieso haben diese die AfD weniger gewählt?
Dümmer sind die sicherlich nicht. Vermutlich aber das Vertrauen in die klassischen Medien geringer und dafür offener für "alternative" Medien. Kommt auch davon, dass einige Regionen im Osten abgehängt sind und sich auch jetzt noch als Verlierer der Wiedervereinigung sehen. Auch hat es im Osten noch weniger Aufarbeitung mit der Vergangenheit des Dritten Reichs gegeben.
Abgesehen davon behaupten Sie im Endeffekt, dass die westlichen Jüngeren dümmer sind.

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09.06.2021

@ Guten Morgen Harald V.
1.) vermutlich wählen 5% die AfD wegen ihre rechten Flügels, der Rest wegen der Unzufriedenheit mit anderen Parteien bzw eines Fehlens einer konservativen Alternative. Die CDU als ganzes wird - zurecht - so nicht mehr wahrgenommen.
mit "national befereiter Zone" kann ich wirklich nichts anfangen, vermute mal aber es sind die rechten Pendents zu Linken Antifa No-Go areas in Berlin usw
2.) Ich habe nicht behauptet, dass ohne die Leihwähler RRG gewonnen hätte, aber je schwächer die "einzige" konserative Partei feworden wäre desto anteilig stärker das linke Lager. Die Menschen aus den verschiedenen Parteien hatten sicher unterschiedliche Gründe CDU zu wählen, die einen wollten kein rechts die anderen kein Links.
3.) "Wenn die Erzählungen der Eltern so einprägen war, wieso haben diese die AfD weniger gewählt? "
Lesen Sie meinen Punkt 2 - könnte doch was mit Taktik zu tun haben, vielleicht sind die Alten manchmal doch weniger impulsiv?
Ob die westliche Jugend dümmer ist als die im Osten kann ich schlecht beurteilen, vermutlich eher anders dumm. Davon abgesehen ist der laute Teil bei weitem nicht die Mehrheit, nur eben lauter.

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09.06.2021

zu 1. Ihre 5 % sind reichlich untertrieben. Dass deutlich mehr der AfD-Wähler eine rechtsextreme Einstellung haben ist kein Geheimnis.
https://www.sueddeutsche.de/politik/rechtsextremismus-afd-umfrage-waehlerschaft-1.5192381
zu National befreiten Zonen (die es insbesondere im Osten gibt)
https://de.wikipedia.org/wiki/National_befreite_Zone
Übrigens hatte die offen rechtsextreme DVU 1998 in Sachsen-Anhalt knapp 13 % bei fast 72 % Wahlbeteiligung. Potential scheint dort also mehr als reichlich vorhanden zu sein.
Wenn bei der AfD nur 5 % der Wähler rechtsextrem sind, wo ist dann der Rets geblieben?

2. Ohne ihre genannten "Leihwähler" der AfD hätte RRG keine Stimme mehr bekommen. Wenn diese Leihwähler taktisch klug wählen hätten wollen, dann hätten Sie eher die FDP wählen müssen.
Aber die Bundestagswahl (in Sachsen-Anhalt) wird es zeigen, ob und wieviel Leihwähler der AfD bei der CDU gelandet sind.

3. Wenn die Alten die angebliche "Manipulation" ebenfalls erkannt haben, dann wählen Sie genau die Partei, die in Bund und Land die stärkste Partei ist und den Regierungschef stellt?
Wenn diese taktisch klug und gegen die Manipulation sich wehren wollte, dann hätten sie ganz klar FW oder besser noch die FDP wählen müssen. Aber doch nicht die Partei, die angeblich seit spätestens 2015 eine DDR 2.0 einführen will. ;-)

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09.06.2021

1.) Rechtsextrem würde nach offizieller Definition bedeuten " ... ist eine Sammelbezeichnung für faschistische, neonazistische oder chauvinistisch-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten" - das glauben Sie im Ernst?
National befreite Zone gabs meines Wissens auch in Dortmund. Finde ich per se aber auch nicht schlimmer als No-go-areas für unsere Polizei. Bräuchten wir beides nicht - aber rechts ist schlimmer, ich weiß.
Der Rest der AfD-Wähler, die eben keine Umsturzphantasien haben sind Protestwähler wie damals bei der DVU (Wahlslogan „Protest wählen – Deutsch wählen“ u.a.)
2.) Ich habe auch nicht behauptet, dass RRG mehr Stimmen bekommen hätte, aber mehr Einfluß. Nehmen Sie der CDU nochmal 10% weg und geben sie der AfD dann hätte es wieder politische Verbiegungen ähnlich wie in Thüringen gegeben.
3.) FW wären eine Alternative, aber wer kann sicher sein, dass sie über die Hürde kommen, FDP evtl zu liberal, wirtschaftsfreundlich?
Wahrscheinlich haben die weisere Alten lieber das kleinere Übel gewählt. Da war ja mal eine CDU die auch konservativ war (allerdings vor unserer heutigen Kanzlerin); sowas wie eine wehmütige Reminiszenz an frühere Tage.

Es bleibt natürlich eine wichtige Möglichkeit - vielleicht hat Haseloff einfach einen besseren Job gemacht als die Christ-Sozialisten.

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09.06.2021

@ MICHAEL W.

"Da war ja mal eine CDU die auch konservativ war"

Konservativ kommt von "conservare" - bewahren - und meint im besten Sinne bewahren der Schöpfung. Genau das Gegenteil betreiben wir gerade ganz extrem.

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09.06.2021

1. Ein Herr Höcke ist offen rechtsextrem. Seine Publikationen u.a. als Ladig sind es auch. Undist kein kleines Licht bei der AfD? Auch andere Spitzenpolitiker der AfD ind rechtsextrem. Und lassen sich schon mal mit Führerwein und Reichskriegsflagge ähnlichen oder zünden am Hitlerhaus auch mal eine Kerze an. Kalbitz auch. Und diese Personen haben viel Rückhalt in der Partei. Und es ist nachgewiesen, dass die AfD von vielen nicht trotz sondern wegen diese Personen gewählt werden. Um Protest zu bekunden gibt es nicht nur rechtsextreme Parteien.
Nogo-Areas sind absolut nirgends zu tolerieren. Aber hier mit Verweis auf die Clans die national befreiten Zonen zu verharmlosen ...
Zu 2. Schreib ich nicht mehr. Das Ergebnis bei der Bundestagswahl wird das ein oder andere bestätigen. Oder auch nicht.
3. Die FDP hat deutlich mehr Schnittmuster mit der AfD wie die CDU auch vor-Merkel-CDU. Und dann sollen AfD-Wähler diese meiden? Und statt dessen die christlichen Sozialisten für ine DDR 2.0 wählen?
Mir scheint es eher, den Stimmenverlust der AfD schön zu reden. Zumindest behaupten Sie nicht, dass die Wahl zuungunsten der AfD gefälscht wurde.

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10.06.2021

@ Harald V.
Wie Sie schon richtig geschrieben haben heißt "conservare" bewahren; das Wort ist erstmal kontexf-frei, soll heißen es bezieht sich nicht nur auf die Natur. Sie wenden es nur auf etwas an, was Ihnen in den Kram passt. Warum nicht auch auf andere Dinge und Werte, wie unsere Kultur, unsere Sprache, unsere Art zu leben?
Dauernd wird uns erzählt, Wandel und Veränderung (Kultur, Sprache) sind gut - nur beim Klima hört der Spass auf?
Wenn konservativ dann bitte nicht nur selektiv nach gusto. Wäre das die CXU heute noch wäre eine AfD bei 3%.
!!! Und nein - ich behaupte wirklich nicht, das das Wahlergebnis zu Ungunsten der AfD gefälscht wurde!!! Es reicht, dass es sie in ausreichender Stärke gibt als notwendiges Gegengewicht zu einer linken Einstellung (Linke, SPD, Grüne);
Btw - die Linke wird auch in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet, interessiert nur niemanden.

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10.06.2021

Mit Menschen zu diskutieren, die die Rechtsextremisten, Hassprediger und Wegbereiter eines mörderischen Rechtsterrorismus, zum sog. "bürgerlichen" Lager zählen lohnt keine Sekunde . . .
Intoleranz, Nationalismus und Überheblichkeit gegenüber anderen Kulturen, dafür steht die AfD, ist nichts bewahrenswertes, nicht konservativ sondern miefig kleinbürgerlich, inhuman . . .

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10.06.2021

@ Georg Kr.
Ich sehe schon, dass ich bei Diskussionen mit Ihnen sowohl argumentativ als auch in der Breite meines Wortschatzes hoffnungslos unterlegen bin, wobei Sie weniger diskutieren sondern beschimpfen, ist auch einfacher.
Meinen Kommentar über "conservare" habe ich irrtümlich an den Herrn Harald V. geschickt. Macht aber nichts - Sie scheinen ihn trotzdem gelesen zu haben. (wenn auch nicht verstanden)
Alii simul delinquunt, censores sumus!

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10.06.2021

Erstens habe ich das mit conservare nicht geschrieben.
Zu dem Thema aber. Der Mensch entwickelt sich weiter. Wenn wir alles "konserviert" hätten und nicht Sprache, Kultur und Technologie geändert hätten, dann würden wir jetzt nicht hier diskuttieren sondern in irgendwelchen Höhlen sitzen.
Es gibt übrigens keine typische "deutsche" Kultur. Oder ist die Lederhose gesamtdeutschen Kulturgut? Oder der Shantychor? Deutsche ist nur ein Zusammenschluss mehrerer germanischer und germanisch-keltischer Volkstämme mit starken kulturellen und genetischen Einfluss von Slawen und Romanen. Und was einigen ziemlich aufstossen wird, auch in Sachen Kultur mit starken orientalischen und arabischen-islamischen Einflüssen.
Kultur und Sprache sind nur der aktuelle Zustand einer Entwicklung.

Klima ist auch nur ein aktueller Zustand.
Beim Klima ist es halt das Problem, wenn es sich (schnell) global ändert, dann hat dies weitreichende Folgen für uns, die uns wirtschaftlich und gesellschaftlich extrem treffen würden.
Wer uns wirtschaftlich und gesellschaftlcih "konservieren" will, der muss eigentlich unbedingt das Klima "konservieren" bzw. die Änderungen möglichst klein halten.
Die Gefahr aktuell ist, dass wenn eine bestimme Schwelle überschritten ist, dass die Klimaänderung sich nicht mehr verlangsamen oder gar stoppen lässt und dann verstärkt und mit mehr Wucht uns trifft.
https://www.mdr.de/wissen/klima-klimakrise-drei-grad-erwaermung-unvermeidbar-kipppunkt-100.html
https://www.sonnenseite.com/de/zukunft/der-ipcc_sonderbericht-point-of-no-return/
Wenn das Klima sich weltweit ändert, hat dies weltweit graviernde Folgen. Wenn große Gebiete unbewohnbar (Überschwemmung / Versteppung / Verwüstung) oder nur noch eingeschränkt bewohnbar werden, dann hat dies zur Folge, dass sich nicht nur Eisbären sondern Milliarden Menschen in Bewegung setzen (müssen).
Was dies wirtschaftlich (Zusammenbruch vieler Handelsverbindungen, Lieferketten, Wirtschaftssysteme, ...) und gesellschaftlich (Völkerwanderungen bisher unvorstellbaren Ausmasses, kriegerische Konflikte um Trinkwasser, Land, Nahrung, ...) bedeutet, braucht man sicherlich nicht groß ausführen.
Dann wird es auch keine Rolle spielen wie viel der Liter Diesel an der Tankstelle kostet oder der Flug nach Mallorca nicht mehr 19,99 € kostet.

Mir deucht es sehr, dass einige in Sachen Sprache und Kultur keine Weiterentwicklung haben wollen, die Entwicklung des Klimas aber aus Bequemlichkeit egal ist. Weil beides würde Veränderung bedeuten.

Wer kein Honecker sein will, der sollte sich den Spruch "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" mal durch den Kopf gehen lassen.

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10.06.2021

@ Harald V.
bevor wir unsere Diskussion per Kommentarspalte bei der AZ weiterführen können wir uns gerne mal persönlich an der Kulperhütte bei einem Bier austauschen. Ist meistens erhellender als zu tippen. ;>)

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07.06.2021

Sachsen-Anhalt hat die Person Reiner Haseloff gewählt und nicht die Partei, die er angehört.

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06.06.2021

In Sachsen-Anhalt wurde Ministerpräsident Reiner Haseloff wiedergewählt und nicht die Partei, deshalb sollte sich die CDU nicht in die eigene Tasche lügen und weiter schnarchen.

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06.06.2021

Auch wenn es in Punkt 6 (zart) angedeutet ist kommt mit in der Berichterstattung die Tatsache zu kurz, dass 70 % Rechts gewählt haben. Von der moderaten Mitte (CDU, FDP) über die Freien Wähler bis hin zur AFD.
Der (klägliche) Rest auf der linken Seite des Parteienspektrums muss sich doch fragen, ob die gesetzten Themen, zumindest die mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit, die richtigen sind. Derzeit bestimmen halt Themen, die in den verschiedensten Szenevierteln von Relevanz sind die Debatte und das politische Handeln - zumindest das wahrgenommene - der linken Parteien. Und die bilden offenbar nicht die Lebenswirklichkeit zwischen Bürde und Burgenlandkreis ab.

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07.06.2021

>> ... kommt mit in der Berichterstattung die Tatsache zu kurz, dass 70 % Rechts gewählt haben. <<

Für weite Teile des linken Spektrums ist es tatsächlich völlig egal, ob man CDU/CSU, FW oder Afd wählt. Zu diesem "Rechts" gehören für die ganz harten der Szene auch noch Sarah Wagenknecht, Alice Schwarzer & Co.

Als neuer Nicht-Rechter glaubt man dann auch noch daran, dass Wladimir den Lebenslauf von Annalena gefälscht hat...

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/bundestagswahl/id_90166628/oezdemir-wirft-russand-und-tuerkei-schmutzkampagne-gegen-gruene-vor.html

Ich denke es reicht jetzt mit diesem Unsinn!

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