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23.04.2019

Nur zehn Bürgermeister wollen weitermachen

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In Hiltenfingen ist Kornelius Griebl (links) seit 2002 im Amt und tritt im nächsten Jahr nicht mehr an.

Drei Gemeinde-Chefs sind noch unentschlossen. Und vier haben schon abgewunken. Die zehn anderen verraten, was sie an ihrem Amt freut und was sie plagt.

Vier der 17 Bürgermeister im Süden des Augsburger Landes wollen bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten. Das kündigte in Hiltenfingen Kornelius Griebel an, in Oberottmarshausen Gerhard Mößner, in Langerringen Konrad Dobler und in Langenneufnach Josef Böck. Eine Umfrage unserer Zeitung ergab: Drei weitere sind noch unentschlossen. Manfred Nerlinger in Wehringen, Rupert Fiel in Kleinaitingen und Margit Jungwirth-Karl in Walkertshofen wollten sich noch nicht festlegen. Die zehn anderen wollen weitermachen. Sie verraten, was sie als Last und was als Freude im Amt empfinden. In einem Punkt stimmen alle überein: Dabei geht es um die Einstufung als hauptamtliche Bürgermeister.

Königsbrunn Franz Feigl empfindet „echte Last“, denkt er an „Hemmnisse und Hürden, die sich aus der heutigen Bürokratie ergeben. Europaweite Ausschreibungen, lange Förderverfahren und anderes erschweren und verzögern Projekte ungemein.“ Große Freude bereitet ihm hingegen der Umgang mit Menschen, zumal wenn er sich für ihre Anliegen, Vorhaben und Probleme einsetzen kann. Daher steht er für eine Nominierung und Wiederwahl zur Verfügung.

Bobingen Bernd Müller sagt: „Freude macht mir ungetrübt die Gestaltung des örtlichen Zusammenlebens in all seinen Facetten – und bei aller Bescheidenheit hat sich Bobingen in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Nachdem ich mit vielen Menschen zusammenkomme, gibt es natürlich auch Erfahrungen, die man bisweilen als belastend empfindet, zum Beispiel wenn man Mitmenschen in deren schwierigen Lebenssituationen und Schicksalsschlägen kennenlernt und auch Bürgermeister oder Gemeinde nicht helfen können.“

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Schwabmünchen Lorenz Müller hat lange überlegt und sich mit seiner Familie besprochen. Fazit: Er würde gerne weitermachen. Denn es gebe eine Reihe von Maßnahmen, die der Stadtrat und er auf den Weg gebracht haben, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Ihm mache es Freude, diese Projekte weiter zu führen. Eine Last sei, dass die Bürokratie, mit der auch die Stadt zu kämpfen habe – etwa aufwendige Vergabeverfahren, Förderverfahren und Genehmigungsverfahren – eher zunimmt und Entscheidungen der „großen“ Politik bisweilen die Realisierung von Maßnahmen verzögert. Freude mache vor allem zu sehen, dass die Stadt wirklich sehr viele engagierte Bürgerinnen und Bürger beheimatet. Schwabmünchen sei aus seiner Sicht eine sehr aktive Stadt mit noch vielen Entwicklungsmöglichkeiten.

Graben Andreas Scharf sieht das Amt des Bürgermeisters als „spannenden Beruf, der viel Gestaltungsspielraum lässt. Nahezu täglich stehen neue Herausforderungen an und die Bandbreite an Aufgaben ist sehr groß. Graben zeichnet sich aus durch einen engagierten Gemeinderat, der an einem Strang zieht und mit guten Visionen die Gemeinde zu einem lebenswerten Ort entwickelt und dabei auf motivierte Beschäftigte von Verwaltung über Bauhof bis zu Kinderbetreuung und Bücherei bauen kann.“

Untermeitingen Simon Schropp ist fest entschlossen, weiterzumachen. Denn: „Viel Freude macht mir die abwechslungsreiche Themenvielfalt und die Tatsache, auch Dinge tatsächlich in der Praxis umsetzen zu können. Bei all den gesellschaftspolitischen Aufgaben und Fragestellungen ist es ein gutes Gefühl, wenn man gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und den Mitbürgerinnen und Bürger etwas in die richtige Richtung bewegt hat.“ Als Last verspürt er den großen Termindruck. Es erfordert ein hohes Maß an Bereitschaft zur Flexibilität und den Verzicht auf persönliche Freiheiten sowie viel Kompromissbereitschaft auch innerhalb der eigenen Familie.

Großaitingen Auch Erwin Goßner will weitermachen. Der Kontakt und Umgang mit Menschen war für ihn schon immer interessant und spannend – zumal in einer Gemeinde mit mittlerweile mehr als 5000 Einwohnern. Sich für sie einzusetzen und zu arbeiten erfüllt ihn mit Freude, sagt er und fügt an: „Trotz der vielen schwierigen Aufgaben, der großen Verantwortung und der erforderlichen Energie – es ist ein sehr schöner Beruf, zu dem sich jemand berufen fühlen muss. Das bringt es mit sich, dass die Arbeit einen auch belastet – aber jeder Erfolg oder Dank, ist er auch noch so klein, entschädigt dafür.

Kleinaitingen Rupert Fiehl hat die Arbeit als Bürgermeister als abwechslungsreich schätzen gelernt: „Das Amt sehe ich weniger darin, als Politiker verstanden zu werden, vielmehr fühle ich mich als Dienstleister für den Bürger.“ In den vergangenen fünf Jahren habe der Gemeinderat parteiunabhängig im Sinne des Gemeinwohls viele Investitionen in die Infrastruktur beschlossen. Mit dem Begegnungsland Lech-Wertach gebe es Projekte, welche direkt beim Bürger ankommen. „Und auch viele weitere Themen und Herausforderungen können wir als Kommune mit 1300 Einwohnern nur gemeinsam mit Nachbarn bewältigen,“ sagt er. Er engagiere sich über die Pflichtaufgaben hinaus insbesondere bei sozialen Themen und Fragestellungen. Sein Fazit: „Das alles zusammen in ein Gesamtgerüst zu verpacken, erfordert zeitlichen Mehraufwand, der die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Bürgermeisters sprengt. Meines Erachtens und nach fünf Jahren Erfahrung empfinde ich es für nicht mehr zeitgemäß, dass es eine Unterscheidung zwischen „hauptamtlich“ und „ehrenamtlich“ gibt. Letztendlich interessiert das den Bürger auch nicht wirklich. Die Erwartungshaltung jeden Bürgers kann ich nachvollziehen. Im Vordergrund sollte immer stehen, dass der Bürgermeister bürgernah und erreichbar ist und die Gemeinde leistungsorientiert nach vorne entwickelt.“ Ob er kandidiert, kann er noch nicht sagen.

Klosterlechfeld Rudolf Schneider sagt, „man kann dieses Amt ohne Freude nicht ausüben!“ Er tut dies und will weitermachen. „Die Freude erfährt man im Tun und der Reflektion der Bürger, dass sie sich gut aufgehoben fühlen und zufrieden sind; allen Bürgern kann man es nicht recht machen, das ist die tägliche Herausforderung.“ Es gebe aber auch Sorgen. Nach der Straßenausbaubeitragssatzung kämen auf die Kommunen die Themen erweiterte Kinderbetreuung und Digitalisierung zu. Andere Aufgaben: Verkehr und Wohnungsbau, Flächenversiegelung und Artenschutz. Den pensionierten Berufssoldaten beschäftigt das Thema Ehrenamt im Rathaus: Die komplexen Aufgabenvielfalt müsse ein ehrenamtlicher Bürgermeister auch in einer Verwaltungsgemeinschaft, genauso „beackern“, wie seine hauptamtlichen Kollegen größerer Gemeinden. Die Zeiten seien vorbei, in denen ein Bürgermeister seinen Lebensunterhalt in einem Zweitjob bestreiten könnte. Dennoch sei die Hauptamtlichkeit nicht die alleinige Lösung; die Wochenarbeitszeit liege bei allen Bürgermeistern deutlich über 40 Wochenstunden. Schneider fordert: „In der Hauptamtlichkeit sehe ich auch die professionelle Administration. Dazu gehört zumindest eine Verwaltungskraft des mittleren Dienstes, eine Bürokraft und eine Basisverwaltungsausbildung für Bürgermeister, die nicht „vom Fach“ sind! Diese Kombination stößt aber bei kleineren Kommunen an die Grenze der Finanzierbarkeit.“

Wehringen Manfred Nerlinger spricht von einer „tendenziellen Neigung“ zu einer erneuten Kandidatur. An seinem ehrenamtlich ausgeführten Amt schätzt er die Nähe zum Bürger, aber auch die Möglichkeit, etwas für den Ort und die Menschen zu bewegen und zu gestalten. „Es ist eine wunderbare Tätigkeit, die vom gesellschaftlichen Miteinander geprägt wird“, sagt er. Als Schattenseiten betrachtet er die immer mehr um sich greifende Bürokratie und die Vernachlässigung der Gemeinden durch die große Politik. „Wir sind bei der Bundespolitik leider immer das Schlusslicht“, bedauert er. Nerlinger ist ein starker Verfechter von hauptberuflichen Bürgermeistern. Für ein bloßes Ehrenamt seien die Verantwortung und der Termindruck viel zu groß.

Scherstetten Ein klares Ja zur Frage nach einer neuen Kandidatur kommt von Robert Wippel. Auch ihm gefällt, zusammen mit dem Gemeinderat auf Projekte und Baumaßnahmen gestalterisch nachhaltig und zukunftsorientiert Einfluss zu nehmen, aber auch das Engagement der Vereine zu unterstützen und zu fördern. Interessant sei es für ihn zudem, banale Alltagsthemen – wie Winterdienst oder Hundekot – ungefiltert mitzubekommen.

Mickhausen Hans Biechele würde gerne eine dritte Periode anhängen. „Es gibt kommunalpolitisch noch etliche größere Sachen anzupacken“, sagt er. Und da wolle er dabei sein. Spaß an seinem Amt machen ihm der Bürgerkontakt und die erfolgreiche Lösung von Problemen. Als weniger schön bezeichnet er die immer umfangreichere Bürokratie.

Mittelneufnach Cornelia Thümmel ist bereit zur neuerlichen Kandidatur: „Da noch vieles erst auf die Bahn und noch nicht ins Ziel gebracht ist, trete ich nächstes Jahr wieder an, um hoffentlich weiter zum Wohle der Gemeinde tätig werden zu können.“ Ihr mache es viel Freude, sich für den Ort und die Menschen einzusetzen und etwas zu bewegen. Als Beispiele nennt sie die nach Jahren erste Umsetzung eines Baugebiets, die Verwirklichung eines Supermarkts und eines Bauhofs für die Verwaltungsgemeinschaft und den Anstoß zur Dorferneuerung. Sie kennt aber auch die andere Seite: „Dann stürme ich von den Terminen und der Organisation im Amt zu den Treffpunkten und Ausarbeitungen in meinem Beruf als Architektin.“ Dennoch würde sie es wieder so machen, meint sie.

Walkertshofen Margit Jungwirth-Karl könne sich eine erneute Amtszeit durchaus vorstellen, teilt sie mit. Derzeit sei aber noch nichts entschieden, zumal es fast noch ein Jahr zu den Wahlen hin sei.

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