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Interview

05.07.2020

Friedrich Merz: „Wollt Ihr in der Politik nur noch Leute wie Kevin Kühnert?“

«Ich gehe davon aus, dass die wirtschaftspolitischen Fragen im Laufe der nächsten Wochen und Monate an Bedeutung gewinnen, vielleicht sogar das beherrschende Thema des Bundestagswahlkampfes 2021 werden», sagt Friedrich Merz.
Bild: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Exklusiv Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Im Interview erklärt er, warum er für die junge Generation kämpfen will und eine Kanzlerkandidatur von Markus Söder für unwahrscheinlich hält.

Friedrich Merz möchte erst CDU-Chef werden und dann Bundeskanzler. Dass er für einen amerikanischen Vermögensverwalter gearbeitet und es mit den Jahren zu einigem Wohlstand gebracht hat, empfindet er dabei nicht als Problem.

Herr Merz. Sie reden neuerdings wie selbstverständlich von Schwarz-Grün. Ist eine Koalition mit der FDP keine Option mehr für die Union?

Friedrich Merz: Selbstverständlich gibt es meistens mehrere Optionen. Aber bis zur Wahl im Herbst 2021 kämpft jede Partei für sich allein.

In einigen Umfragen kommen Sie mit der FDP zusammen auf mehr als 45 Prozent. So viel fehlt da doch nicht…

Merz: Ja, weil die Union gerade bei 40 Prozent liegt, aber das ist eine Momentaufnahme und hat vor allem mit Corona zu tun. Es wird für uns sehr schwierig werden, dieses Niveau über längere Zeit zu halten. Ich schätze unser Potenzial in normalen Zeiten auf 35 Prozent plus x.

CSU-Chef Markus Söder hält es für einen schweren Fehler, jetzt eine Debatte über Schwarz-Grün loszutreten. Muss die CDU nicht erst ihre eigenen Probleme lösen?

Merz: Ich wurde zu möglichen Optionen nach der nächsten Bundestagswahl befragt und habe gesagt, dass Schwarz-Grün für mich kein Teufelszeug ist. Ansonsten bin ich ganz bei Markus Söder: Bis zum Wahlabend, 18.00 Uhr, sind die Grünen einer unserer Gegner, wahrscheinlich sogar der Hauptgegner.

Ist Schwarz-Grün nicht ein Selbstläufer, wenn sogar ein führender Konservativer wie Sie damit flirtet?

Merz: Zunächst geht es darum, dass die Union 2021 ein möglichst gutes eigenes Wahlergebnis bekommt. Ein Selbstläufer ist danach vermutlich gar nichts. Die Regierungsbildung 2021 dürfte ähnlich schwierig werden wie 2013 und 2017.

 

Am 4. Dezember wählt die CDU einen neuen Vorsitzenden. Muss Markus Söder eigentlich vorher entscheiden, ob auch er Kanzlerkandidat werden will?

Merz: Er hat mehrfach gesagt, dass sein Platz in Bayern ist, wo er ja gerade in der Corona-Krise auch einen klasse Job macht.

Inzwischen sagt er das nicht mehr so deutlich.

Merz: Ich gehe davon aus, dass wir zuerst den neuen Parteivorsitzenden der CDU wählen und dass die Vorsitzenden von CDU und CSU sich dann zusammensetzen und einen gemeinsamen Vorschlag machen.

Können Sie sich vorstellen, als neuer CDU-Chef Söder den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur zu lassen?

Merz: Mit solchen „Was-wäre-wenn“-Fragen beschäftige ich mich grundsätzlich nicht.

Trotz glänzender Umfragewerte das Feld einem CSU-Mann zu ebnen: Wäre das nicht die Selbstaufgabe der CDU?

Merz: Historisch betrachtet war es bisher so, dass die CSU den gemeinsamen Kanzlerkandidaten dann gestellt hat, wenn die CDU mit ihrer eigenen Führung unzufrieden war. Das war 1980 so, das war 2002 so, und ich bin mir ziemlich sicher, dass das 2021 nicht so sein wird.

Was ist denn die wichtigste Aufgabe des künftigen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten? Das Land in einer Zeit der zunehmenden Polarisierung zusammenzuhalten – oder es wieder aufzubauen?

Merz: Es gibt zwei Etappen auf diesem Weg. Zunächst einmal muss die CDU geschlossen auftreten, deshalb ist für mich nicht der 4. Dezember der wichtigste Tag, sondern der 5. Dezember, der Tag nach der Wahl des neuen Vorsitzenden. Von diesem Tag an muss die CDU ein geschlossenes Bild abgeben, egal, wer gewählt worden ist. Die zweite Etappe ist dann die Gestaltung des Übergangs nach einer so langen Kanzlerschaft wie der von Angela Merkel. In einem Unternehmen können Sie so etwas organisch planen, in der Politik geht das nicht. Das heißt: Wir müssen uns im Zeitraffer neu aufstellen und unseren Führungsanspruch für unser Land neu formulieren.

Wo setzen Sie bei dieser Runderneuerung der CDU die inhaltlichen Schwerpunkte? Programmatisch wirkt die Partei am Ende der Merkel-Jahre ja wie ausgezehrt.

Merz: Wir brauchen ein klares Profil und eine klare Vorstellung davon, was wir in diesem Land in den nächsten zehn Jahren erreichen wollen. Konkret: Wie erneuern wir nach dieser historischen Krise die soziale Marktwirtschaft? Und wie schaffen wir es, Europa zu erneuern und voranzubringen, sodass wir auf Augenhöhe mit den USA und China kommen.

Wie sehr verändert Corona denn die globale Ordnung? Ist der ursprüngliche Krisenherd China am Ende womöglich der große Krisenprofiteur?

Merz: Das könnte sein. Auf der anderen Seite hat die chinesische Führung ganz offensichtlich sehr viel Angst um ihren eigenen Machterhalt, sonst würde sie sich in Hong Kong an die Verträge halten und nicht ein sog. „Sicherheitsgesetz“ gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen. Das chinesische Regierungssystem könnte nach innen weit weniger stabil sein als es von außen aussehen soll. Weder Wladimir Putin noch Xi Jinping können loslassen, der eine biegt sich dazu seine Verfassung zurecht und der andere ändert die Statuten der kommunistischen Partei und lässt sich zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit wählen.

Sie verlangen, dass Europa auf solche Herausforderungen gemeinsame Antworten findet. Aber wie soll es das ohne gemeinsame Außenpolitik?

Merz: Wir sind uns heute noch nicht einmal in der Analyse der Lage einig. Umso wichtiger wäre es, dass sich Deutschland und Frankreich wieder enger abstimmen. Ich weiß, wie schwierig das ist, aber ohne diese beiden Länder gibt es in einer europäischen Außen- und Sicherheitspolitik keinen Fortschritt.

Müssen wir uns umgekehrt stärker vor chinesischen Investitionen bei uns schützen? Chinesische Konzerne investieren strategisch sehr gezielt bei uns, etwa beim Augsburger Roboterbauer Kuka.

Merz: Wenn ein Land nicht bereit ist, seine eigenen Märkte vollständig zu öffnen, sollten wir natürlich auch bei den chinesischen Investitionen, die ja in der Regel von Staatsbetrieben ausgehen, genauer hinsehen, wenn diese sich bei uns engagieren wollen. Wir müssen uns stärker fragen, wo unsere Interessen eigentlich liegen. Das kann dann so weit gehen, dass wir für solche Investments einen staatlichen Genehmigungsvorbehalt einführen und dann eben auch mal Nein sagen. So, wie das im Außenwirtschaftsrecht heute angelegt ist.

Gilt dieses Pochen auf die eigenen Interessen auch für den Umgang mit den USA? Müssen wir uns stärker von Amerika emanzipieren?

Merz: Angela Merkel hat es ja schon vor langer Zeit gesagt: Wir werden unser Schicksal ein Stück weit selbst in die Hand nehmen müssen. Die Kritik der amerikanischen Regierung an Europa und unserem geringen Engagement in sicherheitspolitischen Angelegenheiten gibt es nicht erst seit Donald Trump. Vorbehalte werden heute von der amerikanischen Regierung sehr unhöflich formuliert, aber sie dürften uns noch weit über die Amtszeit von Trump hinaus begleiten.

Ist Deutschland in sicherheitspolitischen Fragen zu zurückhaltend?

Merz: Zwei Beobachtungen dazu: Es gibt, erstens, unter jungen Leuten in Deutschland ein wachsendes Interesse an außen- und sicherheitspolitischen Themen. Und es gibt, zweitens, zu Recht stark wachsende Sorgen um unsere Cyber-Sicherheit. Wir reden heute ja nicht mehr über große Panzerschlachten, sondern über Hackerangriffe auf unsere Datennetze – und die sind gefährlicher als das, was wir uns klassischerweise unter „Krieg“ vorstellen. Schon deshalb muss die Cyber-Sicherheit ein integraler Teil unserer eigenen Sicherheitspolitik werden. Es wird eine Zeit nach Trump geben, aber die wird nicht so sein wie die Zeit davor. Eine neue Arbeitsteilung mit Europa könnte im Interesse beider sein, der Europäer und der Amerikaner. Aber dazu muss man, trotz Trump, im Gespräch bleiben.

Wie beurteilen Sie als Amerika-Kenner die Situation in Trumps Partei? Gehen die Republikaner tatsächlich auf Distanz?

Merz: Die Zweifel an Trump nehmen auch im Establishment der republikanischen Partei zu. Und es wird im November ja nicht nur der Präsident gewählt, sondern auch das komplette Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats. Große Teile der Partei sind also selbst im Wahlkampf und spüren inzwischen auch, wie ihr Präsident das Land spaltet.

Zurück zur Innenpolitik. Als Kandidat ohne Amt und Apparat haben Sie es schwerer als ihre Mitbewerber Armin Laschet und Norbert Röttgen, die als Ministerpräsident und Abgeordneter schon kraft ihrer Ämter eine Bühne haben. Sie dagegen können im Moment nicht einmal von Kreisverband zu Kreisverband tingeln. Wie machen Sie diesen Wettbewerbsnachteil wett?

Merz: Das hängt von der weiteren Entwicklung in der Corona-Krise ab, also ob es wieder „normale“ Veranstaltungen geben kann oder nicht. Ich mache zurzeit relativ viel mit Videokonferenzen, eine davon sogar schon mit mehr als 2000 Teilnehmern. Aber das kann persönliche Begegnungen natürlich nicht vollständig ersetzen. Ich bin also nicht völlig von der Partei und den Menschen im Land abgeschnitten, aber ich freue mich doch schon sehr auf ein Stück mehr Normalität.

Ihre Arbeit für den Vermögensverwalter Blackrock hat Ihnen viel Kritik eingebracht. Wie sehr belastet das Ihren Wahlkampf um den CDU-Vorsitz und später womöglich den ums Kanzleramt?

Merz: Überhaupt nicht. Ich habe in diesem großartigen Unternehmen gut vier Jahre sehr gern gearbeitet, und ich werde mich dafür nicht entschuldigen. Ich habe das Amt niedergelegt, weil ich mich nochmals mit ganzer Kraft in der Politik engagieren möchte. Und dabei will ich natürlich auch nur den Anschein eines möglichen Interessenskonfliktes vermeiden.

Trotzdem kann es im Wahlkampf schnell persönlich werden. Gerhard Schröder hat den Schattenminister Paul Kirchhof 2002 als „Professor aus Heidelberg“ verhöhnt. Fürchten Sie nicht einen ähnlichen Effekt, dass Sie plötzlich der Neureiche mit dem Privatflugzeug sind?

Merz: Nein, das sehe ich nicht. Außerdem hinkt der Vergleich mit Herrn Kirchhof. Er hat damals oft das Gegenteil von dem gesagt hat, was wir in der Union damals für richtig gehalten haben. Natürlich werde ich polemisch angegriffen werden, aber dann werde ich antworten: Wollt ihr in der Politik nur noch Leute wie Kevin Kühnert, die ohne Ausbildung und Examen ihr ganzes Leben aus öffentlichen Kassen gelebt haben? Ich fange damit nicht an – aber wer anfängt, bekommt von mir auch eine entsprechende Antwort.

Wo haben Sie denn selbst überzogen? Indem Sie mit dem Privatflugzeug zu ihren Terminen gekommen sind? Oder indem Sie ihren Wohlstand, vorsichtig gesagt, etwas relativiert haben?

Merz: Für mein Berufs- und Privatleben muss ich mich nicht erklären oder gar rechtfertigen. Ich war von politischen Ämtern materiell nie abhängig. Ich war erfolgreich im Beruf, habe die letzten zehn Jahre lang mein Geld außerhalb der Politik verdient und in diesem Land auch immer ordentlich Steuern bezahlt. Das ist in Ordnung so, aber ich werde mich dafür auch nicht entschuldigen. Jetzt möchte ich in die Politik zurückkehren. Es klingt vielleicht etwas pathetisch, aber ich habe das Gefühl, dass ich diesem Land auch noch etwas zurückgeben kann für die Chancen, die es mir geboten hat.

Ist Ihre Erfahrung aus der Wirtschaft für die Politik in diesen aufgewühlten, polarisierenden Zeiten eher ein Vorteil oder ein Nachteil?

Merz: Es kann für die Übernahme einer politischen Führungsposition durchaus von Vorteil sein, wenn man sein Leben nicht nur in der Politik verbracht hat, sondern noch weiß, wie der normale Mensch auf der Straße tickt und worauf es in einem Unternehmen ankommt.

Wird die Polarisierung noch zunehmen?

Merz: Da bin ich mir nicht sicher. Ich stelle fest, dass gerade junge Menschen wieder kontrovers diskutieren wollen. Sie fordern dabei Respekt für sich und ihre Positionen ein, sind aber umgekehrt auch bereit, mit anderen respektvoll umzugehen. Diese Generation ist nach meinem Eindruck nicht auf persönlichen Krawall aus, auch wenn eine radikale und besonders laute Minderheit diesen Eindruck vielleicht erweckt.

 

Acht von zehn Menschen erwarten, dass die Corona-Krise Deutschland weiter entzweit als die Flüchtlingskrise. Was setzen Sie dem entgegen?

Merz: Die Menschen sind empfindlicher geworden, auch bei polemischen politischen Auseinandersetzungen. Deshalb ist es wichtig, sich respektvoll zu äußern und niemanden persönlich herabzuwürdigen. Wir werden in den nächsten Jahren mit der Krise leben müssen, die jetzt vor allem eine ökonomische Krise wird. Dieses Land ist schon vor Corona nicht gut genug gewesen, wir haben in verschiedenen Bereichen den Anschluss verloren. Durch die Pandemie werden unsere Probleme nun wie unter einem Brennglas noch offensichtlicher. Wir müssen unsere Verwaltungen modernisieren, unsere Schulen digitalisieren und wir brauchen jetzt eine Phase, in der sich Deutschland ein Stück weit neu erfindet. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

Wie teuer soll das alles noch werden? Es gibt bereits Überlegungen, die Kurzarbeit zu verlängern und den Rabatt bei der Mehrwertsteuer womöglich auch.

Merz: Ehe wir von der Verlängerung einzelner Maßnahmen reden, sollten wir erst einmal sehen, welche Wirkung sie denn tatsächlich haben. In erster Linie müssen wir unser Geld für Innovation ausgeben, für Bildung, Ausbildung und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Wir laden der jungen Generation eine so hohe Staatsverschuldung auf, das lässt sich nur rechtfertigen, wenn diese Generation auch der größte Nutznießer sein wird.

Wie sehr verändert die Krise Ihren ganz persönlichen Blick auf die Wirtschaft? Sie sind ein Vertreter der ordoliberalen Schule und müssen nun mit ansehen, wie der Staat bei der Lufthansa einsteigt und Tausende weiterer Unternehmen alimentiert.

Merz: Der Staat kann auch in einer solchen Situation nicht auf längere Zeit Mit- oder gar Haupteigentümer von Unternehmen sein. Deshalb brauchen wir eine Exit-Strategie für die Staatsbeteiligungen. Der Staat, in diesem Fall die Bundesregierung, darf keinen Spaß daran bekommen, sich als Unternehmer zu betätigen. Staatsbeteiligungen an Unternehmen sind grundsätzlich nur auf Zeit und nur unter besonderen Umständen zu rechtfertigen.

Aber von der schwarzen Null haben auch Sie sich schon verabschiedet…

Merz: Den Satz des Bundesfinanzministers „Wir können uns alles leisten“ mache ich mir ausdrücklich nicht zu Eigen. So richtig es ist, jetzt viel Geld in die Hand zu nehmen, so wichtig ist es, nach der Krise möglichst rasch wieder zu geordneten Staatsfinanzen zurückzukehren. Deshalb werde ich in den nächsten Wochen auch die Generationengerechtigkeit zu meinem Thema machen. Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag und müssen baldmöglichst zu finanzpolitischer Solidität zurückkehren.

Sie sind der älteste Bewerber im Feld – und machen sich zum Anwalt der Jugend?

Merz: Das muss kein Widerspruch sein, im Gegenteil.

Gehört zu Ihrem Generationenvertrag auch die Altersvorsorge? Sie haben immer wieder empfohlen, Geld in Aktien anzulegen. Viele Leute werden nun sagen: Wäre ich dem Merz damals gefolgt, wäre ich Anfang des Jahres mit meinen Aktien ziemlich auf die Nase gefallen.

Merz: Zur Wahrheit gehört aber auch: Sie stünden jetzt schon wieder besser da als weite Teile der Wirtschaft! Es gilt der alte Grundsatz: Es ist selten zu früh und nie zu spät. Für kurzfristige Spekulationen eignet sich das Sparen in Aktien natürlich nicht, der Mindesthorizont für eine solche Anlage sind zehn Jahre – diese Geduld muss jeder mitbringen. Aus meiner Sicht sind beim Thema Altersvorsorge vor allem zwei Dinge wichtig: Jede Form der betrieblichen Vorsorge muss so geregelt sein, dass man sie bei einem Arbeitsplatzwechsel auch mitnehmen kann – und sie muss breit diversifiziert sein. Mir hat jemand in diesen Tagen geschrieben, er habe 70 Prozent seines Vermögens in Aktien von Wirecard gesteckt und furchtbar viel Geld verloren. Da frage ich mich schon: Wer hat ihm das denn geraten? Hier frisst die Gier den Verstand auf. Es gibt auch am Aktienmarkt ein paar Regeln, um das Risiko zu minimieren. Eine davon lautet: Breit gestreut, nie bereut.

Die Riester-Rente haben Sie jetzt außen vor gelassen. Hier treffen hohe Kosten auf niedrige Renditen – ein brisanter Cocktail für Alterssparer.

Merz: Riester hat den großen Nachteil, dass die Anbieter den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantieren müssen. Diese Garantie kostet bis zu drei Prozent Rendite im Jahr – und das stellt dann leider das ganze Modell in Frage.

Zum Schluss noch ein anderes Thema. Die junge Generation, deren Fürsprecher Sie sein wollen, stürzt überall in der Welt Denkmäler von ihren Sockeln und fordert auch in Deutschland einen neuen Umgang mit dem Thema Rassismus in unserer Geschichte. Zu Recht?

Merz: Ich finde, dass diese Diskussion zu intolerant und häufig genug auch sehr geschichtsvergessen geführt wird. Bismarck und die preußischen Könige will heute keiner mehr wiederhaben, aber sie sind Teil unserer Geschichte. Wer sie nur durch die heutige Brille beurteilt, kann sie natürlich hart kritisieren. Aber man muss intelligenten jungen Menschen doch zutrauen und auch zumuten können, Personen der Zeitgeschichte in ihrem jeweiligen historischen Kontext zu beurteilen.

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07.07.2020

Nicht mal die SPD will Kevin Kühnert ;-)

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06.07.2020

Merz rühmt sich immer seiner Erfahrungen in der Privatwirtschaft. Er habe dort "gutes Geld" verdient und müsse sich "dafür nicht schämen". Wer sich mit seinem Lebenslauf beschäftigt, stößt allerdings schnell auf die typische Karriere des Berufspolitikers: Junge Union, Jurastudium, drei Jahre Berufstätigkeit in einem Verband, danach weitergereicht von einem Parlament zum nächsten. Dort tat er sich zwar als guter Redner hervor, er war aber nie Minister und hat nie eine Behörde geleitet.
Das ""gute Geld" hat er nach seinem Ausstieg aus der Politik verdient - als Unternehmensberater und Anwalt, wo er seine in der Politik erworbenen erstklassigen Kontakte nutzen konnte und vor allem als Lobbyist tätig war. Unter richtiger "Arbeit" in der Privatwirtschaft stelle ich mir etwas anderes vor.
Dass man als Ex-Politiker nur sein Mäntelchen an der richtigen Stelle aufhalten braucht und die Goldtaler purzeln nur so hinein, sieht man gerade wieder am Beispiel Gabriel. Bei Merz hat es sogar zum eigenen Flugzeug gereicht.

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06.07.2020

Herr Merz hat vollkommen Recht !

Ein Land , in welchem ernsthaft (!) über solche Figuren wie Kühnert diskutiert wird - kann ja nur noch bedauert werden .

Aber wir sind ja auf dem besten Weg mitten hinein in den Totalen Sozialismus !

Und das , obwohl Deutschland -vor Corona- die niedrigste Arbeitslosenquote und die höchsten Steuereinnahmen bei den höchsten je ausgegebenen Sozialhilfe- und Rentenzahlungen gehabt hatte ! Und dies sogar mit faktischem Schuldenabbau .
Als Sahnehäubchen obendrauf konnte man es sich leisten, unzählige Flüchtlinge aufzunehmen und zu finanzieren .

Also :
So gut wie zuletzt - bis vor der Coronakrise- ging es den Deutschen seit den Jahren des Wirtschaftswunders (welches - wie schon lange lange bekannt - eben nicht von L. Erhard initiiert wurde , sondern von einem Beraterteam des amer. Außenministeriums) nicht mehr !

Und dennoch segelt dieses Volk beständig mit vollem Wissen und Wollen zu jener einöden nebeligen Insel , die da Sozialismus heißt !
Es ist unbegreiflich , dieses Volk !

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06.07.2020

"Aber wir sind ja auf dem besten Weg mitten hinein in den Totalen Sozialismus !"

"Und das , obwohl Deutschland -vor Corona- die niedrigste Arbeitslosenquote und die höchsten Steuereinnahmen bei den höchsten je ausgegebenen Sozialhilfe- und Rentenzahlungen gehabt hatte ! Und dies sogar mit faktischem Schuldenabbau ."

Also bis unmittelbar vor "Corona" hatten wir - man fasst es nicht - trotz Kühnert - der Merz war ja noch Strippenzieher und Blackrocker - paradiesische Zustände!

Da müssen uns doch - tückisch, wie sie nun mal sind - die Chinesen nicht nur ein gefährliches Virus namens "Corona" sondern so nebenbei auch noch die viel gefährlichere Seuche "Sozialismus" untergejubelt haben.

Einfach köstlich . . .

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06.07.2020

Wieso die Aufregung? War doch klar. Wie heißt es? Am Schluss siegt der Sozialismus;-)

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06.07.2020

@ HARALD V.

Oder wie meinte Honi -Gott hab' ihn selig:
"Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Peter noch Maria auf" oder so ähnlich . . . ;-)

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06.07.2020

Was für ein Unsinn hier in den Kommentaren geredet wird.

@Rohald H. : Hier ist ein Interview von Kühnert in der AA vom 06.03.2020:
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Kevin-Kuehnert-SPD-muss-Kanzlerkandidatur-klaeren-id56977701.html
Das waren 3 Sekunden in Google.

Natürlich ist jemand der sich in der Privatwirtschaft bewährt hat besser als jemand der schon immer von Anderer Leute Arbeit gelebt hat. Merz hat viel verdient? Ist doch super. Wollt ihr einen Versager der am Existenzminimum kratzt als Kanzler? Soll jemand der privat nichts auf die Reihe bringt Verantwortung für eine ganze Nation übernehmen? Ist es moralischer von Steuern (Arbeit von Anderen) zu leben?

Die Altersvorsorge basierend auf Aktien/ETFs/Fonds macht absolut Sinn. Selbst in der Corona-Krise sind wir gerade mal auf den Stand von 1-2 Jahren vorher zurückgefallen, 2 Monate später haben wir teilweise neue Höchststände. Wer sich noch nie mit Finanzen beschäftigt hat bezeichnet die Börse gern als Zockerei, aber das ist einfach nur faules Unwissen. Langfristiges und informiertes Buy-and-Hold hat nichts mit Zockerei zu tun.

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06.07.2020

" Ist es moralischer von Steuern (Arbeit von Anderen) zu leben?"

Für alle, die nur mit Geld Geld verdienen wollen arbeiten andere - auch für Aktionäre.
Notfalls wird denen der H . . . dann sogar mit Steuergeldern gerettet. Siehe Finanzkrise 2008 oder jetzt die Lufthansa.

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06.07.2020

Das ist vollkommener Blödsinn. Kaufen Sie sich Aktien eines Unternehmens, dann sind sie auch Aktionär. Wenn es so einfach ist andere für sich Arbeiten zu lassen, warum kaufen Sie dann nicht mit 100% ihrer Ersparnisse Anteile? "Nur mit Geld Geld verdienen" bedeutet, dass man bereit ist für das Risikos eines Unternehmens zu haften. Aktionäre sind bei einer Rettung die letzten, die noch was bekommen. Davor kommen die Gläubiger.

Außerdem bin ich auch gegen die staatliche Rettung von privaten Unternehmen. Oder noch schlimmer den staatlichen Einstieg in Unternehmen. Der Staat soll den Unternehmen und privaten Haushalten dafür von Anfang an weniger wegnehmen. Und Pleite gehen lassen, wenn das Unternehmen nicht mehr überlebensfähig ist.

Aber man kann in gut alt-deutscher Manier natürlich auch einfach auf die "bösen" Aktionäre da oben schimpfen.

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06.07.2020

Die Frage, ob ein Herr Merz auch ohne seine politische Vergangenheit (Abgeordneter 1989-2009) eine entsprechende Karriere gemacht hätte, lassen wir mal dahingestellt wie, ob Gerhard Schröder als normaler Anwalt aus Hannover Aufsichtsratsvorsitzender bei Nordstream geworden wäre.

Eine Altersversorgung auf Aktienbasis macht nur teilweise Sinn.
Einmal ist dies in den USA weit verbreitet (z.B. n Rentefonds). Hat aber auch schon vielen dort den Ruhestand mehr als versaut, wennd er Rentfonds falsch aufgebaut war oder aufs falsche Pferde gesetzt hat.
Zum anderen stellen AkKtien / Fonds zwar eine sinnvolle Ergänzung dar. Wenn aber die Altersversorgung einer ganzen Volkswirtschaft da reingepumpt wird, stellt sich durchaus die Frage ob das nicht nur eine Blase erzeugt, die genau dann wenn sie gebraucht wird, platzt und nur die Fondsgesellschaften sich große Renditen (in Form von Gebühren, Provisionen, usw.) erwirtschaftet haben.
Der ursprünglich Sinn der Börse war Kapital an Firmen zu bringen, die mit diesen Kapital wirtschaften. Im Gegenzug erhalten die Investoren Dividenden bzw. können auf diese spekulieren. Die Spekulation auf Kurssteigerung ist ein Nebeneffekt.
Wenn nun viel Geld reingepumpt wird, ist die Frage, ob die Firmen auch entsprechend Dividenden erwirtschaften können. Eine durchschnittliche Dividende auf Niveau von jetzigen Sparbüchern wird keine Renten sichern.
Aktuell gibt es ja bereits viele Firmen, wo Verluste gemacht werden und der Kurs trotzdem steigt. Hier ist es einfach eine Wette auf die Zukunft. Also viel Spekulation. Aber irgendwann muss auch hier das Geld erwirtschaftet werden. Wenn das "Irgendwann" nicht eintrifft, wird der Kurs ins Bodenlose fallen.
P.S: Die steigende Aktienkurse sind aktuell auch dem niedrigen Zinsniveau geschuldet. Mit einem höheren Zinsniveau wären die Aktienkurse (ähnlich wie Immobilienpreise in Ballungsräume) nicht so gesteigen.

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06.07.2020

@ FLORIAN B.

Blödsinn verzapfen hier schon Sie.

Was glauben Sie denn, wer die Dividenden oder den Wertzuwachs eines Unternehmens erarbeitet. Geld arbeitet entgegen anderslautenden Märchen nicht.

Dass Aktionäre am unternehmerischen Risiko beteiligt sind bestreite ich nicht. Alles andere wäre auch grotesk. Oft genug wird jedoch das Risiko des Totalverlustes vom Staat gemindert.

Was Sie zur Besteuerung privater Haushalte und Unternehmen meinen ist Ihnen unbenommen und mir völlig egal. Sie können es meinetwegen auch Ihrem Friseur erzählen.

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06.07.2020

@ Harald V.

Ich gebe Ihnen in fast Allem recht. Denke man kann da mittlerweile mit sehr breit gestreuten und natürlich globalen ETFs aber viele Risiken mindern. Aktive Fonds finde ich für eine Altersvorsorge auch nicht sinnvoll. Die Wette, dass die globale Wirtschaftskraft in 35 Jahren größer ist als jetzt, bin ich bereit für meinen Altersversorgung einzugehen und scheint mir wesentlich sicherer als auf das momentane deutsche Rentensystem zu hoffen.

Bin eigentlich nicht mal ein großer Merz-Fan, aber die Kritik an ihm finde ich absolut von der falschen Richtung kommend. Ihr Kommentar zur Blasenbildung ist ein interessanter Denkanstoß.

@ Georg Kr.

Wenn es sie nicht interessiert müssen Sie ja nicht drauf antworten.

Was genau hindert Sie daran Aktionär zu werden, falls Sie da so viele Vorteile sehen? Geld nimmt keine Schaufel in die Hand, aber gut investiert kann es sehr wohl für eine Steigerung der Wirtschaftskraft sorgen. Das sozialistische Märchen, dass nur der 'einfache' Arbeiter einen Lohn verdient und alle Land-/Kapital-Besitzer der Teufel sind, ist ja wohl sowas von überholt.

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06.07.2020

@ FLORIAN B.

"Was genau hindert Sie daran Aktionär zu werden, falls Sie da so viele Vorteile sehen?"

Da ist ganz einfach zu erklären: Ich verspüre nicht die geringste Lust, Lebenszeit mit dem Beobachten von Aktienkursen zu verplempern. Zu sehen, wie unsere fulminanten Manager ein deutsches Dax-Unternehmen nach dem anderen an die Wand fahren und dafür noch fette Boni und gigantische Abfindungen einstreichen, amüsiert mich eher.
Allerdings hätte ich nichts dagegen, Kapital in seriös von persönlich haftenden Unternehmern bzw. Gesellschaftern geführte Betriebe zu investieren.
Dass Aktienkurse immer dann steigen, wenn Arbeitnehmer zu Tausenden auf die Straße fliegen, dass bei einem "Lockdown" von wenigen Wochen bereits ein Riesengejammer und -geschrei nach Staatshilfen einsetzt, zeigt die ganze Perversion dieses Schweinesystems.

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06.07.2020

@Florian b.
Ein aktienfinanziertes Rentensystem ist genauso zukunftsfähig wie unser jetziges Rentensystem.
Wenn man monatlich 500 € angespart, müsste die Rendite nicht nur 100 % sein. Die Inflation muss man ja auch miteinrechnen. Bei einer großangelegten Finanzierung von Renten dürfte eine kapitalschwemme die Rendite bei den Dividenden verwässern und birgt die Gefahr einer Blase. Es kann eine stütze einer künftigen altersvorsorge sein. Ein Königsweg sicher nicht.

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07.07.2020

@ Georg Kr.

> Ich verspüre nicht die geringste Lust, Lebenszeit mit dem Beobachten von Aktienkursen zu verplempern

Sie verwechseln Day-Trading mit langfristigem investieren.

@ Harald V.

Ich kann Ihnen bei den Zahlen nicht ganz folgen. Wieso braucht es eine Rendite von 100%? Meinen Sie jährlich?
Der MSCI World z.B. hat sein 1970 eine durchschnittliche Rendite von 7,1% pro Jahr. Legen Sie jeden Monat 500€ darin an, wären Sie damit nach 40 (Arbeits-) Jahren bei 1.316.386,40€. Ab dem Zeitpunkt könnten Sie schon einen Großteil des Lebensunterhaltes aus Dividenden bezahlen, ohne Ihr Anlagevolumen groß schmälern zu müssen im Alter. Zusätzlich kann man das ganze ja auch mit antizyklischen Anlagen (REITS, Edelmetalle, Bitcoin, etc.) hedgen.

Ob das deutsche Renten-Vermögen zur Blasenbildung führt, wenn man bedenkt dass viele (auch wesentlich reichere) Nationen das schon ähnlich betreiben, wage ich etwas zu bezweifeln. Dafür müsste ich aber noch genauer recherchieren.

Am Ende wird es wie mit so vielen Dingen sein: Ein Kompromiss zwischen mehreren Wegen führt zum Ziel.

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07.07.2020

Nochmal kurz nachgeschoben: Ich denke eine jährliche Rendite von 7,1% ist momentan zu hoch gegriffen, gerade wenn man sie noch absichern will. Aber es zeigt trotzdem wie sich der Zinseszins-Effekt auf mehrere Jahrzehnte auszahlt. Die Inflation wird damit locker aufgefangen. Bei der obigen Rechnung würde man insgesamt 'nur' 240.000€ einzahlen, 1.076.386,40€ wären die Rendite. Bei geringerer jährlicher Rendite eben dann entsprechend weniger.

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05.07.2020

Dieser Merz ist ein Teil der Heuschreckenkultur der Geld zu den Reichen schaufelt ohne was neues zu schaffen.
Vor einem Würth mit seinen 10 Milliarden habe ich Respekt. Der hat was geschaffen. Vor einem Merz habe ich keinen Respekt.

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05.07.2020

Diese Überheblichkeit tut schon weh.
Gnade uns, wenn dieser Herr Kanzler werden sollte.
Dann würden sich alle Menschen ohne Millionen auf dem Konto sehnlichst wieder SPD/Grüne wünschen.

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05.07.2020

Lieber zwei Kevin Kühnert als ein Merz. Friedrich Merz ist ein lupenreiner Opportunist..klar das die AZ so einen rumschwadronieren lässt..

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05.07.2020

Jedenfalls wollen wir keine Leute wie Friedrich Merz.

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06.07.2020

Wer 10 Jahre "BLACK ROCK" hinter sich hat ist vorbelastet und für der Politik eh nicht mehr geeignet.

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05.07.2020

Merz, Laschet, Söder, Röttgen? Nachdem es für uns Wähler bei jeder Abstimmung um das kleinere Übel geht, bin ich in diesem Fall ausnahmsweise für Merkel.

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05.07.2020

Nein aber solche leute wie Friedrich Merz sollte man auch nicht wollen

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05.07.2020

Merz ist eine skrupellose Heuschrecke. Dass die Augsburger Allgemeine solchen Leuten eine Plattform bietet, ist einfach nur bedenklich.
Kühnert würde hier kein Interview bekommen. Das ist einfach nur beschämend.

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