1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Stellenabbau hier, Fachkräfte-Suche da: So trifft die Auto-Krise die Region

Auto-Zulieferer

12.01.2019

Stellenabbau hier, Fachkräfte-Suche da: So trifft die Auto-Krise die Region

Im Spritzgussverfahren stellt die Wafa unter anderem Kühlergrills für BMW oder Audi her. In der hauseigenen Galvanik werden die Kunststoffteile in einem aufwendigen Verfahren verchromt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Kuka in Augsburg muss 300 Millionen Euro sparen und Stellen abbauen. Andere Zulieferer sind weniger pessimistisch – und suchen teilweise sogar noch Mitarbeiter.

Bosch, Osram, Kuka: Die Probleme in der Automobilindustrie bekommen auch immer mehr Zulieferer aus Bayern zu spüren. Der Augsburger Roboterbauer Kuka will in den kommenden Jahren rund 300 Millionen Euro einsparen – offenbar auch beim Personal.

„Wir müssen das tun, nachdem sich die Auftragseingänge nicht so positiv entwickeln, wie wir das ursprünglich angenommen haben“, betonte Interims-Chef Peter Mohnen in einem Interview mit unserer Redaktion. Einzelheiten zum Umfang des geplanten Stellenabbaus nannte er jedoch nicht. „Noch wissen wir erst, dass es zu Personalanpassungen kommen wird – und das nicht nur, aber auch in Augsburg.“ Im November hatte Mohnen noch betont, dass seine Pläne für Kuka keine Stellenstreichungen vorsehen. Konkret sagte er: „Wenn ich sage, dass wir uns wetterfest machen, geht es nicht um einen Job-Abbau.“

Schwache Nachfrage, Konjunktureinbruch in China: Zulieferer in der Region sehen die Lage gelassen

An sich hat der chinesische Eigentümer Midea dem Augsburger Unternehmen eine Beschäftigungsgarantie bis 2023 gegeben. Dazu sagte Mohnen: „Was wir als Kuka-Vorstand nun machen, hat nichts mit der Beschäftigungsgarantie von Midea zu tun. Diese im Investorenvertrag festgelegten Garantien sichern, dass Midea uns als Kuka-Vorstand nicht anweisen kann, etwa Personalmaßnahmen vorzunehmen.“ Kuka beschäftigt weltweit rund 14.000 Mitarbeiter, davon etwa 4000 am Hauptsitz in Augsburg. Nach Angaben von Mohnen haben die schlechten Zahlen mehrere Ursachen – neben der schwächeren Nachfrage aus der Auto- und Elektronikindustrie gehöre dazu auch der Konjunktureinbruch in China. Zahlreiche Zulieferer hatten ihre Geschäftsaussichten bereits zuvor zurechtstutzen müssen. Unter anderem hatte auch Osram-Chef Olaf Berlien gegenüber unserer Redaktion schwache Zahlen angedeutet: „Ich sehe dunkle Wolken für 2019 am Horizont aufziehen.“

Viele Zulieferer in der Region sehen die Lage gelassener – oder haben bisher keine vergleichbaren Probleme. Oswald Berger, der Geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen Memminger Unternehmens, räumt zwar „gewisse Rückgänge“ bei den Aufträgen ein. Von einer Krise will er aber nicht reden. Die gegenwärtige Situation schade dem Betrieb, der unter anderem Dreh- und Frästeile für Mercedes herstellt, noch nicht. „Sie sorgt eher dafür, dass weniger Überstunden anfallen.“ Wer jedoch exklusiv für Audi fertige, habe größere Probleme, ahnt Gregor Ludley, der Geschäftsführer der Höchstädter Firma Nosta, die Bauteile aus Stahl für Getriebe, Motoren und Kurbelwellen fertigt. Über Nosta sagt er: „Wir verzeichnen Steigerungsraten.“

Einige Unternehmen suchen sogar noch gezielt nach Fachkräften. Dazu gehört etwa die Augsburger Firma Wafa, die die großen Automobilhersteller unter anderem mit Kühlergittern und Radkappen beliefert und für die nächsten Jahre „signifikante“ Umsatzsteigerungen erwartet. Ein Personalabbau wie bei Kuka sei daher nicht vorgesehen, betonte Geschäftsführer Martin Witte: „Wir suchen im Gegenteil dringend Fachkräfte, insbesondere im Bereich Galvanik.“

Ifo-Chef Fuest: "Herausforderung wird Autoindustrie noch lange beschäftigen"

Anders als bei BMW oder Mercedes ist der Absatz bei Audi nach mehreren Rekordjahren 2018 um 3,5 Prozent auf 1,8 Millionen Fahrzeuge gesunken. Der US-Autobauer Ford will wegen des schwächelnden Geschäfts in Europa womöglich sogar ganze Werke streichen.

Das Münchner Ifo-Institut rechnet für das laufende Jahr trotzdem mit keiner Rezession, sondern lediglich mit einer Abkühlung der Konjunktur. Die Autobranche leide gegenwärtig unter den Problemen mit einem neuen Abgasstandard, betonte Ifo-Chef Clemens Fuest gegenüber unserer Redaktion.

ifo-Chef Clemens Fuest: "Diese Herausforderung wird die Autoindustrie noch lange beschäftigen"
Bild: Christina Sabrowsky, dpa

„Aber diese Schwierigkeiten sind vorübergehend.“ Dazu komme jedoch der Übergang zu alternativen Antrieben. „Diese Herausforderung“, so Fuest weiter, „wird die Autoindustrie noch lange beschäftigen.“ (sts, bv, möh, arz, mke)

Hier lesen Sie die Analyse unseres Chefkorrespondenten Stefan Stahl zum Thema: Erst Osram, dann Kuka: Der Pessimismus wächst

Auch in der aktuellen Folge unseres Podcasts "Bayern-Versteher" geht es um Kuka. Stahl, der das Unternehmen bereits seit vielen Jahren intensiv beobachtet, analysiert gemeinsam mit Michael Stifter, Leiter des Ressorts Politik und Wirtschaft, die Lage beim Augsburger Roboterbauer. Hier können Sie reinhören:

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

12.01.2019

Die kommende Rezession ist sicherlich auch der Weltwirtschaft geschuldet. Dennoch ist bei früheren Einbrüchen Deutschland relativ unbeschadet durchgekommen. Das hatten wir unsrer starken Exportwirtschaft zu verdanken, die auch die inländische Kaufkraft positiv beeinflusste und damit die Binnennachfrage stärkte. Was sich aber jetzt zusammenbraut, wird in seiner zerstörerischen Kraft nur von den Wenigsten wahrgenommen. Wenn die heimische Automobilindustrie einen Schnupfen hat, bedeutet das Influenza für ganz Deutschland. Der Industriestandort als Ganzes ist gefährdet. Durch immer irrsinnigere Regulierungen steht die Automobilindustrie am Abgrund. Die Folgen werden den Wohlstand und damit dieses Land für immer verändern. Erste Boten wie Stellenabbau bei VW, Audi Ford, Kuka, BMW usw. zeigen sich bereits. Technischer Fortschritt und Firmengründungen finden größtenteils in Asien und USA statt. Bildungsmisere, Wirtschafts- und Leistungs-Feindlichkeit und ein ausufernder Sozialstaat geben den Rest. Deutschland hat fertig.

Permalink
12.01.2019

Denke, die Autobranche hat sich in Verbindung mit diversen anderen Lobbys selbst in die Misere gefahren, denen es nur um den großen Reibach geht. Speziell die Autobranche hätte schon seit Jahrzehnten die Chance gehabt ihre Motoren successive "umweltfreundlich" zu gestalten. Nein, den Diesel hatte man als ökologisch eingestuft und damit Millionen Neukunden weltweit damals schon belogen und betrogen. Immer in Verbindung mit einer Politik, die bei allem nur die Augen zugedrückt und die liberale Marktwirtschaft gepredigt hat.
Richtig, die "innovativen" Firmengründungen finden in Asien statt, dank westlicher Schützenhilfe. Waren es nicht in erster Linie die deutschen Autohersteller, die ihr gesamtes Kno-how dorthintragen, in der Hoffnung, dass die Umsätze ins unermessliche steigen? Vermutlich haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wie das Beispiel KUKA zeigt. Aber hier auf höchstem Niveau jammern und ständig den "Staat" für ihr Verschulden heranziehen.
Stellenabbau ist natürlich immer schon ein Reizwort gewesen und alles ist dabei auf die dreckigen Knie gefallen - und genau das ist heute das Problem. Alles wurde unkontrolliert und devot abgenickt und geglättet. Die Beschäftigten dieser Branche fallen nicht hart, den harten Aufprall gibt es nur im Zuliefererbereich des Mittelstandes wo Frühfrühverrentungen zu Lasten der Sozialkassen und horrende Abfindungen ein Fremdwort sind. Solange VW seinem abgetauchten Manager immer noch täglich 3000 Euro in den Rachen werfen kann, von anderen "Verteilungen" wollen wir gar nicht schreiben, kann es mit der Not nicht weit her sein!

Permalink
Lesen Sie dazu auch
DSC_7343.jpg
Wirtschaft

Plus Schwaben-Check: Wie stark ist unsere Region wirklich?

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen