Gefälschte Briefe aufgetaucht
Immer mehr Rätsel im Fall Mannichl
10.01.2009 09:10 UhrVon Holger Sabinsky und unseren Nachrichtenagenturen
Passau/Augsburg. Im Fall des niedergestochenen Passauer Polizeichefs Alois Mannichl wächst der Druck auf die Ermittler, Fortschritte ihrer Arbeit zu präsentieren. Denn es häufen sich Hinweise und Spekulationen, der Polizeidirektor sei entgegen erster Vermutungen doch nicht Opfer eines Neonazi-Attentats geworden.
Knapp vier Wochen nach den Messerstichen sind nun gefälschte Briefe aufgetaucht, in denen der Fall als Familiendrama dargestellt wird. Der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt Helmut Walch betonte, die mit einem Polizeilogo versehenen Schreiben seien "schlichtweg gefälscht".
Durch Fragen und Spekulationen zu der Tat nimmt auch der Druck auf den 52 Jahre alten Polizeichef selbst zu. Nach Informationen unserer Zeitung sind bei der Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen gegen Alois Mannichl eingegangen. Darin heißt es, der Polizeichef sei verdächtig des "Vortäuschens einer Straftat". Da dies ein sogenanntes Offizialdelikt ist, muss die Staatsanwaltschaft solchen Anschuldigungen nachgehen.
Mannichl selbst zeigt sich tief betroffen: "Ich gehe durch ein tiefes Tal. Jeden Tag kommt ein neues. Ich hoffe, dass das bald vorbei ist", sagte er der Münchner Abendzeitung. Zur Kritik, dass er sich als erfahrener Polizist nur vage an den Messerstecher erinnert, sagte Mannichl: "Da kann ich nur lachen. Wenn es ums blanke Überleben geht, denkt man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter hat."
Das Landeskriminalamt (LKA), das die Ermittlungen im Fall Mannichl inzwischen leitet, hüllt sich in Schweigen. Man werde zu Spekulationen keine Stellung nehmen, so Sprecher Christian Wacker. Nach unserer Zeitung hatte auch die Süddeutsche Zeitung einige Fragen zum Hergang des vermeintlichen Messer-Attentats aufgeworfen und Ermittler zitiert, dass in dem Fall irgendwas nicht zusammenpasse.
Inzwischen spricht auch der leitende Ermittler Helmut Walch von "Merkwürdigkeiten", was die Tatwaffe und das Fehlen von DNA-Spuren betrifft. Es sei "merkwürdig", dass für die Attacke ein Messer aus Mannichls Haushalt benutzt worden sei und keine Fremdspuren auf dem Messer zu finden seien. Er gehe aber weiter davon aus, dass es sich um einen rechtsextremen Täter handeln könnte, so Walch gegenüber der Süddeutschen Zeitung.
Zweifel am rechtsextremen Hintergrund der Messerstiche nennt LKA-Sprecher Wacker Spekulation. Mannichl war vor seiner Haustür niedergestochen worden. Da er in der Vergangenheit scharf gegen Neonazis vorgegangen war und den Täter als offenkundig Rechtsextremen beschrieben hatte, konzentrierten sich die Ermittlungen auf die rechte Szene. Doch bis heute gibt es keine Fortschritte oder neue Spuren, wie das LKA gestern bestätigte.
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